Ich habe mich in Thailand eigentlich etwas gelangweilt. Ich hatte nur einen Vortrag pro Tag und nichts anderes zu tun. Außerdem ging ich in Bangkok nicht gerne spazieren. Es gab so viele Restaurants, die an der Tür Fleisch hängen hatten, das sie dann für die Gäste zubereiten würden. Wenn man also in der Straße spazieren ging, sah man überall tote Tiere herumhängen, Teile von Schweinen, ganze Hühner und nicht identifizierbare andere Stücke Fleisch. Es stank und ich konnte nicht hinsehen, musste meinen Blick nach oben in den Himmel oder nach unten auf den Boden richten. Für mich war das wirklich schrecklich. In meinem ganzen Leben hatte ich so etwas noch nicht gesehen. Und genau dort, gleich neben dem toten Fleisch, saßen Leute und aßen glücklich ein Stück des Schweins, das neben ihnen hing. Das war kein guter Ort für mich!
Was sollte ich also tun? Während ich mich dort langweilte und nicht rausgehen wollte, hatte ich sogar Heimweh und sehnte mich danach, bei meiner Familie zu sein. Eines Tages telefonierte ich mit Yashendu und er schlug vor, dass wir auch über Internet chatten könnten, anstatt zu telefonieren. Ich könnte ihm Emails schicken und direkt über den Computer mit ihm kommunizieren. Bis dahin hatte ich noch nie einen Computer benutzt. Damals, im August 2001, war ich bereits 29 Jahre alt, doch damals gab es in der Schule noch keinen Computer-Unterricht, der heutzutage zu beliebt ist. Mich hatte noch niemand mit dieser neuen Technologie bekannt gemacht, obwohl es mich sehr wohl interessierte. Die Vorstellung faszinierte mich und so richtete Yashendu für mich meine erste Email-Adresse ein.
Mit dem Handy am Ohr ging ich in ein Internetcafé in der Nähe. Ich setzte mich vor einen der Computer und Yashendu erklärte mir von Indien aus, was ich zu tun hatte. Zunächst hatte ich Schwierigkeiten, die Maus zu benutzen. Es war eine mechanische Maus mit einem Steuerball und indem ich sie ganz vorsichtig mit zwei Fingern hielt, versuchte ich, damit den Cursor zu bewegen. Der ging jedoch nie dahin, wo ich ihn haben wollte! Es dauerte ein bisschen, bis ich es schaffte, den Cursor so zu bewegen, wie ich wollte. Erst dann konnte ich den Messenger anklicken, den Yashendu mir beschrieb. Mit einigen Klicks meldete ich mich an und tauchte ein in die weite Welt des Internets und des Chattens.
Es war unglaublich! Während wir noch am Telefon miteinander sprachen, schrieb er mir und ich konnte es lesen, sofort, als säße er neben mir. Ich schrieb in Hindi mit lateinischen Buchstaben. Zu der Zeit war es bereits Mode, englische Worte in sein Hindi zu mischen und manchmal ließ sich das auch nicht vermeiden, besonders wenn man über Computer sprach und schrieb.
Ich sah, wie alle um mich herum im Internetcafé in Chatrooms waren und so entdeckte ich, dass man gleichzeitig mit unterschiedlichen Leuten auf der ganzen Welt chatten konnte. Ich begann mit anderen Leute zu chatten und kann eigentlich sagen, dass ich damals begann, Englisch zu lernen.
Von diesem Tag an ging ich täglich in das Internetcafé und verbrachte dort ein paar Stunden im Internet beim Chatten und Surfen. Da war niemand, der mir Emails hätte schicken können, doch ich checkte sie trotzdem täglich. Ich saß dort manchmal bis zu drei Stunden, online und verzückt über die neuen Möglichkeiten.
Zwei Thai Jungen hatten die gleiche Angewohnheit wie ich. Täglich traf ich sie im Internetcafé und wir wuerden Freunde und chatteten miteinander, während wir im gleichen Raum saßen. Natürlich musste ich ihnen in meinem Englisch schreiben, das wahrscheinlich die meiste Zeit zu schlecht war, als dass sie mich verstanden hätten. Wir hatten jedoch Spaß!
Ich konnte mit der Person neben mir chatten und gleichzeitig auch mit Yashendu in Indien. So lernte ich, dass in der Kommunikation Entfernungen nun keine Rolle mehr spielen! Über das Internet hatte ich schon ein bisschen gelesen und hatte von all den Möglichkeiten gehört, doch es wirklich selbst zu benutzen, das war eine ganz andere Geschichte. Es war einfach herrlich zu sehen, wie es funktionierte!
Related posts
Als mein Vater lebte… und doch nicht meiner war
Meine Beziehung zu meinem Vater
Neues Kapitel im Leben, Herausforderungen und Lektionen
Sexuell missbrauchte elfjährige Schwester und mein Schuldgefühl, dass ich sie nicht retten konnte!
Ich wurde von meiner Familie in Indien in den Rücken gestochen
Herausforderungen mit überwältigender Resonanz auf Ammaji’s Restaurant – 1 Mai 16
Mein Tag als Kellner – 24 Apr 16
Ramonas erster Geburtstag als Restaurant-Besitzerin – 20 Mär 16

