Wie ihr wisst, sind wir gerade mit der Innenausstattung unseres Ayurvedischen Restaurants beschäftigt und verwenden Bambus für einen Großteil der Wände, der Decke und mehr. Es soll natürlich aussehen und auch aus natürlichem Material bestehen. Und natürlich behalten wir auch unsere moralischen Werte bei, was die Arbeitssituation bei uns angeht!
Vorgestern hat der Bauleiter ein neues Team Arbeiter mitgebracht. Unter diesen Männern war auch ein Junge. Als ich ihn sah, dachte ich zuerst, er wäre der Sohn oder Verwandte eines der Erwachsenen um ihn herum. Da diese Arbeiter manchmal ihre kleinen Kinder mit zu ihren Baustellen nehmen, dachte ich, er würde einfach jemandem Gesellschaft leisten.
Bei einem Besuch im Restaurant fragte ich den Jungen nach seinem Namen. Sein Name war Sonu. Ich fragte ihn weiter, in welche Klasse er denn ging, doch er antwortete: ‚Nein, ich gehe nicht zur Schule, ich arbeite.‘ Ich war überrascht und fragte ‚Oh, was arbeitest du denn?‘
Statt einer Antwort, sah er mich erst einmal ungläubig an. Er war verwirrt und antwortete schließlich nach einer Weile: ‚Ich arbeite mit Bambus! Ich bin hier, um zu arbeiten!‘ Jetzt war ich verwirrt und zwar ordentlich! ‚Wie lange arbeitest du denn schon?‘ wollte ich wissen.
Als ich erfuhr, dass er bereits seit zwei Jahren Geld verdient, war ich sprachlos! Er sah aus, als wäre er gerade mal 12 Jahre alt! Weiter erzählte er mir, dass er ursprünglich aus einem Dorf von der anderen Seite von Delhi kam, etwa 80 Kilometer von der Hauptstadt, und nun mit seinen Eltern in Delhi lebte, wenn er nicht gerade woanders war und für 300 Rupien pro Tag arbeitete.
Nach unserer Unterhaltung rief ich den Bauleiter herbei und sagte ihm und auch den anderen Arbeitern sehr deutlich, dass dieser Junge nicht in unserem Restaurant arbeiten würde. Wir erlauben hier keine Kinderarbeit. Er sollte zur Schule gehen, nicht zur Arbeit.
Sonu ist noch nie zur Schule gegangen. Seine Eltern sind selbst Arbeiter und sie haben ihn zur Arbeit geschickt, so dass er zum Familieneinkommen beitragen kann. Für sie ist ein klein bisschen Geld wertvoller als Bildung. Es ist die typische Situation, die wir auch bei vielen unserer Schulkinder gesehen haben.
Ich machte ein Angebot: ich würde diesen Jungen nicht hier arbeiten lassen, aber sollte er das wollen, könnte er hier wohnen und zur Schule gehen. Doch der oberste Arbeiter meinte, er würde die Eltern des Jungen sehr gut kennen und sie würden das nicht erlauben. Sie würden wollen, dass er Geld verdient – oder zu ihnen zurückkommt, damit er nach einer anderen Möglichkeit Ausschau halten kann. Er telefonierte trotzdem mit den Eltern, doch sie antworteten genau das, was er vorhergesagt hatte: wenn er nicht arbeiten könnte, sollte er heimkommen.
So verbrachte dieser Junge hier einen Tag und eine Nacht und ging dann gestern mit 300 Rupien in der Tasche nach Hause. Ich hatte ihm dieses Geld gegeben und ihn eine Sache versprechen lassen: aufzuhören, Tabak zu essen, etwas, was viele Leute hier tun. Seine Zähne waren gelb von der Mischung, die er da aß. Ich erzählte ihm, wie schädlich das war und dass man Krebs bekommen konnte. Er warf das weg, was er in der Hand hatte, als wir sprachen. Ob er sein Versprechen halten wird? Das werden wir wohl nie erfahren.
Genauso sagte ich ihm, dass er zur Schule gehen sollte und wenn er jemals Hilfe brauchen würde, uns kontaktieren könnte. Wahrscheinlich wird er wie zuvor weiterarbeiten – aber nicht bei uns!
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