Bei meinem deutschen Freund daheim angekommen, traf ich seine Frau und seinen Sohn wieder, den fröhlichen fünf Jahre alten Jungen, den ich mit ihm im Flugzeug und dann auch auf Mallorca getroffen hatte. In den folgenden Tagen machte ich wieder mehrere neue Erfahrungen.
Wie er mir bereits auf unserem Flug nach Mallorca erzählt hatte, war mein Freund ein Doktor und Psychotherapeut. Er zeigte mir seine Praxis in der Stadt Lüneburg und zeigte mir so, wo er arbeitete. Wir gingen zusammen einkaufen und ich kochte in ihrere Küche indisches Essen.
Er hatte ein paar Freunde eingeladen, auch vorbeizukommen, so dass sie mich kennen lernen konnten und ich sie kennen lernen konnte. Ich zeigte ihnen in seinem Wohnzimmer etwas Yoga und sie versuchten mitzumachen. Natürlich hatten sie Spaß dabei, mich zu kopieren, aber es gefiel ihnen auch einfach, mir zuzusehen. Jeder hatte eine gute Zeit und sie waren genauso neugierig auf mich wie ich auf sie.
Es war eine sehr neue Erfahrung für mich. Es war das erste Mal, dass ich mit einem Ausländer oder Fremdstämmigen in einem Haus lebte. Zum ersten Mal war ich für längere Zeit mit jemandem zusammen, der nicht aus meinem Land kam, nicht meiner Kultur angehörte und meine Sprache nicht sprach. In Itzehoe war ich bei meinem indischen Freund gewesen und auch auf Mallorca, in London und in Thailand war ich bei indischen Familien gewesen, umgeben von Menschen, die aus Indien kamen, dort ihre Wurzeln hatten, Hindi sprachen und verstanden und verstanden, wer ich war.
Ich war auch zuvor schon in Kontakt mit Westlern gekommen. In Kontakt kommen ist jedoch etwas völlig anderes, als wirklich mit ihnen zusammen zu leben. Ich lernte etwas über die Essgewohnheiten in Deutschland, über den Lebensstil und viele kleine Dinge, die einfach zu dem gehören, wie das Leben dort anders abläuft als in Indien.
In der westlichen Familie gab es noch einen weiteren Unterschied: wie die Familie mich sah. Mein neuer Freund war keine religiöse Person. Wo auch immer ich zuvor gewesen war, überall waren die Menschen religiös und respektierten mich als heiligen Mensch. Natürlich war es in London etwas entspannter und familiärer, aber hier fühlte ich mich einfach nur wie unter Freunden. Da war Neugier und Respekt für das, was der andere erlebt hat und welche Erfahrungen er gemacht hat, aber nicht diese Ehrfurcht, die begonnen hatte, mich etwas unwohl fühlen zu lassen.
Wir wussten also nicht sehr viel über die Kultur des jeweils anderen und trotzdem waren seine Frau und er mutig genug, meine Gastgeber zu sein und ich war mutig genug, ihr Gast zu sein. Es war das Haus eines Fremden, aber ihre Liebe hat mir das Gefühl gegeben, daheim zu sein. Wir unternahmen vieles gemeinsam und lernten einander besser kennen. Ich erkannte, dass er zwar keine religiöse Person war, sehr wohl aber ein sehr spiritueller Mensch. So haben wir herausgefunden, dass wir beide gerne meditieren und verbrachten etwas Zeit zusammen in Meditation.
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