Mein allererster englischer Vortrag in Trinidad – 18 Dez 11

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Der Organisator in Trinidad, bei dem ich 2002 wohnte, war der Mann, den ich zuvor in London getroffen hatte. Er war zu einem Vortrag gekommen, den ich dort gegeben hatte – natürlich in Hindi. Nach dem Vortrag und nach etwas Programm in London war er zu mir gekommen und hatte mich nach Trinidad eingeladen. Er erzählte mir, dass es auch in Indien viele Inder gab. Sie seien Hindus und hätten auch Freude an meinen Vorträgen.

Ich nahm die Einladung an und so saß ich denn auch in seinem Haus im November 2002, völlig überrascht: er wollte, dass ich mein Programm auf Englisch halte! Er hatte das nie zuvor erwähnt!

Ich sagte zu ihm ‘Aber du hast mit mir in Hindi gesprochen! Du hättest einfach nur fragen können, ob ich auch Vorträge in Englisch halte! Ich hätte dir gesagt, dass ich gerade mal genug Englisch spreche, um etwas Smalltalk zu betreiben!‘ Ich erzählte ihm, dass ich in der Schule kein gutes Englisch gelernt habe, weil mein Unterricht in Hindi gewesen war und Englisch nur eines von vielen Unterrichtsfächern war. Ich hatte in den letzten ein oder zwei Jahren auf meinen Reisen im Westen nur ein bisschen Englisch gelernt. Smalltalk war jedoch etwas anderes, als vor Hunderten Menschen einen ganzen Vortrag über Hindu Schriften zu halten!

Er antwortete, genauso überrascht ‘Ich dachte, du reist auf der ganzen Welt herum, also sprichst du bestimmt Englisch! In London hast du deine Vorträge auf Hindi gegeben und ich dachte, es war Hindi, weil jeder dort sowieso Hindi spricht!‘ Er erkannte, dass es zwischen uns eine kleine Kommunikationslücke gegeben hatte, aber er schwor, dass er nie auch nur an die Möglichkeit gedacht hatte, dass ich vielleicht kein Englisch spreche. Hätte er vorher einmal erwähnt, dass noch nicht einmal der Rest seiner Familie Hindi sprach, hätte ich seine Einladung sicher nicht angenommen!

Überrascht wie ich war, hörte sich das alles wie ein großer Witz an. Er hatte mir erzählt, dass sie viele Leute erwarten und dass ein Radiosender das, was ich sagen würde, live übertragen würde. Niemand würde mein Hindi verstehen, aber ich war mir sicher, dass auch niemand mein Englisch verstehen würde! Doch nun war ich da, alles war arrangiert und organisiert und einige Stunden später sollte ich auf der Bühne sitzen, um meinen Vortrag zu halten. Ich konnte sehen, dass mein Organisator nach diesem Gespräch etwas besorgt war, aber dann sahen wir uns an und er ermutigte mich, mein Bestes zu geben. Ich sah ihn an und sagte ihm einfach, dass das sowieso alles war, was ich jetzt tun konnte.

Das Programm sollte im Haus des Bruders meines Organisators stattfinden. Es war ein paar Kilometer weit weg und wir fuhren mit dem Auto dorthin. Bereits als wir dort ankamen, sahen wir, dass viele Vorbereitungen getroffen worden waren. In dem großen Garten war ein Zelt aufgebaut mit einer Bühne. Mikrofon, Lautsprecher und Videokameras waren aufgebaut und alles war für den Anlass dekoriert.

Wir hatten noch etwas Zeit übrig und so gingen wir hinein, ich wurde dem Gastgeber vorgestellt und ich konnte mich vor dem Programm etwas entspannen. Als es Zeit wurde anzufangen, kam ich auf die Bühne. Drei- bis vierhundert Menschen waren dort zusammen gekommen und ich konnte auch die Leute des Radios erkennen. Das alles war für mich nichts Neues, diese Atmosphäre war ich gewohnt. Eines war jedoch neu: diese Menschen würde höchstwahrscheinlich das, was ich ihnen jetzt erzählen wollte, nicht einmal verstehen!

Ich setzte mich auf die Bühne und mein Organisator stellte mich der Zuschauerschaft vor – natürlich auf Englisch. Er hieß mich willkommen und erklärte, dass ich aus Vrindavan gekommen war. Als er mit der Vorstellung fertig war, schloss ich meine Augen und begann meine Mantras zu sagen, wie üblich vor einem Vortrag. Dann öffnete ich meine Augen und begann meinen ersten Vortrag in Englisch.

Ich erinnere mich nicht mehr daran, welches Thema ich für diesen Vortrag auswählte, aber ich sagte ihnen gleich zu Beginn: „Ich habe Englisch nicht gelernt, ich spreche es nicht gut und ich war mir nicht bewusst, dass ihr kein Hindi versteht. Hätte ich gewusst, dass ich Englisch sprechen muss, wäre ich vielleicht nicht gekommen, aber jetzt bin ich hier und es scheint, als hat das so geschehen sollen. Ich werde mein Bestes geben, um euch verständlich zu machen, was ich heute und in den nächsten Tagen sagen werde. Bitte entschuldigt meine Fehler, von denen es sicher viele geben wird. Ich hoffe, ihr könnt trotzdem verstehen, was ich sagen möchte. Wenn ihr meine Worte nicht versteht, seht mir bitte in die Augen, sie werden euch alles verraten. Worte sind nicht der einzige Weg der Kommunikation. Ich glaube, dass ein Blick in die Augen des anderen Gefühle viel besser ausdrückt.“

Ich sagte das – oder etwas Ähnliches, wenn man mein gebrochenes Englisch bedenkt – und ich bekam auch sofort eine Reaktion der Menge: sie versicherten mir, dass sie verstanden hatten, was ich ihnen gerade gesagt hatte. Also sprach ich weiter und verwendete all meine Intelligenz und jedes einzelne englische Wort, das ich bis dahin gelernt hatte, um das auszudrücken, was ich sagen wollte.

Auf diese Weise schaffte ich meine Vorträge auch in den nächsten Tagen. Am Ende dachte ich, es war wirklich sehr gut, dass mein Organisator mir vor meiner Reise nichts von der Sprache gesagt hatte und dass ich nie gefragt hatte. Ansonsten wäre ich einfach nicht gekommen und hätte nie die Anstrengung gemacht, mich auf Englisch zu unterhalten. Ich beschloss, weiterhin Englisch zu lernen und auch in Zukunft Vorträge auf Englisch zu geben.

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