Als ich 2006 für Holi nach Indien kam, machten sich nicht nur meine Familie und ich fertig für die große Feier. Wir hatten auch Besucher aus dem Westen, die sich gespannt auf dieses große Fest freuten und darauf, sich mit den Leuten in der Umgebung in Farben zu stürzen. Sie hatten jede Menge Spaß – aber leider gab es da auch einen Vorfall, der nicht wirklich in diese Zeit voller Freude und Frohsinn passte.
Allgemein gesagt liegt es an dir und deiner Einstellung, ob dir Holi gefällt oder nicht. Wie sehr magst du das Chaos? Wie sehr macht es dir etwas aus, wenn um dich herum Durcheinander und Unordnung herrscht? Wie sehr kannst du über dich selbst lachen?
An Holi werfen die Menschen überall Farben und hier in Vrindavan kann man bereits eine Woche vor dem großen Festtag eingefärbt werden. Die Leute spielen einander Streiche und machen jede Menge Unsinn, während sie in einer Stimmung fröhlicher Unartigkeit sind. In diesem Vorgang kannst du selbst nass, farbig, voller Farben werden und sogar wie ein Trottel aussehen, wenn du auf einen Trick reinfällst. Deine Umgebung wird völlig eingefärbt und vielleicht empfindest du das als dreckig.
Manche Leute können das völlig genießen, aber für andere kann es auch zu viel werden. Manche tauchen in den Spaß ein und sagen, es sei die beste Erfahrung, die sie je gemacht haben. Anderen macht es Spaß, anderen nur zuzusehen, wie diese dreckig werden, ohne selbst Farbe abzubekommen. Andere, stelle ich mir vor, sollen nicht einmal an einen Ort kommen, wo so etwas geschieht – es ist einfach zu viel für sie.
Die Inder sind allgemein in Der Holi Zeit in dieser Stimmung. Ich stimme dem jedoch zu, dass sie manchmal bestimmte Grenzen überschreiten, die selbst zur verrückten Festzeit intakt bleiben sollten. So etwas geschah auch im Jahr 2006.
Eine Gruppe unserer Gäste, drei junge Westlerinnen, gingen an Holi auf den Markt. Sie wollten den Tempel sehen und Holi in der Mitte der Stadt erleben. Wenn Inder Westler sehen, halten sie sie sowieso für exotisch und interessant. An Holi glauben dann manche Menschen, dass sie alles dürfen und so kamen diese Frauen verwirrt und unglücklich zurück: sie waren zum Ziel einiger Leute in einer Menschenmenge geworden und waren mehrere Male unangebracht berührt worden.
Da hört der Spaß auf. Und es ist schade, dass so etwas passiert.
Wieder kommen wir da auf das Thema des Respekts für Frauen in Indien. Wieder bekommen Westler einen schlechten Eindruck dieses Landes, wenn sie hierherkommen. Wieder kommen sie nach Hause und erzählen hiervon – unter einigen anderen, schönen Dingen, doch dazwischen bleibt das eine bittere Erinnerung.
Darum spielen wir hier im Ashram Holi in einer sicheren Umgebung, in der Ashramfamilie und mit den Kindern, so dass unsere Freunde eine wahre Holi-Erfahrung mit Spaß und Freude haben können!
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