Der Tag, als mein Stolz verletzt wurde und ich Geld ein bisschen besser verstand – 22 Apr 12

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Während ich im Dezember 2003 in Neuseeland von Ort zu Ort reiste, machte ich die ganze Zeit neue Bekanntschaften und kam in viele Städte, an deren Namen ich mich schon gar nicht mehr erinnere. Ich möchte euch von einem Vorfall in einer dieser Städte erzählen.

Wie üblich gab ich Heilsitzungen und Beratungen. Es waren individuelle Sitzungen und ich hatte keinen Preis dafür festgelegt. Stattdessen konnten die Leute eine Spende eines beliebigen Betrags machen. Mein Prinzip war, dass ich das Geld der Heilsitzungen nie für mich selbst verwendete, sondern, dass es für Wohltätigkeitsprojekte verwendet werden sollte. Ich lebte von dem Geld, das ich für Vorträge, Seminare und ähnliches bekam. So stand also vor dem Beratungsraum ein Tisch mit einer Spendenschüssel, in die man nach einer Sitzung Geld werfen konnte.

Ich hieß die Leute im vorderen Raum willkommen und ging dann zusammen mit ihnen in den Beratungsraum. Nachdem wir mit der Sitzung fertig waren, gingen wir zusammen raus und ich begrüßte die nächste Person. Auf die gleiche Weise kam ich nach einer Sitzung heraus und die Frau, die bei mir gewesen war, nahm einen fünf-Dollar-Schein heraus und legte ihn in die Schüssel. Nach einer kurzen Verabschiedung begrüßte ich die nächste Frau, die bereits da war und gewartet hatte und die gesehen hatte, wie die vorige Dame gespendet hatte. Mein Gastgeber war ebenfalls im Raum. Ich ging für die Sitzung mit ihr nach nebenan.

Nach etwa einer halben Stunde war die Sitzung vorbei und wir kamen zusammen nach draußen. Sie öffnete ihren Geldbeutel, nahm 20 Dollar heraus und anstatt sie wie jeder andere in die Schüssel zu legen, drehte sie sich zu mir, gab mir den Schein in die Hand und sagte ‚Ich denke, das ist genug für dich‘. Ich sah sie geschockt an. Was war das? Ich fühlte mich sofort schlecht und konntees nicht verhindern, dass mir Tränen in die Augen stiegen. Ich fragte sie ‚Was sagst du da? Ich bin kein Bettler! Ich lebe nicht von diesem Geld, es ist für Wohltätigkeit. Ich habe genug Geld zum überleben, keine Sorge!’ und gab ihr den Schein zurück. Sie, überrascht von meiner Reaktion und vielleicht auch mit einem besseren Verständnis dessen, was sie gesagt hatte, drängte mich, das Geld doch zu nehmen, aber ich nahm es nicht mehr an.

Gleich nach ihr hatte niemand einen Termin und so hatte ich Zeit, mich hinzusetzen und meine Gefühle zu betrachten. Ich fühlte mich sehr schlecht nach diesem Vorfall. Sie hatte gesehen, dass die andere Frau fünf Dollar in die Spendenschüssel gelegt hatte und prahlte mit ihrer Großzügigkeit – sie gab mir 20 Dollar in die Hand, damit ich das auch merkte. Irgendwie hatte das auch meinen Stolz verletzt und als ich mit meinem Gastgeber über den Vorfall sprach, erinnerte ich mich an etwas, was einer meiner Freunde in Europa gesagt hatte:

“Wenn jemand etwas von dir bekommt und du demjenigen sagst, er solle etwas spenden, so viel er möchte, verwirrt es ihn. Im Westen sind wir daran nicht gewöhnt, vielleicht ist das anders in Indien. Die Leute denken dann darüber nach, wie viel sie geben sollen. 5? 20? Ich respektiere dein Gefühl, dass du dieses Geld nicht für dich verwenden willst und sagst, dass es keinen festen Preis gibt. Der, der gibt, der deine Zeit in Anspruch genommen hat und sich gut fühlt, ist verwirrt. Wenn du den Preis festlegst, kann derjenige entscheiden, ob er eine Sitzung zu dem Preis möchte oder nicht und hinterher gibt es keine Verwirrung‘.

Mein Freund hatte mit mir über die Verwirrung der Menschen gesprochen, aber ich hatte es abgelehnt, einen Preis festzulegen, weil ich wollte, dass sich jeder eine Sitzung mit mir leisten konnte. Ich erzählte meinem Gastgeber von dieser Unterhaltung und er stimmte mir zu, dass ich, wenn ich dem Rat meines Freundes gefolgt wäre, mich in diesem Moment nicht so schlecht fühlen würde.

Mein Gastgeber ermutigte mich dazu, jetzt diesen Schritt zu machen. Ich war jetzt im Westen und musste mich anpassen, ansonsten würde so etwas wieder geschehen und ich würde mich wieder schlecht fühlen.

Seitdem habe ich beschlossen, dass es für meine Sitzungen und die Zeit, die ich darauf verwende, einen Preis gibt. Wir legten einen Preis fest und ich fügte hinzu ‚Ich verkaufe hier nichts. Wenn jemand nicht das Geld hat und sich keine Sitzung leisten kann, kann derjenige zu mir kommen, ich habe noch nie jemanden abgewiesen. Wenn ich demjenigen auf irgendeine Weise helfen kann, werde ich nicht nein sagen.‘ Wenn jemand ganz ohne Geld kommen würde, würde ich das auch akzeptieren.

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