Letzte Woche habe ich euch von einer irischen Frau erzählt, die ich 2005 getroffen hatte. Sie war sehr unsicher und war auf einer spirituellen Suche, wobei sie unterschiedliche Meister ausprobierte, um den richtigen zu finden. Nach ein paar Treffen merkte ich, dass sie genau danach suchte: einem Guru, jemand, der die Verantwortung für sie übernimmt.
Sie hatte wirklich sehr wenig Selbstvertrauen. Es ist nicht unüblich, solche Leute zu treffen, besonders im Westen, wo die Menschen allgemein Schwierigkeiten haben zu fühlen, was sie wirklich wollen. Darum können sie auch keine Entscheidungen treffen und müssen andere fragen, was denn nun gut wäre. Diese Frau hatte auch keine deutliche Vorstellung von dem, was sie wollte und kein Selbstvertrauen.
Sie hatte etwas anderes, was auch üblich ist für Menschen, die unsicher sind, wenn es um sie selbst geht, nämlich das Vertrauen in andere. Wenn sie jemanden gefunden hatte, dem sie folgen wollte, folgte sie ihm oder ihre ohne weitere Fragen. Sie vertraute auch mir und glaubte, dass ich ihr irgendwie auf magische Weise einen Hinweis für ihre Zukunft machen würde oder sie segnen würde, so dass sie das Richtige tun würde. Ich würde das heutzutage Aberglaube nennen und damals erkannte ich, dass sie nach dem Guru in mir suchte – den ich jedoch nach meiner Zeit in der Höhle hinter mir gelassen hatte.
Ich nahm also die nächste Chance wahr, die sich mir bot und sagte ihr ganz deutlich, dass ich absolut kein Guru war und dass ich keinerlei Absicht hatte, sie zu meinem Anhänger zu machen. Ich sprach ganz ernsthaft mit ihr darüber und machte sie ihrer eigenen Verantwortung bewusst. Ich versicherte ihr, dass ich immer für sie da sein würde, wenn sie meine Meinung als Person brauchte, wenn sie einfach nur wollte, dass ich mir anhörte, was sie fühlte und wenn ich ihr vielleicht helfen könnte, anders zu denken. Ich würde ihr jedoch nicht sagen, was sie tun sollte. Sie müsste schon selbst denken und vor allem selbst fühlen!
Wir hatten eine ernste und sehr ehrliche Unterhaltung. Danach glaube ich kontaktierte sie mich etwas weniger oft. Wir waren jedoch in Kontakt und sie erzählte es mir, als sie schließlich nach Jahren einen Mann gefunden hatte, den sie liebte, mit dem sie alt werden wollte.
Sie kam mich zusammen mit ihm in Deutschland besuchen. Sie ähnelten sich auf niedliche Weise und jeder, der sie traf, stimmte zu, dass sie beide mit ihrer fröhlichen Natur sehr gut zueinander passten. Sie kamen zu einer Meditation und wir wussten alle, dass sie füreinander gemacht waren, als sie beide einschliefen, während ich noch sprach und auf dem Sofa hinten im Zimmer den Rest der Meditation verschliefen. Es war ein süßes Bild, wie sie so nebeneinander saßen. Am Ende kamen sie beide zu mir, umarmten mich und sagten ‚Das war eine wunderschöne Meditation!‘
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