Als ich im November 2001 in Lüneburg war, begann ich eigentlich mit meiner Arbeit in Deutschland. Bis dahin hatte ich Deutschland nur ohne Arbeit besucht. Als ein Freund meiner Gastgeber mich fragte, ob ich ihr mit ihren Rückenschmerzen helfen könnte, gab ich meine erste Heilsitzung in Deutschland. Ich erklärte ihr ein paar Übungen, gab Heilung, wie ich das in der Zeit tat und begann so mit meiner Arbeit. Diese Tage sehe ich als den Anfang meiner Arbeit in Deutschland an.
In dem Jahr hatte ich noch eine Angewohnheit, die ich schon seit vielen Jahren hatte. Jeden Tag, vor dem Ins-Bett-gehen drank ich ein Glas Milch. Die Frau meines Freundes, der ich davon erzählte, begann, die Milch für mich und ihren 5 Jahre alten Sohn aufzuwärmen und mischte Kakao-Pulver in die Milch, die damit zu einem leckeren, süßen Getränk wurde. Sie hat sich gut um mich gekümmert.
Als ich dort war, sagte ich zu meinem neuen Freund, jetzt bin ich hier in deinem Haus und würde dich gerne einladen, uns in meinem Ashram in Vrindavan zu besuchen. Mein Freund fragte, wann ich denn nach Indien zurückfliegen würde. Ich gab ihm das Datum, das eine Woche oder zehn Tage später war. Er fragte mich, mit welcher Fluglinie ich fliegen würde und ich erklärte ihm meinen Reiseplan. Ich würde mit Virgin Atlantic von Hamburg nach London und dann von London nach Delhi fliegen.
Er schrieb sich das Datum, die Zeit und die Flugnummer auf und erzählte mir, er würde mich gleich begleiten, wenn er einen Platz im gleichen Flugzeug bekäme. Ich war überrascht, aber auch sehr glücklich. Er rief sein Reisebüro an, sagte, dass er ein Ticket für genau den selben Flug haben wollte und erfuhr, dass noch genau ein Platz frei war! Er buchte gleich und sagte mir, dass wir gemeinsam nach Indien fliegen würden!
Zu der Zeit schien mir diese spontane Aktion vollkommen normal, doch wenn ich jetzt daran denke und darüber schreibe, finde ich, dass es wirklich außergewöhnlich war. Er ist ein Arzt, immer sehr beschäftigt und dazu noch Deutscher! Die Menschen in Deutschland planen alles immer lange vorher und entscheiden solche Dinge normalerweise nicht spontan. Es war wirklich großartig.
Vor dem Flug ging ich noch für ein paar Tage zurück nach Itzehoe. Von dort rief ich meine Familie an und sagte meinen Brüdern, dass ich meinen Freund mit nach Indien bringen würde. Natürlich freuten sie sich auch sehr darüber. Deutschland wurde nun langsam kalt und ich freute mich wirklich darauf, zurück nach Indien zu kommen.
Als ich das Haus in Itzehoe verließ, schloß ich die Wohnung ab und ging, wie mit meinem indischen Freund besprochen, die Straße hinunter zu einem seiner Freunde, gab ihm den Schlüssel und machte mich auf den Weg nach Hamburg, um zusammen mit meinem spontanen deutschen Freund nach London zu fliegen.
In London hatten wir mehrere Stunden Aufenthalt und ich hatte eigentlich geplant, in der Zeit die indische Familie zu besuchen, bei der ich zuvor gewohnt hatte. Als wir in London ankamen, bemerkte ich aber, dass mein Visum für Großbritannien bereits abgelaufen war und dass ich im Flughafen auf den Anschlussflug warten musste. Mein indischer Gastgeber stand jedoch bereits vor dem Flughafen und wartete auf mich! Was sollten wir also tun?
Ich erklärte meinem deutschen Freund meinen Plan und so ging er hinaus und traf dort meinen indischen Freund, mit dem ich aus dem Flughafen heraus telefonierte. Zusammen fuhren sie mit dem Auto zu der indischen Familie nach Hause und packten dort ein komplettes indisches Abendessen in Taschen. Mein deutscher Freund wurde dann, völlig erstaunt und erfreut über diese kleine Episode, wieder am Flughafen abgesetzt. Und so genossen wir schließlich Reis, Gemüse, Dal und sogar Chapatis, indische Fladenbrote, am Flughafen London Heathrow.
Als unser Flugzeug schließlich bereit stand, stiegen wir ein und landeten nach ein paar Stunden Flug am 22. November 2001 sicher in Delhi.
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