Bei ihrem Antrag sagte die Frau: ‚Wir sind sehr kompatibel‘. Sie sprach Hindi mit mir, vermischte es aber mit englischen Worten. Aufgrund meiner beschränkten Englisch-Kenntnisse wusste ich nicht, was ‚compatible‘, also ‚kompatibel‘ bedeutet und so fragte ich sie danach.
Sie erklärte mir das Folgende: Wenn ein Mann und eine Frau zusammen sind und sie unterschiedliche Vorstellungen vom Leben haben, zum Beispiel unterschiedlich wohnen und andere Wünsche haben als der jeweils andere, passen sie einfach nicht zusammen. Es funktioniert nicht. Aber wir passen zusammen! Du gehörst der Kaste der Brahmanen an und ich gehöre der Kaste der Brahmanen an. Du bist sehr religiös und ich genauso! Du hast so lange alleine gelebt und ich war bis jetzt auch alleine. Unsere Gedankengänge sind sich ähnlich! Wir sind wirklich sehr kompatibel, man findet schwer noch einmal so jemanden.
So habe ich ein neues Wort gelernt: kompatibel.
Ich lernte Englisch ein Wort nach dem anderen, immer bereit, ein neues in meinen Wortschatz aufzunehmen. Ich versuchte einfach, Englische Worte in meine Hindi Sätze einzubauen und kurze Sätze ganz in Englisch zu sagen. Ich wollte sehr gerne lernen, weil ich wusste, dass man mit Englisch mit so viel mehr Menschen sprechen kann!
Als ich in London zuvor bei der anderen Familie wohnte, hatte ich meinen Gastgeber gebeten, mich zu korrigieren, wenn ich in Englisch etwas falsches sagte. Er fragte ‚Es macht dir also nichts aus, wenn ich dich korrigiere?‘ und ich sagte ihm, dass ich mich überhaupt nicht davor scheute, meine Fehler zu erkennen und sie verbessert zu haben. Das war ich nie und bin es bis jetzt nicht.
Ich wusste, dass ich Fehler in der Aussprache machte, meine Grammatik falsch war und ich sogar falsche Worte verwendete, wenn ich die richtige Bedeutung nicht wusste. Es machte ihm Spaß, mich zu korrigieren, mir etwas beizubringen und mir zu helfen. Ich bekam nun auch die ersten Emails in Englisch und er half mir, indem er mir das übersetzte, was ich nicht verstand und Antworten schrieb, die der jeweils andere auch verstehen konnte.
Ich erinnere mich daran, wie wir einmal zusammen saßen und redeten, als seine Teenagertochter hereinkam. Sie sagte ‚I go Harrow‘, auf Deutsch ‚Ich gehe Harrow‘ und weg war sie. Er drehte sich zu mir um und sagte ‚Siehst du, heutzutage ist es den jungen Menschen egal, ob sie richtig sprechen oder nicht. Sie ist hier geboren worden, sie weiß, dass es richtig wäre zu sagen ‚I go to Harrow‘, also ‚Ich gehe nach Harrow‘, aber trotzdem schert sie sich nicht darum, die richtige Form zu verwenden. Du musst dir also wirklich keine Sorgen machen, wenn du einige kleine Fehler machst und wenn das, was du sagst, ein bisschen falsch ist. Die Leute werden dich schon verstehen!‘
Ich hatte nie ordentlichen Englisch-Unterricht, aber auf diese Weise habe ich 2002 ein paar Worte, ein paar Sätze und ein paar Redewendungen gelernt.
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