Tierfell, ein stinkendes Haus und Frauen, die in Küchenwaschbecken pinkeln – 30 Dez 12

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Als ich 2005 in Amsterdam war, gab es einen weiteren Vorfall, den ich nicht vergessen habe und der mir wieder einmal zeigte, wie groß doch dieser Bereich ist, den die Leute ‚Spiritualität‘ nennen und wie viele Dinge doch spirituelle Arbeit genannt werden. Ich habe damals gelernt, dass ich meinen Organisatoren etwas genauer zeigen musste, was ich glaube oder an was ich nicht glaube, was mir gefiel, wer ich war und wer ich nicht war.

Meine Organisatorin, eine Frau, die aus Schottland stammte, aber in der Hauptstadt der Niederlande lebte, hatte für mich ein Programm etwas außerhalb von Amsterdam ausgemacht. Sie erzählte mir, dass sie für meinen Besuch Werbung gemacht hatte und von einem Mann kontaktiert worden war, der Interesse daran hatte, mich in sein eigenes Zentrum einzuladen. Sie hatte sich über den Kontakt gefreut und natürlich zugestimmt, dass wir zu etwas Programm rauskommen würden. Er wollte gerne mehrere Tage Programm veranstalten und meine Organisatorin stimmte zu, wir würden kommen und ein paar Nächte in seinem Zentrum verbringen.

Wir fuhren zwei Stunden im Auto, bis wir dort ankamen. Wir wurden willkommen geheißen und setzten uns erst einmal gemeinsam hin, um uns zu unterhalten. Während dieser Unterhaltung erfuhren wir, dass dieser Mann Schamane war. Ich hatte bereits von Leuten gehört, die ‚schamanische Arbeit‘ machten und wusste bereits, dass das nicht wirklich etwas für mich war, dass es etwas war, das meiner Vorstellung von Spiritualität und der Welt nicht wirklich entsprach. Ich war jedoch offen, neue Leute zu treffen und wollte mein Herz und meinen Geist deshalb nicht für jemanden verschließen.

Es fühlte sich dort jedoch nicht sehr gut an. Es war nicht die Vorstellung von Spiritualität selbst, es war, wie dieser ‚Schamanismus‘ sich in diesem Haus ausdrückte. Da waren Tierfelle überall, sie hingen an den Wänden, lagen auf dem Boden, auf den Stühlen, dort, wo man sich hinsitze und dort, wo man lief, einfach überall. Federn lagen herum und das ganze Haus stinkte, obwohl das wohl eher von einer seltsamen Art von Räucherwerk herrührte als von den Überresten von Tieren, die man überall sah.

Am Abend gab ich meinen Vortrag und wusste, dass auch für die nächsten Tage Programm geplant war. Am Morgen darauf sprach ich jedoch mit meiner schottischen Freundin und sagte ihr, dass ich den Ort nicht mochte und dass ich mich überhaupt nicht wohlfühlte. Es stellte sich heraus, dass ich mit diesem Gefühl nicht der Einzige war und so erklärten wir auch dem Mann ganz höflich, dass wir nicht länger bleiben würden und fuhren zurück nach Amsterdam.

Nach dieser kurzen Episode und vielen Gesprächen mit verschiedenen Freunden beschloss ich, dass ich in Zukunft schon zuvor etwas deutlicher darüber sein musste, wer ich war und wo ich arbeiten konnte. Ich sagte den Leute zum Beispiel immer vor einem Programm, dass ich Vegetarier war und dass ich nicht aß, wenn auf dem Tisch Fleisch war. Ich würde den Organisator vielleicht etwas davor kennen lernen müssen. Aber wie? Oft sah ich jemanden doch dann zum ersten Mal, wenn ich in seiner Stadt ankam. Tja, es stellten sich viele Fragen, auf die ich noch keine Antwort hatte.

Trotz all dieser seltsamen Gefühle an diesem Ort, bleibt mir jedoch immer etwas im Gedächtnis, über das ich lachen muss, besonders dann, wenn ich mit meiner schottischen Freundin spreche: der Teil des Hauses, in dem sie und ich schliefen, war vollkommen separat und leider gab es in dem Teil des Gebäudes keine Toiletten! Um aufs Klo zu gehen, mussten wir also aus dem Haus raus und in ein anderes Gebäude rein gehen. Am späten Abend war es bereits kalt und meine Organisatorin hatte gerade das Zimmer verlassen mit der Begründung, dass sie auf Toilette müsse. Sie kam jedoch viel zu schnell wieder und als ich sie fragte, wie sie so schnell raus in die Kälte gegangen und wiedergekommen war, sagte sie ‚Oh, ich war gar nicht bis draußen! Es ist doch viel zu kalt! Nein,‘ und da fing sie zu kichern an ‚ich bin auf das Waschbecken in der Küche geklettert und habe da gepieselt! Das kannst du auch machen, du musst nicht rausgehen!‘ Ich konnte es kaum glauben und musste dann wirklich sehr lachen! Sie lachte mit und schon fühlten wir uns an diesem seltsamen Ort etwas besser.

Ja, das ist es, was ich mich von diesem Programm nahe Amsterdams erinnere: Tierfelle, übler Geruch in einem Haus und eine junge Frau, die in das Küchenwaschbecken pinkelt – und schon wieder muss ich über die Erinnerung lachen!

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