Natürlich waren die Holi Feierlichkeiten für uns 2002 weniger farbenfroh, weil wir uns daran erinnerten, wie wir das Farbenfest so oft zusammen mit meinem Großvater gefeiert haben. Es ging vorüber, ohne dass wir groß feierten und es war eher ruhig, anstelle der üblichen verrückten Freude.
Ich dachte wieder über die Rituale und ihre Bedeutung nach. Ich war mir sicher, dass es viele Menschen gab, die die Freude von Holi auch so kurz nach einem Tod eines Verwandten genießen können. Wir waren jedoch immer noch wirklich traurig und ich fragte mich, ob es das Ziel der Rituale war, unseren Schmerz zu verringern. Wofür gab es so viele Rituale, wer hat sie geschaffen und wofür?
Hinduismus hat sehr viele Rituale. Es gibt auch im Christentum und im Islam Rituale, aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass besonders Hindus die Bedeutung von Ritualen in allem, was sie tun, hervorheben und besonders die Rituale, die man nach dem Tod einer Person durchführt. Ich glaube, dass das etwas mit der Philosophie der Reinkarnation zu tun hat. Nach dem Hindu Glauben stirbt die Seele nicht und bleibt auch nicht in Himmel oder Hölle. Je nach ihrem Karma, darf die Seele eine Weile an einem Ort ähnlich Himmel oder Hölle verweilen. Wenn sie die Zeit dort ‚abgesessen‘ hat, wird sie wiedergeboren und beginnt ein neues Leben, vielleicht in einer anderen Form des Lebens oder in einer anderen Person. Wenn man gutes Karma angesammelt hat, bekommt man ein besseres Leben, vielleicht in einer reichen Familie, während eine Person mit schlechtem Karma in eine schlechtere Situation wiedergeboren wird, arme oder krank mit einem schlimmen Schicksal. Natürlich betet man für einen geliebten Menschen nach seinem Tod, dass er in den Himmel und dann im nächsten Leben in eine wohlhabende und liebende Familie kommen möge.
In Ägypten wurden die Toten als Mumien mit so viel Gold und Reichtümern begraben, wie vorhanden waren, da sie vom Toten in der Nachwelt gebraucht werden könnten. Ich habe gelesen, dass sogar die Dienerschaft und Sklaven umgebracht und mit ihren Pharaos begraben wurden, so dass diese jemanden haben würden, der ihnen im Leben nach dem Tod dienen könne. Hindu Priester waren da noch etwas schlauer. Sie haben sich Rituale ausgedacht und den Familien der Toten gesagt, dass es gut für die Seele ist, wenn sie den Priestern so viel wie möglich zukommen lassen. Je mehr man den Priestern gibt, desto schöner hat es die Seele des geliebten Menschen in der Zeit des Übergangs und auch im nächsten Leben.
Ich war immer mehr davon überzeugt, dass diese Ritual emir und meiner Familie nicht wirklich viel brachten. Ich erkannte, dass ich nur nach meiner Zeit in der Höhle in der Lage war, so zu denken. Davor wäre es mir nicht möglich gewesen, irgendeinen dieser Punkte in Frage zu stellen. Wenn ich meine Zeit des Rückzugs nicht gehabt hätte, hätte ich einfach alles, was in den Schriften gestanden war, akzeptiert. Meine innere Einstellung hat sich verändert und ich konnte diese Rituale von einem anderen Sichtpunkt betrachten, vielleicht etwas mehr realistisch.
Als das alles vor sich ging, bereitete ich mich bereits darauf vor, wieder abzureisen. Die Familie, die auf ihren Nachwuchs wartete, als ich 2001 in London war, hatte mich eingeladen, die Geburt ihres ersten Sohnes mit ihnen zu feiern. Sie hatten mir im November voller Freude und Glück eine Nachricht geschickt. Sie wollten wie traditionell üblich ein Programm von neun Tagen organisieren.
Ich habe schon erzählt, dass ich zu solchen Programmen in Indien immer eine komplette Musikgruppe dabei hatte, die mich bei Vorträgen, Predigten und Mantra-Rezitationen mit ihren Instrumenten und ihrem Gesang begleiteten. Da ich nur schwerlich 15 Menschen mit mir nach England nehmen konnte, wählte ich nur einen Musiker aus, arrangierte alles für seine und meine Reise und verließ Indien im Frühling 2002.
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