Ich kletterte durch das Loch, das sie in die Tür-Mauer meiner Höhle geschlagen hatten. Dort standen mein Vater und meine Brüder, um mich willkommen zu heißen. Ich begrüßte meinen Vater und als ich seine Füße berührte, zog er mich hoch in seine Arme für eine lange Umarmung. Tausende Leute umringten uns, sangen und jubelten. Um durch die Menschenmenge zu kommen, hoben mich meine Brüder auf ihre Schultern. Auf diese Weise trugen sie mich bis zu einer Bühne, die für diesen Tag vorbereitet worden war, wo jeder hinkommen konnte, um mich zu treffen und mich in dieser Welt wieder willkommen zu heißen.
Die Erfahrung, aus der Höhle zu kommen war wie eine Wiedergeburt. Ich erinnere mich natürlich nicht an meine eigene Geburt – niemand hat diese Erinnerung, doch jetzt kann ich mir ziemlich gut vorstellen wie es ist, wiedergeboren zu werden. Ich habe bereits erwähnt, dass ich geschockt war. Ich war vom Lärm geschockt nach der vollständigen Stille in der Höhle. Ich war vom Sonnenlicht geschockt, das mir nach einer so langen Zeit der Dunkelheit ins Gesicht schien. Am meisten jedoch schockten mich die tausende von Menschen, die mich willkommen hießen, mich umarmten und mir zujubelten, nachdem ich mehr als drei Jahre lang völlig isoliert gelebt hatte. Sie alle versuchten, mich zu berühren, sie alle wollten mit mir sprechen und meinen Segen.
All meine Anhänger waren dort und noch viel mehr Leute von der ganzen Welt. Für sie war ich der Guru, der ich zuvor gewesen bin, sogar noch größer nach meinem langen Rückzug. Die Leute weinten, sie kamen und umarmten mich, verneigten sich vor mir und berührten meine Füße, um Segen zu bekommen. Auf einmal bemerkte ich, wie mich etwas am Zeh kitzelte und fragte mich eine Sekunde lang, warum er denn nass war, bevor ich hinunterblickte und sah, dass ein Mann, der sich vor mir verneigt hatte, jetzt da saß und meinen Zeh nicht nur abschleckte, sondern ihn ganz im Mund hatte! Alles, was diese Menschen taten, geschah in der Hoffnung, dass ich jetzt Siddhis, magische Kräfte, erlangt hatte, die ihnen irgendwie helfen könnten. Sie dachten, ich könnte jetzt die Zukunft vorraussagen oder ihnen mit irgendeiner Art von Wunder helfen.
Das Programm des ganzen Tages war vorbereitet und es geschah kein Wunder. Wir gingen zum Haupttempel der Stadt. Dorthinzugehen bedeutete jedoch, dass wir durch die Straßen Vrindavans gehen mussten und so die Menge der Leute immer größer wurde, so dass es einer großen Prozession ähnelte, einer großen Feier. Ich wurde mit jedem Schritt überall willkommen geheißen.
Nach diesem Besuch im Tempel, der sich so über mehrere Stunden hinzog, kamen wir zurück in den Ashram. Am Abend war eine große Zusammenkunft spiritueller Menschen geplant. Spirituelle Persönlichkeiten aus ganz Indien waren da und wir hatten eine Art Konferenz, bei der jeder eine Ansprache halten konnte. Während diesen Reden ehrten sie mich auch mit dem Titel Yogi Raj, der König der Yogis.
Um ehrlich zu sein, habe ich das alles wahrgenommen und es wäre vielleicht eine große Ehre gewesen, doch den ganzen Tag lang beobachtete ich wie durch einen Schleier das, was um mich herum geschah. Ich war dort, saß aber auch immer noch in meiner Höhle. Es war einfach alles zu viel. Ich hatte an dem Tag drei oder vier Mal das starke Bedürfnis einfach zu gehen und mich in meine Höhle zu setzen. Ich brauchte nur etwas Zeit, saß da, einfach nur mit mir und fand so Ruhe und etwas Frieden.
Es war aber auch ein überwältigendes Gefühl der Liebe, der Freude und des Glücks, meine ganze Familie und alte Freunde wiederzusehen, sie wieder zu umarmen und bei ihnen zu sein. Nicht nur ich sah anders aus. Ich hatte in der Höhle keinen Spiegel gehabt und so sah ich mich selbst nach mehr als drei Jahren wieder zum ersten Mal. Meine Haare und mein Bart waren wild gewachsen. Doch auch sie hatten sich verändert. Wir alle waren gealtert und das sah man, besonders an meinem jüngsten Bruder Yashendu. Als ich in die Höhle ging, war er ein 17-Jahre alter Junge. Jetzt war er ein Mann. Er war groß, stark und erwachsten und hob mich hoch, um mich vor der Menge zu schützen.
Selbst am späten Abend war der Ashram noch voller Menschen. Viele Gäste kamen von weit her und blieben über Nacht, so dass sie sich einen Platz zum schlafen suchten. Ich meinerseits ging für die Nacht zurück in meine Höhle. Dort konnte ich nach einem langem Tag voller Eindrücke und Emotionen friedlich schlafen gehen.
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