Ich habe euch erzählt, dass ich 2005 eine Frau traf, die als kleines Mädchen von ihrem Vater sexuell missbraucht worden war. Dieser schreckliche Vorfall hatte eine solche Auswirkung auf sie, dass sie danach nie mehr einen Mann in ihr Leben ließ. Sie hatte ein paar Liebhaber, hat aber nie einen Mann emotional nahe kommen lassen. Obwohl ihre Geschichte schockierend war, war das nur einer von vielen Missbrauchsfällen, von denen ich über längere Zeit in meinen Beratungssitzungen erfahren habe. Traurigerweise erfuhr ich wirklich von vielen Leuten, die solche Vorfälle in ihrer Vergangenheit haben.
So viele Frauen erzählten mir, dass sie von ihren Vätern, Brüdern, Onkeln und anderen männlichen Verwandten oder Leuten, denen ihre Eltern vertrauten, missbraucht wurden. Manche erzählten, dass ihre Eltern und andere geliebte Leute davon wussten, aber nichts dagegen unternahmen. Andere sagten, sie erzählten niemandem davon, aus Angst, dass sie nicht mehr geliebt werden könnten oder aus einer seltsamen Art von Schamgefühl, dass sie heute nicht mehr ganz verstehen.
Da war eine Frau, die mir erzählte, dass sie von ihrem Großvater missbraucht wurde, als sie nur zehn Jahre alt war. Sie ging regelmäßig zu ihm nach Hause und ihre Eltern dachten, sie würde ihm dort mit der Gartenarbeit helfen oder mit ihm Brettspiele spielen. Bis sie vierzehn oder fünfzehn war, ging sie immer wieder dorthin. Warum? Weil er ihr großzügig Taschengeld gab mit der Bedingung, dass sie niemandem davon erzählte.
Eine weitere erzälte mir von ihren Panikattacken im Dunkeln, die sie den nächtlichen Besuchen ihres Bruders verdankte, als sie noch ganz klein war. Die Angst, seine Liebe und die Liebe der Eltern zu verlieren, hielt sie davon ab, irgendjemandem davon zu erzählen, bis sie ein Teenager war. Selbst dann hatten die Eltern ihr nicht geglaubt.
Hände, die schwer auf den Beinen liegen und langsam zum Inneren des Oberschenkels wandern, Umarmungen, die etwas zu innig für einen Verwandten sind, Situationen, die ihnen ein ungutes Gefühl gaben und dazu so oft das Gefühl, missbraucht worden zu sein. Manchmal nicht klar genug, um etwas sagen zu können, manchmal so gewalttätig, dass Angst und Schamgefühl ihren Geist zerbrechen ließen. Mädchen, aber auch Jungen, Kinder und Teenager, missbraucht, gebrochen und fürs Leben gezeichnet.
Es ist damals passiert und es geschieht noch heute. Es geschieht überall und es ist schwierig, davon zu hören und noch schwieriger, damit umzugehen, wenn es einem passiert ist. Darum sind diese Opfer sexuellen Missbrauchs zu mir gekommen, um Hilfe zu bekommen, wie sie damit umgehen können.
Ich habe viel Erfahrung mit der Beratung von Leuten in allen möglichen Lebenssituationen und das ist einer der Fälle, in dem ich immer die tiefsten Verletzungen fand, weil solche Vorfälle die Kinder gebrandmarkt haben, ihnen Angst davor machten, jemals wieder jemandem zu vertrauen, da sie von denen, die sie lieben vielleicht wieder so behandelt werden könnten.
Natürlich sind diese Fälle sehr individuell und jeglicher Ratschlag, den ich je gegeben habe, hing von dem einzelnen Fall und der Situation der Person ab. Man muss jemanden finden, dem man vertrauen kann, so dass man seine Gefühle, seine Geschichte und alles drum herum erzählen kann, inklusive der Angst und all den ‚schlechten‘ Gefühlen, die damit zusammenhängen. Es gibt Menschen, die sich nie völlig geöffnet haben, was diese Zeit ihres Lebens angeht, die versucht haben, die Erinnerung zu verdrängen, in der Hoffnung, sie könnte von selbst verschwinden. Stattdessen kommt die Erinnerung immer wieder hoch und das zu den ungünstigsten Zeiten, die man sich vorstellen kann.
Ein erfahrener Therapeut oder Berater kann mit einigen Techniken helfen, diese Erinnerungen wirklich loszulassen. Anstatt sie gleich den glücklichen Momenten sicher aufzubewahren, kann man lernen, sie wie schlechte Träume ziehen zu lassen. Im Endeffekt musst du loslassen. Ich habe den Menschen geholfen, genau das zu tun.
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