Die Zeit verging, als wir 2006 um meine Schwester trauerten. Irgendwann schien es, als hätten wir alle Tränen ausgeweint. Yashendu und ich waren einen Monat und vielleicht noch ein paar Tage länger in Indien und stiegen dann wieder ins Flugzeug. Er ging zurück nach Deutschland und ich flog wieder nach Südafrika.
Vor dem Unfall meiner Schwester war ich nur ein paar Tage in Südafrika gewesen. Es war mein erstes Mal in Südafrika, das erste Mal in Afrika überhaupt – und bis heute auch das letzte Mal. Ich kann wirklich nicht sagen, dass es mir sehr gut gefallen hätte.
Ich hatte Einzelsitzungen, Vorträge und auch einige Workshops in verschiedenen Yogastudios in Johannesburg gegeben. Ich wohnte bei Indern, war so aber auch in Kontakt mit vielen nicht-indischen Südafrikanern. Mein ganzes restliches Programm war natürlich abgesagt worden, aber wegen meines Tickets, das ich von Südafrika nach Indien und wieder zurück gebucht hatte, hatte ich noch weitere zwei Tage in diesem Land.
Es fühlte sich für mich nicht wirklich gut an. Nicht sicher, nicht entspannt. Das Haus, in dem ich wohnte und die, die ich besuchte, hatten alle ohne Ausnahme hohe Zäune oder Mauern um das Grundstück, obendrauf Stacheldrahtzaun und, wie mir gesagt wurde, oft war dieser Stacheldraht dann auch noch unter Strom, so dass jeder, der da durchkommen wollte, einen Stromschlag bekommen würde.
Ich fragte meine Organisatoren, ob die Kriminalität denn wirklich so schlimm war hier und erfuhr von ihnen und vielen anderen Leuten, dass es wirklich sehr gefährlich war! Eine Familie, bei der ich zum Abendessen eingeladen war, erzählte, dass vor erst zwei oder drei Monaten ihr Büro ausgeraubt wurde, trotz all dieser Sicherheitsvorkehrungen.
Natürlich übertreiben die Leute immer ein bisschen, wenn sie solche Geschichten erzählen, aber ich konnte nicht umhin, daran zu denken, wenn ich draußen unterwegs war. Jemand könnte dich nur wegen deinem Handy töten. Für die fünf Dollar, die du vielleicht in der Tasche hast.
Mir wurde gesagt, ich sollte am Abend, wenn es dunkel war, nicht raus. Man konnte keine Spaziergänge machen, außer im hellen Sonnenschein und natürlich in den richtigen Gegenden – aber besser war es, das Auto zu nehmen. Ich erinnerte mich an zwei Freunde, die im Urlaub ausgeraubt worden waren. Ich wusste, dass viele Leute Südafrika trotzdem gerne mochten und dort als Touristen hingehen.
Ich habe mich dort einfach nie wohlgefühlt, an einem Ort, an dem man die Gefahr immer im Kopf hat und sich draußen überhaupt nicht frei bewegen kann. Warum also sollte man wieder an einen solchen Ort gehen, wo man sich nicht sicher fühlt? Wo man das Gefühl hat, ständig auf der Hut sein zu müssen?
Ich verabschiedete mich nach zwei weiteren Tagen dort und flog nach Deutschland.
Später wurde ich nochmal nach Südafrika eingeladen, lehnte aber ab. Einmal war genug gewesen.
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