Religiöses Programm ohne Guru Drama in Bombay – 17 Jul 11

Wir kamen von Delhi zurück nach Vrindavan. Am nächsten Morgen sollten wir von Vrindavan nach Bombay aufbrechen, weil ich dort Programm geplant hatte. Wir hatten einen Fahrer, der uns dorthin bringen sollte, aber als wir in Vrindavan ankamen, erfuhren wir, dass einer seiner Verwandten gestorben war und er zum Begräbnis musste. Wir hatten vor gehabt, mit dem Auto zu fahren und mussten in drei Tagen in Bombay sein. Was sollten wir jetzt tun, ohne einen Fahrer? Naja, Yashendu und ich beschlossen, einfach selbst zu fahren.

Wir fuhren also am nächsten Morgen um sechs Uhr los und machten uns auf in Richtung Bombay, ungefähr 1400 Kilometer von Vrindavan. Natürlich kontnen wir nicht die ganze Strecke in einem Stück fahren und so beschlossen wir, die Reise in zwei Teilen zu machen. Nach etwa 12 Stunden abwechselndem Fahren, kamen wir um sechs Uhr abends in Indore an, einer Stadt, die in etwa 700 Kilometer von Vrindavan entfernt liegt. Wir hatten die halbe Strecke zurück gelegt, was bei der indischen Verkehr- und Autobahnsituation recht gut ist. Müde und erschöpft kamen wir im Haus von Freunden an. Sie hießen uns willkommen und waren froh, uns für eine Nacht bei sich daheim zu haben. Wir waren unsererseits froh, ein gutes Abendessen in der Familie zu haben und in guten Betten schlafen zu können.

Am Morgen fuhren wir um fünf oder sechs Uhr wieder los, um den Rest der Strecke zu fahren. Je näher wir Bombay kamen, desto besser wurden die Straßen und so erreichten wir die Weltstadt am Nachmittag. Wir hätten auch beschließen können, statt ins Auto in ein Flugzeug oder einen Zug zu steigen, aber wir wollten das Abenteuer und die Erfahrung machen und so taten wir es einfach. Wir hatten Spaß auf der langen Fahrt und auf der Straße.

In Bombay fuhren wir zu einem Wohnhaus mit mehreren Wohnungen, das einem meiner Anhänger gehörte, einem reichen Mann, der viele solcher Häuser in Bombay besaß. In einem dieser Häuser hatte er eine Wohnung, die normalerweise leer stand und nur hin und wieder benutzt wurde. Er hatte mir angeboten, dass ich jederzeit kommen und die Schlüssel zu dieser Wohnung haben könnte, um dort zu wohnen. Ich hatte das schon ein paar Mal gemacht und war oft in Bombay gewesen, so dass sich die Stadt für mich wie ein zweites Zuhause anfühlte. Auch an dem Tag war es ein bisschen, als wären wir wieder in einem anderen Zuhause angekommen. Wir hatten den Mann auf dem Weg angerufen und so stand einer seiner Angestellten an der Tür des Hauses, um uns den Schlüssel zu übergeben.

Was würde ich in Bombay machen? Ich war nach Bombay gekommen um zu arbeiten und um etwas Geld zu verdienen. Es war Dezember 2001 und einen guten Teil des Jahres hatte ich auf Reisen in Europa verbracht, wo ich noch keine Beziehungen zu Menschen und Orten hatte, mit denen und an denen ich arbeiten konnte. Ich hatte in der Zeit nicht wirklich Arbeit gehabt und natürlich auch kein Geld verdient. Im Ashram und im Haus meiner Eltern waren jedoch meine Familie und die Schüler, deren aller Essen und Überleben von mir abhängig war. Ich war damals derjenige, der für die Familie, die Schüler und die Angestellten Geld verdiente. Ich trug die Verantwortung.

Ich wollte aber kein Guru mehr sein. Im gleichen Jahr hatte ich in Rajasthan das große Programm mit Tausenden von Leuten gegeben und schon da gemerkt, dass das für mich zu viel war. Es war zu viel Guru Drama, zu viel Show und ich hatte sowieso jegliche Einweihungen abgesagt. Ich wollte diese Erfahrung in Bombay nicht wiederholen. Und so hatte ich einen Weg gefunden, wie ich als religiöse Person in kleineren Gruppen und nicht mit so großem Programm arbeiten konnte.

Da ich schon viele Male zuvor in Bombay gewesen war, hatte ich dort viele Kontakte und so begann ich, in den Häusern der Leute Rituale und Zeremonien durchzuführen und Vorträge zu geben. Ich hatte zwei oder drei weitere Leute aus Vrindavan hergerufen, die mir bei Feuerzeremonien und anderen Ritualen helfen konnten und so gingen wir in einer kleinen Gruppe zu den Familien. Es war ein Programm, dass spontan organisiert werden konnte und es ging nur über ein oder zwei Tage. Die Familie rief ihre Verwandten und Bekannten an und so kam immer eine Gruppe von 20 bis 50 Menschen zusammen. Ich vermied es so, auf Hunderte oder Tausende Leute zu stoßen und brauchte keinen Organisator, der Plakate und Flyer druckt, Werbung macht, sich um Zelte und Musik kümmert und so weiter. Ich konnte einfach dort hingehen, sie hatten für die Rituale alles vorbereitet und es war ein kleineres Programm ohne die große Show des Gurus. Auf diese Weise gelang es mir, kein zu großes Drama zu veranstalten und ehrlich mit den Menschen zu arbeiten.

Den Leuten gefielen die individuelleren Programme sehr. Sie fühlten sich geehrt, dass ich zu ihnen nach Hause kam und sie kamen zusammen, um Segen für ihr Haus, sie selbst und ihre Familienmitglieder zu bekommen. Es ging auf das Ende des Jarhes 2001 zu, eine Zeit des Neuanfangs, und mit den religiösen Zeremonien und Gebeten sprachen wir den Segen für das neue Jahr. Ich gab einige Vorträge, wir sangen Mantras und Schriften zusammen und alle hatten Freude daran.

Wenn wir nicht bei solchen Programmen unterwegs waren, kamen die Menschen auch, um uns in unserer Wohnung zu besuchen, um Segen zu bekommen, um ihre Probleme zu heilen und in dieser Atmosphäre und Energie zu sein.

So haben wir den Winter in Bombay verbracht, wo das Wetter angenehm und nicht so kalt war wie in Vrindavan. Wir verdienten mit unserer Arbeit, so dass ich meine Helfer bezahlen konnte und auch sicher war, dass ich etwas mit nach Hause bringen würde. Wir blieben ungefähr zwei Monate und auch unser Fahrer stieß dazu, als die Trauerzeit in seiner Familie vorbei war. Er fuhr das Auto Ende Januar 2002 zurück nach Vrindavan, so dass wir gut wieder daheim ankamen.

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