2007 reiste ich wieder mehrere Wochen lang durch Australien. Als ich das Jahr zuvor dort gewesen war, hatte ich bei einem Paar gewohnt, das ständig miteinander stritt. Ich war erstaunt darüber, wie sie überhaupt noch zusammen sein konnten! Während sie sich beide freuten, dass ich da war, verstand ich mich besser mit dem Mann und hatte auch einige Gespräche mit ihm über seine Beziehung. Er war fest entschlossen, nicht mit seiner Freundin Schluss zu machen und erklärte mir auch seine Gründe. Als ich 2007 wiederkam, stellte ich fest, dass er aufgegeben hatte.
Ich war wirklich sehr überrascht von den Gründen, die mein Freund mir dafür nannte, die Beziehung nicht zu beenden. Er war mit dieser Frau fünf Jahre lang zusammen gewesen. Nach einem Jahr zusammen, zog sie bei ihm ein. Es war sein Haus und ihm gehörte auch ein gutes Stück Land um das Haus herum. In Australien hatte ich mehrere solche Orte gesehen, mit Feldern und Wiesen um das ganzen Haus herum. Viel Platz, viel zu viel für eine Person. Deshalb war er zu Beginn sehr froh gewesen, dass seine Freundin bei ihm einzog.
Nach etwa zwei Jahren jedoch begannen die Probleme. Sie diskutierten wegen vielen kleinen Dingen. Die Diskussionen weiteten sich zu Streit aus, auch bei größeren Themen. Als ich 2005 kam, lebten sie schon vier Jahre lang zusammen und stritten sich jeden Tag über kleine Dinge, große Fragen und dann über Bemerkungen, die sich auf vorherige Streitgespräche bezogen, was natürlich die Spannung zwischen ihnen noch erhöhte. Ich hatte das Gefühl, dass da ganz viel Bitterkeit war zwischen ihnen. Zu viel, um noch Platz für Liebe zu lassen.
Als ich das meinem Freund vorsichtig sagte, hatte ich den Eindruck, dass er das auch sehr wohl wusste. Er hielt sich nicht zurück und so fragte ich ihn geraderaus: ‚Warum trennt ihr zwei euch nicht?’
Ich erfuhr da, dass es in Australien ein Gesetz gab, laut dem ein Paar nicht verheiratet sein muss, um Rechte auf das Grundstück des jeweils anderen zu haben. Mein Freund erzählte mir, dass ein Teil seines Hauses und Grundstücks nun seiner Freundin gehörte, weil sie als Partner länger als zwei Jahre darin gewohnt hatten. Selbst wenn sie sich nun trennen würden und sie auszöge, würde ihr ein Teil seines Grundstücks gehören.
Auf meine Frage hin, ob es das denn wert war, im ständigen Streit zu leben und so seinen inneren Frieden rein für ein Grundstück und also schlussendlich für Geld aufzugeben, saß er ein paar Augenblicke ganz still vor mir. Schließlich antwortete er jedoch mit fester Stimme: Nein, es geht nicht nur ums Geld – vielleicht ist es ja eine Phase und wir finden wieder zueinander!
Wie ich sagte, als ich 2007 wieder bei ihm ankam, hatte er aufgegeben. Sie hatten sich getrennt, sie war ausgezogen, er hatte einen Teil des Grundstücks verkauft und ihr das Geld ausgezahlt. Geld gegen inneren Frieden – und er war nun wirklich ein glücklicherer Mann!
Wieder einmal wurde meine Überzeugung bestätigt, dass nichts, nicht einmal Geld, im Weg stehen sollte, wenn du versuchst, etwas zu verändern, um glücklich zu werden.
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