Ich habe euch bereits erzählt, dass ich nach dem Tod meiner Schwester 2006 von meinen Freunden viel Unterstützung bekommen habe. Obwohl niemand wirklich die Trauer, die man spürt, lindern kann, ist es trotzdem schön, wenn man jemanden hat, den man umarmen kann und dazu eine Hand auf der Schulter, mit Liebe und Mitgefühl. Es gab jedoch auch einige Menschen, die ich für Freunde heilt, die jedoch bei ihrem Kontakt nicht wirklich vorhatten, uns zu unterstützen.
Ich habe eine solche Email bekommen. Sie kam von einer Frau, die ich einmal als sehr gute Freundin betrachtet hatte, von der ich jedoch bereits erkannt hatte, dass sie für mich ein bisschen zu tief in der Esoterik-Szene war. Sie glaubte an Dinge, die ich für viel zu unglaublich hielt und aufgrund ihrer Versuche, andere zu überzeugen, die nicht wirklich gut aufgenommen wurden, hatte ich etwas Abstand zwischen uns schaffen müssen.
Sie fing ihre Email damit an, ihr Mitgefühl über den Tod meiner Schwester Para auszudrücken. Daraufhin jedoch erklärte sie, sie hätte einen Traum gehabt. In diesem Traum wäre Para in einer Art Zwischenwelt und ihre Seele hinge dort fest aufgrund ihres Karma, das sie in ihrem Leben nicht mehr hatte auflösen können – da dieses ja vorzeitig beendet worden war. Ich sollte bestimmte Zeremonien und Gebete machen, um der Seele meiner Schwester beizustehen.
Ist das zu glauben? Dass jemand eine solche Mail einem Mann schicken würde, der gerade seine Schwester verloren hatte und deshalb in tiefer Trauer ist? Wer würde schon gerne hören, dass ein geliebter Mensch in einer Art Fegefeuer sitzt und dort leiden muss? Ein Versuch der Erpressung, um irgendwelche seltsamen Rituale zu veranstalten?
Ich schickte eine verärgerte Antwort zurück und obwohl ich nicht mehr genau weiß, was ich geschrieben habe, glaube ich, dass ich ihr antwortete, sie solle sich nicht um das Wohlergehen meiner Seele oder der Seelen meiner Familie kümmern. Vielleicht hatte sie es gut gemeint, aber es war definitiv nichts, was man einer trauernden Person sagt!
Einigen Menschen fehlt einfach jede Art von Feingefühl, wenn es um die Gefühle anderer geht. Eine weitere Frau war einmal zu Besuch in den Ashram gekommen. Wir kannten einander seit Jahren. Als sie ging, stieg sie in das Taxi, das sie zum Flughafen bringen sollte und fragte den Fahrer nach dem Gurt. Da die meisten Leute in Indien diesen eigentlich nicht anlegen, musste er ein paar Minuten suchen, bis er ihn hinter der Sitzabdeckung hervorgeholt hatte. Als der Gurt einschnappte, drehte sie sich zu uns und sagte ‚Ich habe aus eurer Erfahrung gelernt!‘ und fuhr davon.
Selbst mit einem Gurt hätte meine Schwester und jeder andere auf ihrer Seite des Autos keine Überlebenschance gehabt. Ungeachtet dessen jedoch sagt ein Freund so etwas nicht. Ich denke, ich brauche nicht erwähnen, dass wir nicht mehr befreundet sind.
So habe ich gelernt, dass man in schlechten Zeiten auch herausfindet, welche Freunde wirklich echt sind und welche nicht.
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