Ich erinnere mich, wie ich 2006 eine sehr interessante Einzelsitzung hatte. Es war mit einer Prostituierten – und das veränderte wirklich meine Meinung zu diesem Beruf! Es klärte eine Vorstellung, die ich hatte auf und machte mich etwas aufgeschlossener gegenüber Leuten in diesem Beruf! Vielleicht ist das bei euch ja ähnlich, wenn ich euch davon erzähle?
Bis zu dem Tag, an dem diese Frau zu mir kam, empfand ich Mitleid, wenn ich an Prostituierte dachte. Ich hatte von Mafias gehört und gelesen, die arme Frauen dazu zwingen, ihre Körper zu verkaufen. Von Menschenhändlern, die Frauen aus armen Ländern entführen und sie in reiche Länder bringen, wo sie für ihre Zuhälter unter den schlimmsten Bedingungen arbeiten müssen. Von Frauen, die unter Drogen gesetzt, vergewaltigt, geschlagen und bedroht werden, dazu gedrängt werden, gegen Geld Sex mit Männern zu haben. Gezwungen, sich selbst anzubieten, ausgenutzt und in tiefster Scham über die Tatsache, dass sie Prostituierte sind, die von der Gesellschaft als unrein oder schlecht betrachtet werden.
Das war mein Eindruck von Prostitution und ich glaube, ich bin nicht der Einzige, der so dachte. In Indien hatte ich unzählige Frauen und sogar Männer sagen gehört ‚Keine Frau würde jemals freiwillig ihren Körper verkaufen!‘ Ich hatte gehört, dass Frauen niemals für Geld Sex haben würden, wenn sie denn eine andere Wahl hätten. Nur in ganz extremen Situationen, wenn es um ihr eigenes Überleben oder das ihrer Kinder ginge, würde sie das tun.
Als ich diese Frau traf und sie mir sagte, dass sie eine Prostituierte war, zerfiel diese Vorstellung in tausend Stücke!
Es war so ein nettes Gespräch, so eine schöne Zeit, genau wie mit tausend anderen Leuten, die ich auch so getroffen hatte. Wir hatten ein ganz normales Gespräch und sie redete sehr offen über ihren Beruf. Natürlich war ich neugierig, weil sie nicht wie eine der misshandelten Frauen aussah, als die ich mir Prostituierte vorgestellt hatte!
Sie erzählte mir, dass das ihre Arbeit, ihr Beruf war und dass sie das als ihre Art und Weise, Geld zu verdienen, gewählt hatte. Sie war von niemandem gezwungen worden und arbeitete nicht für einen Zuhälter. Vor einigen Jahren, hatte sie ihre Lehre abgeschlossen und begonnen, als normale Angestellte zu arbeiten. Das Tanzen hatte ihr als Hobby schon immer gefallen und sie begann, ihr Einkommen etwas aufzubessern, indem sie in Clubs auftrat. Bei Gesprächen mit anderen Mädchen, die in dem Club arbeiteten, hörte sie von einer Möglichkeit, noch viel mehr zu verdienen. Und so wählte sie die Prostitution als ihren Beruf.
Das war nun ihre einzige Arbeit und lachte über die Tatsache, dass mich das so überraschte. ‚Ich habe freie Tage, Urlaub, genau wie alle anderen. Ich zahle Steuern und habe eine Krankenversicherung. Es ist mein Geschäft, ich verdiene Geld mit körperlicher Arbeit, wie eine Tänzerin oder sogar wie Bauarbeiter! Und das Beste daran ist: ich bin mein eigener Chef!‘
Diese Prostituierte hat ihren Beruf bewusst gewählt. Ich war total verblüfft. Dieses Treffen änderte meine Sicht auf Prostitution. Obwohl ich wusste, dass all diese schlimmen Dinge, die ich mir zuvor vorgestellt hatte, besonders auch in Ländern wie Indien geschehen, wo Prostitution illegal ist, fühlte ich nun anders in Bezug auf Prostitution – und freute mich zu wissen, dass es Frauen gab, die auch wirklich Freude an diesem Beruf haben.
Wir hatten ein wirklich sehr nettes Gespräch und nächste Woche möchte ich euch mehr darüber erzählen.
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