Einer der Leute, die uns gegen Ende des Jahres 2004 im Ashram besuchten, war auch mein dänischer Freund, der Schriftsteller, der mich und meine Familie auch im Jahr davor besucht hatte. Vielleicht erinnert ihr euch daran, dass ich ihn einer Frau vorgestellt hatte, in die er sich dann verliebt hatte. Sie hatte eine Tochter, die ungefährt sechs Jahre alt war, wenn ich mich richtig erinnere. Jetzt waren sie alle gemeinsam nach Indien gekommen, um hier zusammen ein paar Abenteuer zu erleben. Eines dieser Abenteuer ist mir gut in Erinnerung geblieben!
Ein weiterer Freund war damals auch im Ashram. Es war Winter und da die Temperaturen nachts bis zum Gefrierpunkt runtergehen können, packten sich alle in dicke Winterkleidung und wickelten sich nachts in dicke Decken, der Raum mit elektrischen Heizlüftern ein bisschen aufgewärmt. Wenn sie jedoch rausgingen, sahen sie, dass Menschen auf der Straße lebten, die nicht viel mehr hatten als das, was am Körper trugen. Oft konnte man sehen, wie sie in der Nacht um kleine Feuer herumsaßen oder im Dunkeln zittern. Unsere Freunde waren geschockt, weil sie solche Szenen aus ihren Ländern nicht kannten. Als wir ihnen also von der Tradition unserer Familie erzählten, den Obdachlosen im Winter Decken auszuteilen, wollten sie sich uns anschließen und helfen.
Wir wussten bereits, dass die beste Zeit, um Decken an Obdachlose zu verteilen, die Nacht war, wenn sie draußen auf der Straße schliefen. Tagsüber sah man sie kaum oder konnte die wirklich Bedürftigen nicht von denen unterscheiden, die einfach nur eine kostenlose Decke abstauben wollten. Für die Tochter unserer Freunde war das jedoch zu spät und so beschloss die Mutter, im Ashram zu bleiben.
Yashendu machte sich also gegen Mitternacht mit den zwei Männern auf. Er fuhr das Auto, den Kofferraum voll mit Decken. In Vrindavan gab es mehrere Stellen, an denen die Obdachlosen bevorzugt schliefen und sie hielten an jeder einzelnen an, holten Decken raus und deckten die schlafenden Körper zu, manchmal mit einer gemurmelten Antwort, manchmal ohne dass die Leute es auch nur merkten.
Auf diese Weise verteilten sie alle Decken und hatten das Zentrum der Altstadt erreicht, als keine Decken mehr übrig warne. Es war fast ein Uhr und mit dem großartigen Gefühl, anderen geholfen zu haben, setzten sie sich wieder ins Auto. Als Yashendu jedoch den Motor anlassen wollte, bekam er als einzige Antwort ein schwaches Stottern. Er versuchte es nochmal, aber wieder sprang das Auto nicht an! Überrascht warf er einen Blick auf die Tankanzeige: der Tank war komplett leer!
Yashendu lächelte, drehte sich entschuldigend zu unseren Freunden um und meinte ‚Könntet ihr mal aussteigen und schieben?‘ Sie fingen alle an zu lachen. Naja, sie hatten keine andere Wahl! Unsere Freunde stiegen aus und schoben, während Yashendu das Auto durch die leeren und dunklen Straßen des nächtlichen Vrindavans lenkte. Es war Winter, es war kalt, aber sie hatten gute Bewegung und mussten bald die Jacken ausziehen.
Nach eineinhalb Kilometern Schieben, kamen sie im Ashram an, natürlich völlig außer Puste, aber trotzdem in guter Stimmung und lachten über ihr Abenteuer: ‚Das war echte wohltätige Arbeit!‘
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