Einladung nach Deutschland und Vorbereitungen für die Reise – 23 Jan 11

Stadt:
Alleppey
Land:
Indien

Hier war ich also mit all diesen Gedanken, während die Menschen langsam aus dem Ashram abzureisen begannen. Schließlich war nur noch meine Familie da und wir hatten etwas ruhige Zeit miteinander.

Ich hatte mir am Tag, als ich in die Höhle ging, den Kopf rasiert, aber natürlich ist mein Haar die nächsten drei Jahre weiter gewachsen. Da ich mich nicht darum kümmerte, wie mein Haar aussah, bürstete ich es nicht und tat weiter gar nichts, so dass es zu einer Art natürliche Dreadlocks wuchs. Vorne formten sich einzelne Dreadlocks aus verschiedenen Haarsträhnen, aber hinten wurde das Haar zu einer einzelnen Matte verfilzten Haares in der Größe von zwei Handflächen. Um das auszusortieren, begannen mein Vater und meine Brüder, die Matte in zehn einzelne Locken zu zerreißen. Es dauerte eine Weile und kostete etwas Mühe und ein Paar Schnitte mit der Schere, aber schließlich waren sie fertig und ich hatte Dreadlocks.

Das brachte meine äußere Erscheinung etwas in Ordnung und auch für meine innere Unentschlossenheit, was ich als nächstes tun sollte, begann sich bald ein Bild in meinen Gedanken zu formen.

Ich bin in der Hindu Religion und der Kaste der Brahmanen aufgewachsen, habe die Schriften studiert und das Predigen und Sprechen über Ramayan, Gita und Bhagwat war zu meinem Beruf geworden. In Indien organisierte man große Programmveranstaltungen, die üblicherweise über neun Tage dauerten. Unter den Einladungen, die ich nach meiner Zeit in der Höhle bekam, befand sich auch eine, die sich davon sehr unterschied und für die ich mich schließlich entschloss, da sie für mich die Möglichkeit darstellte, etwas zu verändern.

Ich hatte einen Freund in Südindien, dessen Familie Anhänger meines Vaters waren. Diese Familie war an dem Tag, als ich aus der Höhle kam, auch im Ashram. Nur mein Freund fehlte, da er ein paar Monate zuvor Arbeit als Computer-Spezialist in Deutschland bekommen hatte. Dieser Freund rief mich etwas später an und sagte ‚Oh, ich konnte nicht kommen, aber es wäre toll, wenn du mich hier in Deutschland besuchen könntest!‘ Spontan sagte ich am Telefon, dass ich kommen würde.

Ich wusste, dass er jung war und erst seit Kurzem in Deutschland, es würde also nur ein freundlicher Besuch werden, keine Arbeit und kein Programm für Vorträge. Zudem bekam ich jedoch noch eine solche Einladung von einer indischen Familie auf Mallorca, Spanien und von einder indischen Familie in London. Ich wusste nicht viel über England, Spanien oder Deutschland. Ich wusste, dass es Teile Europas waren, sonst wusste ich aber nicht viel mehr. In meiner Schule war die Unterrichtssprache auch nicht Englisch gewesen, so dass ich nur sehr wenig Englisch sprach, aber ich wollte etwas anderes tun. Ich wollte den Erwartungen entkommen, die ich von meinen Schülern spürte und dachte, das wäre eine gute Möglichkeit, etwas anderes zu tun, wo anders hin zu gehen und etwas anderes zu sehen.

Ich erwartete nicht, dass ich mich eines Tages dort niederlassen würde, dort arbeiten würde oder dort Vorträge geben würde. Ich wollte einfach los und entschied mich dafür. Die vier Monate von dem Tag, als ich aus der Höhle kam, bis ich nach Deutschland abreiste, verbrachte ich damit, mich wieder an das normale Leben zu gewöhnen. Ich brauchte diese Zeit, um wieder in dieser Welt anzukommen, Kleidung zu tragen, rauszugehen und auf normale Weise Gespräche mit Leuten zu führen und natürlich, um mich auf dieses neue Abenteuer des Lebens vorzubereiten.

Diese Vorbereitungen beschränkten sich auf das Grundlegende und als kurz vor meiner Abreise mit meinem Freund sprach, sagte ich ihm, dass ich nicht einmal genau wusste, wo genau Deutschland war. Er sagte ‚Mach dir keine Gedanken, setz dich einfach in das Flugzeug und ich hole dich am Flughafen ab.‘

Und so began meine Reise nach Europa.

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