Ich habe euch von der irischen Frau erzählt, die ich 2005 in Dublin getroffen hatte und die, nach Jahren auf der Suche, schließlich einen Partner gefunden hatte. Ich freute mich für sie, dass sie ‚den Einen‘ gefunden hatte. Natürlich brachten ihre Unsicherheit und seine eigenen Probleme die beiden immer noch manchmal in Probleme. Sie besuchte weiterhin unterschiedliche Gurus, nachdem ich mich geweigert hatte, die Verantwortung für Entscheidungen in ihrem Leben zu übernehmen. Es war jedoch schön, dass sie in Kontakt blieb und so konnten wir hin und wieder einfach ein schönes Gespräch unter Freunden haben. Ich freute mich natürlich auch, als sie mir erzählte, dass sie und ihr Partner geheiratet hatten. Als ich jedoch von den Umständen ihrer Hochzeit hörte, machte ich mir dazu meine eigenen Gedanken.
Diese Frau und ihr Partner hatten ihre Beziehung mehrere Male auf Eis gelegt, beendet und wieder begonnen. Als einer ihrer Lieblings-Gurus jedoch Irland besuchte, waren sie gerade auf einem der Höhepunkte ihrer Liebesgeschichte und beschlossen, dass sie sich von diesem indischen Guru trauen lassen wollten.
Ich bin mir nicht sicher, wo sie diese Idee bekommen hatten, aber vielleicht hatte einer der Anhänger ihnen von dieser Möglichkeit erzählt. Es war eines der vielen Angebote an Dienstleistungen, die dieser Guru hatte. Und dann wurde für die Zeremonie noch nicht einmal Geld verlangt!
Ganz zu Recht könnt ihr euch nun fragen, warum ich dieser Art der Heirat zweier sich liebender Personen in einer spirituellen Zeremonie offensichtlich abgeneigt bin, wenn doch noch nicht einmal Geld dabei eine Rolle spielt. Der Punkt ist jedoch, dass da sehr wohl Geld im Spiel ist – und nicht gerade wenig! Das Paar hatte zwar den Guru nicht für die Zeremonie bezahlen müssen, sie mussten aber alle Zutaten für die Zeremonie von seiner Organisation kaufen und sogar die Hochzeitskleidung von Braut und Bräutigam konnten von nirgendwo anders als diesem Laden gekauft werden. Alle Waren des Ladens sind bereits vom Guru gesegnet und es gibt viele Dinge dort, die von dem Guru sogar einmal getragen sind, damit sie Leuten verkauft werden können, die sich dadurch außerordentlich gesegnet fühlen.
Sie hatten also ihre spirituelle Hochzeit von diesem Guru in der Kleidung, die sie in dem Laden gekauft hatten und gaben dafür meiner Meinung nach viel zu viel Geld aus. Nein, Augenblick mal, es war eigentlich nicht der hohe Geldbetrag, den ich seltsam fand. Hochzeitskleidung ist so oder so teuer. Nein, es war die Bedingung, dass sie nur von dieser Organisation kaufen durften, um von ihrem Guru getraut werden zu können. Das war also wie ein Preis für die Hochzeit! Wo ist denn nun der Unterschied?
Natürlich sprach ich diese Gedanken nicht vor dem glücklichen, frisch verheirateten Paar aus. Ich dachte einfach nur, dass ich wieder einmal gesehen hatte, wie moderne Gurus im Westen ihre Anhänger glücklich machen, während sie vorgeben, von allem Materiellen entsagt zu haben und dabei gleichzeitig immer reicher werden. Naja, ich hoffte nur, dass diese Frau, die mir im Laufe der Zeit zur Freundin geworden war, in ihrer Ehe glücklich sein würde.
Ich erwähnte jedoch ihre Unsicherheit, oder?
Ja, um es kurz zu machen, war das für die beiden noch nicht genug. Sie hatten ihre spirituelle Hochzeit gehabt, trennten und vereinten sich jedoch immer weiter, bis sie schließlich beschlossen, es noch einmal zu tun – dieses Mal etwas traditioneller. Sie hatten auch eine große, traditionelle Hochzeit in der katholischen Kirche. Dieses Mal mit all ihren Verwandten, die Braut in einem weißen Kleid, der Bräutigam im Anzug.
Und ich möchte das heutige Tagebuch mit den passenden Worten beenden: und wenn sie nicht gestorben sind, so leben sie noch heute – Ende gut, alles gut.
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