Holi im Jahr 2004 war, wie gewöhnlich, ein Highlight des Jahres. An vielen Orten Indiens wird Holi nur an einem Tag gefeiert, doch in Vrindavan ist es immer eine ganze Woche. Da wir in Vrindavan aufgewachsen sind, hat Holi für meine Brüder und mich schon immer eine Woche voller Spaß bedeutet. Wie immer gingen wir in die Stadt, in der das Fest am Frühesten beginnt, Barsana. Zuerst feierten wir dort und an den darauffolgenden Tagen in Vrindavan. Wir hatten jede Menge farbigen Spaß!
Einige Tage nach der Feier, an einem ganz normalen Tag, wollte ich in meine Höhle gehen. Ich weiß nicht, was passierte, wo genau ich meinen Fuß plazierte, aber ich fiel. Und ich fiel nicht nur auf den Boden, nein, ich fiel die Treppe hinunter. Es ist bemerkenswert, wie die menschlichen Reflexe arbeiten, um den Körper und vor allem den Teil zu schützen, der am meisten gefährdet ist – den Kopf. Zuerst versucht dein Gehirn, deine Füße irgendwohin zu stellen, wo sie dein Gewicht halten und den Körper wieder ausblanacieren können. Wenn das nicht klappt, tun deine Hände und Arme das Gleiche und versuchen dabei noch, den Kopf davon abzuhalten, mit Wänden oder Boden zu kollidieren. Sobald ich auf dem Boden ankam, spürte ich sofort einen stechenden Schmerz in meinem linken Knie, der sich von dort in meinem Bein nach oben und unten ausbreitete. Irgendwo auf dem Weg nach unten, in dem verzweifelten Versuch, meine Füße richtig aufzusetzen, hatte sich mein Bein auf schreckliche Weise falsch gedreht.
Ich hatte wahnsinnige Schmerzen. Ich wusste jedoch, dass ich aufstehen und diese Treppenstufen wieder hinaufsteigen musste. Meine Familie wusste, dass ich in der Höhle nicht gestört werden wollte, weil ich dort normalerweise zum meditieren war. Sie würden also nicht kommen und nach mir suchen. Ich musste raus. Trotz starker Schmerzen schaffte ich es irgendwie die Treppenstufen hinauf und zur Tür hinaus.
Meine Brüder waren geschockt, mich so zu sehen und trugen mich beinahe zum Auto, um zum nächsten Arzt zu fahren. Ich erzählte dem Arzt, dass ich die Treppe hinuntergefallen war und dass ich Schmerzen im Bein hatte. Ohne weitere Umstände erklärte der Arzt mein Bein für gebrochen und sagte den Krankenschwestern, sie sollten mir das Bein eingipsen. Das taten sie auch und so verließ ich seine Klinik mit einer Packung Schmerztabletten in der Hand und dem ganzen Bein vom oberen Oberschenkel bis zum Zeh im Gips.
Ich glaube, ich muss euch nicht sagen, dass meine Situation mehr als schlimm war. Ich konnte keinen Schritt ohne Hilfe machen – wegen dem Gips konnte ich mein Knie nicht abwinkeln und ich konnte sowieso kein Gewicht darauflegen, weil es weiterhin wie verrückt wehtat, selbst nach den Schmerztabletten. Meine Brüder mussten mir also mit jeder Kleinigkeit helfen.
Als sich das selbst nach zwei Tagen in keinster Weise verbesserte, beschlossen wir, mein Bein noch einem anderen Arzt zu zeigen. Zurück ins Auto – auch eine Herausforderung, wenn man das Bein nicht abwinkeln kann – und ab nach Mathura zu einem anderen Arzt. Als ich ihn von meinem Unfall erzählte, ließ er mich gleich zum Röntgen bringen, wo ich mich mitsamt meinem Gips auf die Liege legte, die dafür bereit stand. Als er etwas später den Bericht sah, zeigte er ihn mir. Da sah ich meine Knoche, alles gerade Linien, kein Schaden, keine Splitter und keine Bruchstelle. ‚Ich denke, wir können diesen Gips abnehmen, Ihre Knochen sind nicht gebrochen!‘ Ich war froh, dieses heiße, sperrige Ding von meinem Bein zu haben!
Der Arzt versicherte, dass es mir bald wieder gut gehen würde. Ich sollte mich nur hinlegen und viel entspannen, meinem Bein Erholung gönnen und kein körperliches Training machen. Natürlich sollte ich kein Yoga machen, das ich bis dahin regelmäßig gemacht hatte, sondern statt dessen einfach nur entspannen. Dann sollte ich in ein paar Tagen wieder schmerzfrei sein.
Ich war sehr erleichtert. Es käme also alles ganz von alleine wieder in Ordnung! Man stelle sich vor, ich wäre mehrere Wochen mit diesem Gips rumgelaufen, obwohl alle meine Knochen heil waren! Ich dankte Gott, dass wir zu diesem Arzt gegangen waren, der eine ordentliche Untersuchung gemacht hatte und herausgefunden hatte, dass mir überhaupt nichts fehlte und ich vollkommen heil geblieben war!
Doch auch dieser Arzt sollte nicht Recht behalten.
Related posts
Als mein Vater lebte… und doch nicht meiner war
Meine Beziehung zu meinem Vater
Neues Kapitel im Leben, Herausforderungen und Lektionen
Sexuell missbrauchte elfjährige Schwester und mein Schuldgefühl, dass ich sie nicht retten konnte!
Ich wurde von meiner Familie in Indien in den Rücken gestochen
Herausforderungen mit überwältigender Resonanz auf Ammaji’s Restaurant – 1 Mai 16
Mein Tag als Kellner – 24 Apr 16
Ramonas erster Geburtstag als Restaurant-Besitzerin – 20 Mär 16

