In der Zeit der Trauer, 2002, nach dem Tod meines Großvaters erzählten wir uns gerne solche Erinnerungen. Da waren nicht nur wir, unsere kleine Familie, sondern auch die Brüder meines Großvaters und andere Verwandte. Leider war das Zusammensein mit ihnen nicht wirklich sehr angenehm.
Ich hatte das Gefühl, dass viele von ihnen nicht wirklich dort waren, weil sie um unseren Großvater trauerten, sondern weil es sich in der Gesellschaft so gehört, eine Formalität. Sie schienen nicht das Gefühl des Verlustes zu haben wie wir, sondern kamen zu der Beerdigung wie zu jedem anderen gesellschaftlichen Anlass, wie zu einer Hochzeit oder einer Geburtstagsfeier. Viele ihrer Handlungen und Aussagen verletzten dijenigen, die wirklich in Trauer waren. Wir standen diesen anderen Familienmitgliedern nicht wirklich nahe und ihr Verhalten führte zu einigen Diskussionen und zu Uneinigkeit mit unseren Gästen.
Da meine Mutter und mein Vater beide Einzelkinder sind, haben wir nicht viel weitere Familie. Wir haben keine Onkel oder Cousins. Als wir das Verhalten der Onkel und Verwandten meiner Mutter sahen, erkannten wir, dass wir in einer ganz anderen Welt lebten, mit anderen Werten und Gefühlen füreinander und für diejenigen um uns herum. Es passte einfach nicht und wir verstanden, dass es etwas Gutes sein kann, nicht so eine Großfamilie zu haben, wie es in Indien üblich ist. Wenn man seinen Verwandten einfach nicht auf einer Wellenlänge ist, warum muss man mit ihnen zusammen sein?
Es ist normal, nach dem Tod einer Person dreizehn Tage lang Rituale und Zeremonien abzuhalten und solange blieb auch die ganze Familie, um daran teilzunehmen. Es war eine schwierige Zeit. Wir waren alle traurig, unseren geliebten Großvater, Vater, Schwiegervater und Ehemann verloren zu haben und dazu waren da noch diese Verwandten, die an jedem unserer Rituale etwas auszusetzen hatten und sich beschwerten, dass sie nicht korrekt ausgeführt oder vergessen wurden. Wir taten es von unseren Herzen während es für sie leere Rituale waren.
Im Hinduismus gibt es für jeden kleinen Schritt, den man macht, ein Ritual. Als religiöse Familie führten wir sie alle durch, doch als ich den Verwandten zuhörte und die ganze Atmosphäre spürte, begann ich innerlich, die Rituale in Frage zu stellen. Es war, wie schon gesagt, die erste wirklich nahe Erfahrung mit dem Tod. Es schien mir, als sei es für die Seele des geliebten Menschen umso besser, je mehr Geld man ausgibt. Am dreizehnten Tag nach dem Tod lädt man dreizehn Brahmanen, Männer der höchsten Kaste ein, unter ihnen einen Priest. Ihnen gibt man Töpfe, Kleidung, Geld, Gold und Silber und der Priest bekommt zusätzlich noch ein Bett, eine Matratze und alles, was dazu gehört. Das Konzept ist der Glaube, dass man es demjenigen gibt, der gestorben ist, als würde er all diese Dinge dort brauchen, wo er nun ist. Zusätzlich zu diesen dreizehn lädt man noch mehr Menschen zum Essen ein. Je höher dein Ansehen in der Stadt ist, desto mehr Menschen sollten eingeladen werden. Es wird so erwartet. Einladungskarten werden gedruckt und verteilt und viele Menschen kommen, um von dir Essen zu bekommen.
Wir taten das alles, luden Hunderte Menschen zu einem großen Essen ein, gaben dem Priester und seinen zwölf Freunden viel Geld und andere Dinge und taten alles, was wir konnten. Wenn wir das nicht getan hätten, hätten die Menschen gedacht, dass wir unseren Großvater nicht wirklich geliebt hatten. In der ganzen Situation dachte ich jedoch über eine Frage nach: Was geben diese Rituale wirklich denjenigen, die das Gefühl des Verlustes haben?
Als der dreizehnte Tag vorbei war, reisten unsere Verwandten endlich ab und wir waren wieder alleine. Eigentlich waren wir eine Person mehr. Meine Großmutter blieb bei uns. Wir wollten sie nicht wieder weggehen lassen und sie stimmte zu, bei ihrer Tochter und ihrer Familie zu bleiben.
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