Nach vielleicht zehn Tagen in Trinidad kam ich für zwei oder drei Tage zurück nach London. In London war es bereits richtig kalt und ich freute mich, als ich im Flug saß, unterwegs in das wärmere Klima Indiens. Der Winter in Indien ist immer schön. Wir haben kalte Nächte, aber schöne, sonnige Tage. So endete das Jahr 2002 für mich in Vrindavan, mit schönen Tagen daheim im Kreis der Familie.
Unsere Familie machte in der Zeit Pläne für die Zukunft. Ich bin der älteste Sohn der Familie. Nach indischer Tradition wollte mein Großvater meine Ehe arrangieren, als ich 18 Jahre als war. Es ist normal in Indien, dass die Eltern und Großeltern nach dem richtigen Partner suchen, aber ich hatte überhaupt kein Interesse daran zu heiraten. Wann auch immer das Thema aufkam, hatte ich das ganz deutlich gemacht und meine Eltern und Großeltern akzeptierten es.
Nach dem üblichen Brauch begannen sie dann, an ihren zweitältesten Sohn Purnendu zu denken. Es hatte bereits mehrere Ehevorschläge von Familien gegeben, die ihre Töchter mit meinem jüngeren Bruder verheiraten wollten. Bevor eine Ehe arrangiert wird, ist das ganz normal. Die Familie des Jungen sieht sich mehrere Mädchen an und spricht mit ihren Familien und die Familie des Mädchens sieht sich unterschiedliche Jungen an, um zu sehen, wer zu ihrer Tochter passen könnte. Es ist sogar eine Art gesellschaftliche Verantwortung und viele Menschen haben Spaß daran, Paare zu verkuppeln.
Anfang 2003 bekam unsere Familie durch eine dritte Familie einen Heiratsvorschlag. Und dieses Mal akzeptierten wir ihn. Purnendu respektierte den Wunsch unserer Eltern und war glücklich bei dem Gedanken an Heirat. Dieses Mädchen kam aus einer armen Familie und so dachten wir, wir könnten ein junges Mädchen unterstützen und ihr zu einer besseren Zukunft verhelfen.
Wir waren immer der Meinung, dass es keinen Sinn macht, Millionen Rupien für eine Hochzeit auszugeben. Die Familie des Mädchens war nicht in der Lage beizusteuern, wie es normalerweise üblich ist, aber wir sahen das gar nicht als Problem. Wir organisierten die Hochzeit und alles, was dazu gehört. Vielleicht überrascht euch die Geschwindigkeit, mit der die Hochzeit organisiert wurde, aber in Indien ist das recht normal. Im January 2003 haben wir den Vorschlag bekommen und im Februar feierten wir bereits mit viel Freude Purnendus Hochzeit.
Wir hießen die neue Frau in unserem Haus willkommen, aber leider hielt ihre Ehe nicht einmal zwei Jahre lang.
Doch da wir nicht wussten, dass es für uns eine so schmerzliche Erfahrung sein würde, hatten wir viel Spaß an den Feiern. Unter den Gästen war auch ein Paar aus Kopenhagen, Dänemark, die in der Nachbarschaft lebten und schon vorher ein paar Mal den Ashram besucht hatten. Sie schlossen sich den Feiern an und luden mich ein, nach Kopenhagen zu kommen, wenn ich das nächste Mal in Europa sein würde.
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