Ich war Anfang Mai 2001 in Deutschland, als die Tage in Deutschland bereits länger wurden. Zu Beginn verwirrte es mich sehr, dass es so lang dauerte, bis es draußen dunkel war und dass es draußen schon so früh am Morgen hell wurde. In Indien geht die Sonne das ganze Jahr über in etwa um die gleiche Zeit auf und unter, mit vielleicht einer Stunde Unterschied zwischen Sommer und Winter.
Doch, wie ich schon sagte, war in meinem Leben im Westen nicht alles neu. Ein Element meiner Tage war eine Feuerzeremonie, die ich jeden Morgen nach dem Aufstehen und Duschen, aber vor dem Essen durchführte. Selbst Wasser trank ich erst, als ich mit diesem Ritual, das Hawan genannt wird, fertig war.
Für diese Feuerzeremonie hatte ich immer eine Tasche mit allen Zutaten bei mir. Ich hatte schwarzen Sesam, Reis, Zucker, viele verschiedene Kräuter, Ghee, ein kleiner Feuertopf und sogar kleine Holzstücke. Wo auch immer ich also sein würde, würde es mir immer möglich sein, mein Ritual durchzuführen. Diese tägliche Zeremonie am Morgen hatte ich im Jahr 1988 begonnen, hatte nicht einen einzigen Tag ausgesetzt und intensivierte sie sogar noch während meiner Zeit in der Höhle.
In Deutschland hatte ich zunächst einige Schwierigkeiten, doch die wurden schnell beseitigt. Die Wohnung war klein und hatte keinen Garten, also öffnete ich die Fenster des Wohnzimmers, setzte mich mit meinem Feuertopf in die Mitte des Zimmers und begann. Es dauert nicht lange und der Rauchmelder, von dem ich nichts gewusst hatte, fing an, schrecklich laut und wütend zu kreischen. Ich war schon ziemlich überrascht, bis mein Freund angerannt kam, den Alarm ausstellte und ihn mir erklärte. Von diesem Tag an deckten wir den Sensor des Rauchmelders immer zu und schoben meinen Feuertopf nahe an die Tür des kleinen Balkons, die weit offen stand, so dass der Rauch gleich aus der Wohnung rauszog.
Mein indischer Freund in Itzehoe hatte einen weiteren Gast, den Ehemann seiner Schwester. Wir waren also zu dritt in seiner Wohnung, kochten gemeinsam indisches Essen, entdeckten Deutschland etwas mehr und meditierten auch zusammen.
Natürlich war ich eine religiöse, spirituelle Person und sie wussten, dass ich mein ganzes Leben lang als Guru gelebt habe. Immer, wenn also eine weitere Person eingeladen war und vier oder mehr Menschen zusammen waren, wurde ich gebeten, über etwas religiöses zu sprechen, kurz, zu predigen. Sie erwarteten etwas Weises von mir und waren glücklich, wenn ich eine halbe Stunde lang redete.
So gesehen war mein Besuch voller Extreme. Zu Hause meditierten wir und ich führte meine Feuerzeremonien durch und wenn wir rausgingen, erzählte mir mein Freund von seiner Nachbarin, der vermeintlichen Prostituierten, oder zeigte mir die Reeperbahn in Hamburg mit dem ganzen Rotlichtviertel drum herum. Das war auch eine Erfahrung, um nicht zu sagen ein Schock, der mir in Erinnerung blieb. Ich hätte mir nie vorstellen können, dass ein solcher Ort existiert. Da waren Sex-Bars auf beiden Seiten der Straße, Frauen mit viel Make-up und wenig Kleidung, die dazu einluden, hineinzugehen und einfach die ganze Atmosphäre des Ortes. Die Poster und Bilder, die überall aushingen und die Angebote, die überall gemacht wurden, waren für meine Augen und meinen Geist so neu, dass ich nur mit weit aufgerissenen Augen die Straße entlanglaufen konnte.
Nach etwa zehn Tagen in Deutschland brachte mich mein Freund wieder zum Flughafen, so dass ich zu meinem zweiten Zielort weiterreisen konnte, wo ich einige weitere überraschende Erfahrungen in dieser Kultur machen sollten. Ich war unterwegs nach Mallorca, Spanien.
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