Der Tag, an dem wir beinahe betrogen wurden – 23 Sep 12

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Nach meiner erfolgreichen Knieoperation im Jahr 2004 war es klar, dass es etwas Zeit dauern und körperlicher Betätigung bedürfen würde, die Muskeln um das Knie wieder aufzubauen. Während ich noch im Krankenhaus war, hatten sich meine Brüder bereits über Physiotherapeuten in Vrindavan informiert, die auch in den Ashram kommen könnten, weil ich am Anfang nicht in der Lage sein würde, zur Krankengymnsastik irgendwohin zu gehen. Im örtlichen Krankenhaus wurde ihnen eine Frau vorgestellt, einer Physiotherapeutin, die freudig zustimmte, zu Beginn zur Therapie in den Ashram zu kommen und später im Krankenhaus weiterzumachen.

In den ersten Sitzungen zeigte sie mir nicht allzuviel, nur einige kleine Bewegungen, doch bald wurde es immer mehr, so dass ich fühlen konnte, wie sehr es meine Muskeln anstrengte, wieder zu arbeiten. Natürlich kommt man auch ins Gespräch mit jemandem, wenn man so viel Zeit mit ihm verbringt, wie mit einem Phyiotherapist. Es ist nicht so unterhaltsam, die Übungen still zu machen und so fragte sie mich zu meiner Familie, Arbeit und mehr. Ich erholte mich gut und machte auch gute Fortschritte. Ich spürte mein Bein wieder ordentlich arbeiten und so machte mir die Physiotherapie Spaß. Einige Leute kamen in dieser Zeit der Erholung zu Besuch und meine Schwester und Eltern kamen auch oft in den Ashram, weil ich ja nicht in unserer Stadthaus kommen konnte. Manchmal brachte meine Schwester auch Essen von zu Hause mit und manchmal kam meine Mutter und kochte hier.

Eines Tages, nach meiner Physiotherapie-Stunde, bat mich meine Physiotherapeutin um Hilfe. Meine Brüder waren auch dabei und sie erzählte uns, dass sie zu der Zeit in einer schwierigen Situation war, dass jemand in ihrer Familie sehr krank war und sie sich etwas Geld leihen müsste. Es wäre kein riesiger Betrag, 10000 Rupien, also etwa 200 US-Dollar, und sie würde es bald wieder zurückgeben.

Sie war mit ihrer Arbeit recht zuverlässig gewesen und war schließlich auch Physiotherapeutin, also hatte sie eine ordentliche Arbeitsstelle und keine schlechte, das in einem bekannten Krankenhaus mit gutem Ruf. Wir wollten auhc jemandem helfen, der die Hilfe benötigte und so stellte ich einen Scheck aus und gab ihn ihr. Sie war sehr dankbar und ging.

Am gleichen Tag, nur einige Stunden später, kam einer unserer ehemaligen Nachbarn vorbei und wir kamen ins Gespräch. Ich erzählte ihm von der Operation und auch von der Physiotherapie. Als ich ihm den Namen meiner Physiotherapeutin sagte, runzelte er die Stirn. Ich fragte warum das so sei und fügte hinzu, dass sie ihre Arbeit sehr gut machte und er antwortete ‚Ihre Arbeit mag ja sehr gut sein, aber ich weiß, dass sie eine Betrügerin ist – sie bittet Leute, ihr Geld zu leihen und gibt es nie zurück!‘

Ihr könnt euch vorstellen, dass uns diese Information schockierte. Wir hatten ihr gerade eben erst einen Scheck über 10000 Rupien gegeben! Jetzt erfuhren wir, dass so viele Leute von ihr betrogen worden waren und niemand je sein Geld wiedergesehen hatte!

Wir waren heilfroh darüber, dass wir ihr einen Scheck gegeben hatten und kein Bargeld und so ging mein Bruder gleich zur Bank, um den Scheck sperren zu lassen. Doch wir mussten noch mit ihr sprechen! Was würde sie denken, wenn sie zur Bank käme und dort für den Scheck kein Geld bekäme? Und konnten wir wirklich jemanden ‚Betrüger‘ nennen, wenn wir nur davon gehört hatten? Das erschien uns auch nicht ganz richtig! Schließlich war ich mit ihrer Arbeit auch sehr zufrieden gewesen!

Wir beschlossen also, es anders zu handhaben und als sie wieder zur Physiotherapie kam, bat ich sie, den Scheck zurückzugeben, weil wir beschlossen hatten, dass wir ihr das Geld nicht geben konnten. Nur mit diesen Worten verstand sie, dass uns ihr Ruf erreicht hatte. Sie zog den Scheck aus der Tasche und gab ihn mir. Dabei erwähnte sie, dass sie das Geld in ein paar Tagen zurückgegeben hätte, aber wir wollten nicht weiter ins Detail gehen.

Natürlich waren unsere Physiotherapie-Stunden nach diesem Vorfall nicht mehr ganz so entspannt und da ich nun schon wusste, was zu tun war, sagte ich ihr, sie müsste nicht mehr kommen. Ich war recht fit, stark – und natürlich froh, dass ich die 10000 Rupien nicht verloren hatte!

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