Eine Freundschaft, die nicht so eng und liebevoll ist wie gedacht – 4 Dez 11

Stadt:
Vrindavan
Land:
Indien

Nach Radhashtami 2002 war ich in verschiedenen indischen Städten, um dort Programm zu geben. Ich habe nicht mehr wirklich viel meines früheren Prediger-Programms gemacht. Ich ging nur zu sehr wenigen, ausgewählten Familien, die mir näher waren als andere. Diese Familien waren keine Verwandten, aber ich hatte zu ihnen schon seit Jahren eine Beziehung und so fühlte es sich fast, als wären sie blutsverwandt. Wir liebten einander und teilten viele Gefühle und das war für mich der Grund, dorthin zu gehen und Programm zu geben.

Ich wohnte bei einer Familie, bei der ich schon zuvor viele Male gewesen war und die einen zwölf Jahre alten Sohn hatte. Ich hatte gesehen, wie er aufwuchs und natürlich war er in der Zeit, die ich in der Höhle verbracht hatte noch um einiges mehr gewachsen. Wenn ich jemanden liebe und das Gefühl einer Familie habe, vertraue ich vollständig und sehe diese Menschen als Brüder und Schwestern und ihre Kinder als meine Kinder. Als dieser Junge mir nun sagte, dass er sich ein Fahrrad wünschte und fragte, ob ich ihm eines kaufen könnte, dachte ich nicht eine Sekunde lang nach und antwortete, dass ich natürlich mit ihm in einen Laden gehen und eines kaufen würde. Ich sagte klar, lass uns gleich losgehen.

Der Junge war natürlich aufgeregt und rannte los, um sich fertig zu machen. Ich machte mich auch fertig und als ich an der Küchentür vorbeiging, hörte ich, dass der Junge dort war und mit seiner Mutter sprach. In dem Augenblick, als ich dort vorbeiging, hörte ich, wie sie sagte ‚Nimm das Teuerste im Laden!‘

Dieser Satz ließ mich eine Sekunde lang innehalten, doch dann ging ich weiter. Es war wie ein Dorn in mein Herz. Dieser Satz gab mir das Gefühl, benutzt und ausgenutzt zu werden. Bringst du deinem Kind bei, wie er diejenigen, die ihm nahe sind, am Besten betrügt? Diejenigen, die vom Herzen großzügig und mit Liebe geben? Nimm so viel, wie du kannst. Nimm nicht das, was du willst, was du magst oder was du brauchst, sondern nimm das, was am Teuersten ist. Ihr könnt euch vorstellen, was für einen Aufruhr ich in mir hatte.

Ich wusste jedoch, dass es nicht die Schuld des Jungen war und so ging ich mit ihm in den Laden, wie es geplant gewesen war. Er suchte sich ein Fahrrad aus und ich kaufte es ihm, ohne auf den Preis zu sehen oder nachzufragen, ob es das Teuerste war oder nicht. Ich sprach auch mit der Familie nicht darüber. Von diesem Augenblick an war ich mir jedoch immer bewusst, dass sie finanzielle Erwartungen hatten und mich nicht als so nah ansahen, wie ich sie. Seit dann hat sich dieses Gefühl einer engen Familie leicht verändert, doch ich habe die Beziehung weiter aufrecht erhalten und meine Liebe auch in den folgenden Jahren geteilt.

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