Heute möchte ich euch von einem Ereignis im Jahr 2005 erzählen, dem ich persönlich nicht beiwohnte, von dem mir jedoch viele Male berichtet wurde und von dem ich Bilder und Videos gesehen habe: zwei meiner deutschen Freunde heirateten im Ashram! Aber ich will die Geschichte von Anfang an erzählen.
Diese zwei Freunde hatten mir erzählt, dass sie gerne eine Reise nach Indien machen wollen. Der Mann war schon mehrere Male in Indien gewesen, aber für seine Frau wäre es das erste Mal. Sie hatten von den Zeremonien und Ritualen bei indischen Hochzeiten gehört, hatten Videos gesehen und waren fasziniert davon. Als ich sie einlud, zu uns in den Ashram zu kommen, äußerten sie den Wunsch, eine indische Hochzeit zu haben. Ich antwortete, dass das natürlich möglich war und so machten sie ihre Pläne. Irgendwie hatten wir an diesem Punkt jedoch ein kleines Missverständnis.
Sie kamen im Oktober am Flughafen in Delhi an und wurden dort herzlich von meinem Bruder Yashendu willkommen geheißen, den sie bereits in Deutschland kennen gelernt hatten. Sie kamen in der Erwartung im Ashram an, mich an der Türschwelle umarmen zu können – aber ich war gar nicht da! Meine Brüder erklärten, dass ich in Irland ein Programm hatte! Sie waren sehr überrascht, um es milde auszudrücken. Sie kannten Yashendu nicht richtig und unseren mittleren Bruder Purnendu überhaupt nicht, aber vor allem hatten sie eine Frage: was sollte denn nun aus ihrer Hochzeit werden, wenn ich nicht da war, um sie durchzuführen?
Ich erfuhr erst viel später, dass sie gar nicht wussten, dass ich nicht da sein würde. Ich dachte, ich hätte ihnen das gesagt und ich hatte natürlich meinen Brüdern von dem geplanten Besuch erzählt. Mein Programm stand schon länger fest – aber da hatten wir wohl offensichtlich aneinander vorbeigeredet! Genauso wie sie nicht wussten, dass ich nicht da sein würde, wusste ich nicht, dass sie von mir erwartet hatten, dass ich ihre Hochzeitszeremonie durchführen würde! Ich verstehe, warum sie vielleicht gedacht hatten, dass ich das tun könnte: ich kannte ja die heiligen Schriften und natürlich auch alles über die Rituale zu verschiedenen Anlässen, da diese ja auch in den Schriften beschrieben sind. Sie wussten jedoch nicht, dass wir für die Durchführung all dieser Zeremonien eine andere Art von Priester haben! Ich hatte in meinem Leben noch niemanden verheiratet und auch mein Vater und meine Brüder nicht! Wir waren Prediger, die die Schriften interpretierten, rezitierten und erklärten und normal führten wir keine Rituale durch. Wir kannten jedoch Priester, die das taten und das hatte ich auch im Sinn gehabt, als ich sie zu ihrer Hochzeit im Ashram einlud.
Da waren sie also, ein bisschen verwirrt und sogar bereit dazu, die Hochzeit ausfallen zu lassen und weiterzureisen. Purnendu beschloss, dass es an der Zeit für ein Gespräch mit mir war und drückte ihnen einfach das Telefon in die Hand. Es ist lustig, dass ich mich selbst jetzt nicht daran erinnern kann, dass sie mir da gesagt hätten, dass sie meinten, ich würde da sein. Naja, wie auch immer, ich sagte ihnen, dass meine Familie alles für die Hochzeit vorbereiten würde und dass sie sich keine Sorgen machen, sondern einfach entspannen und genießen sollten.
Glücklicherweise beschlossen sie, genau das zu tun und meine Familie begann mit den Vorbereitungen für ihre Hochzeit am 19. Oktober 2005. Meine Brüder und meine Schwester organisierten alles. Sie besorgten die Hochzeitskleidung, bereiteten die Feuerstelle für das Ritual vor, all die Dinge, die für die Hochzeit benötigt werden, baten den Priester zu kommen, halfen unseren Freunden in die Kleidung, erklärten ihnen, wann sie was tun sollten und machten Bilder und Videos. Es war für alle ein unvergesslicher Abend, der sie tief mit meiner Familie und dem Ashram verband.
Obwohl ich nicht da war, bin ich sehr froh, dass meine Freunde ihre indische Hochzeit bei uns hatten. Sie blieben sogar für die Diwali-Feierlichkeiten, die nicht viel später waren und hatten ein Festessen bei uns zu Hause. Heute noch erzählen sie, wie sehr es sie berührte, als sie wie Familienmitglieder aufgenommen wurden und dass sich alle ohne jegliche Erwartungen rührend um sie kümmerte.
Ich freue mich, dass wir diese zwei besonderen Freunde nach diesem ersten Besuch im Ashram noch viele weitere Male begrüßen durften. Meine Familie und ich wurden bei ihnen daheim mit der gleichen Liebe willkommen geheißen. Und heute kann ich mit viel Freude sagen, dass sie bei uns daheim geheiratet haben und die deutsche Hochzeit meiner Frau und mir bei ihnen daheim stattfand!
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