Eine Europäerin von britischen Indern mit Vorurteilen missverstanden – 6 Nov 11

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Bevor ich 2002 wieder nach London ging, war ich mit der jungen Frau in Kontakt, die ich im Zug von Lüneburg in die Schweiz getroffen hatte. Als ich ihr erzählte, dass ich neun Tage lang Programm geben würde, beschloss sie, für ein Wochenende Pläne zu machen, nach London zu kommen, um zu sehen, was für Programm ich machte. Ich sagte ihr, dass es in Hindi sein würde, dass aber auch Musik und Gesang ein Teil des Programms sein würde, dass es ihr also auch gefallen könnte. Sie kam, um etwas spirituelles zu erleben und die Atmosphäre dort zu spüren. Als mein Gast wohnte sie auch bei meinen Gastgebern und ich freute mich, dass jemand, den ich im Zug getroffen hatte, nach London gekommen war, um zu erleben, was ich machte. Während sie jedoch dort war, verwirrte und störte mich die Einstellung der Inder ihr gegenüber.

Ich hatte meinen Gastgebern natürlich erzählt, dass sie kommen würde und sie freuten sich, sie bei sich zu Hause willkommen zu heißen. In ihrem Haus war viel los, wie üblich, wenn jemand ein solches Programm organisierte. Viele Menschen gingen den ganzen Tag ein und aus, um mich zu treffen, zu sprechen und privat mehr zu erfahren, als in den Vorträgen möglich war. Natürlich war die junge Frau auch da und in meiner Nähe. Obwohl jeder sehr nett zu ihr war, sahen sie sie seltsam an. Niemand sagte etwas zu mir, weil sie mich respektierten, aber ich hörte, wie jemand sie ‚Swami Ji’s Freundin‘ nannte, als sie meinten, ich würde sie nicht hören.

Das gab mir überhaupt kein gutes Gefühl. Zwischen uns gab es keine körperliche Beziehung und sie war wirklich nur ein Gast und es war eine neue Freundschaft. Doch einige Leute hatten diesen Eindruck, weil diese junge Frau, die noch nicht einmal ein Wort meiner Vorträge versteht, den ganzen Weg von Deutschland nach London kommt, um das Wochenende mit mir zu verbringen. Für sie war es eindeutig, welchen anderen Grund könnte ihr Kommen sonst haben? Vielleicht dachten das nicht alle, doch das war der Eindruck, den einige von ihnen auf jeden Fall hatten. Und dann war da noch ein weiterer Vorfall.

Ein Mann, der erst vor Kurzem und zum ersten Mal aus Indien nach London gekommen war, wohnte im gleichen Haus wie wir. Als sie sich eines Tages in ihrem Zimmer ausruhte, ging er hinein und begann, sie unangebracht anzufassen, zu versuchen sie zu küssen und sagte mit gebrochenem Englisch ‚Bitte nur einmal‘. Sie hat das richtige getan: sie trat ihn, schrie ihn an und warf ihn praktisch aus ihrem Raum. Etwas später, nachdem sie sich nach dem Vorfall wieder etwas beruhigt hatte, erzählte sie mir, was passiert war. Er hatte mit ihr Schlafen wollen!

Ich war unglücklich zu sehen, dass mein Gast, eine Freundin, die mich hier besuchte, so eine unangenehme Erfahrung machen musste. Sie war natürlich etwas aufgewühlt und wütend, hatte aber bereits Zeit gehabt, ihre Gefühle ein bisschen zu sortieren. Als ich den indischen Mann später fragte, warum er das getan hatte, bereute er seine Handlung bereits. Er sagte ‚Es war mein Fehler, ich hatte mich nicht unter Kontrolle‘, doch er fügte einen weiteren Satz hinzu ‚Außerdem macht es doch für Europäer keinen Unterschied!‘ Das brachte mich wirklich aus der Fassung und ich erzählte ihm wütend von unangebrachtem Verhalten, Würde, Respekt gegenüber anderen und mehr.

Stell dir meine Situation dort vor und was mir alles im Kopf umging. Da war diese eine europäische Frau unter all den indischen Leuten und was dachten alle von ihr? Manche dachten, dass ich eine Art Affäre mit ihr hatte. Eine weitere Person dachte ‚Naja, ihr macht es ja nichts aus, also kann ich mit ihr schlafen‘ und versuchte das auch. Es war offensichtlich unter Indern, die nicht wirklich viel Erfahrung mit Europäern hatten, eine sehr verbreitete Vorstellung, dass Europäer mit jedem schlafen würden. Mit diesen Gedanken erinnerte ich mich an die indische Frau, die mir nach ein paar Treffen sagte, dass wir schon miteinander schlafen würden, wenn sie ein weißes Mädchen wäre. Ich dachte an die Frau in Lüneburg, die mir erzählt hatte, dass sie mehrere Partner gleichzeitig hatte und ich erinnerte mich, dass mein Freund mir erzählt hatte, dass es viele Menschen gab, die so lebten. Andererseits hatte ich jedoch verheiratete europäische Paare getroffen, von denen ich dachte, dass die Partner einander treu waren und jetzt war hier diese deutsche Frau in London, die von den Menschen um sie herum völlig falsch eingeschätzt wurde.

Ich weiß ganz sicher, dass nicht jeder in der indischen Gemeinschaft diese Mentalität hatte, besonders nicht diejenigen, die in London geboren und mit vielen englischen Freunden aufgewachsen waren. Sie hatten ein besseres Bild der Realität als diejenigen, die mit Vorurteilen über Europäer und Westler im Allgemeinen aus Indien gekommen waren. Es gab jedoch auch viele Leute, die eine falsche Vorstellung hatten und die Mentalität dieser einzelnen Menschen gefiel mir überhaupt nicht.

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