Nach einigen Reisen und den paar Programmen, die ich 2002 in Indien hatte, kam ich zum Lichterfest, für Diwali, wieder zurück nach Vrindavan. Genau wie Weihnachten in christlichen Ländern ist das das Fest der Familie in Indien. Im Jahr zuvor war ich in Itzehoe, in Deutschland, allein gewesen und weil ich mich noch gut erinnerte, wie ich ganz allein in der Wohnung war und Heimweh hatte, hatte ich es in dem Jahr anders geplant. Es war wundervoll, zusammen mit der Familie zu feiern und wir hatten ein sehr schönes, liebevolles Fest.
Nach den festlichen Tagen war ich bereit, Indien wieder zu verlassen. Während meiner London-Reise im Frühling hatte ich eine Einladung nach Trinidad, in die Karibik, bekommen und wir hatten das Programm dort auf November 2002 gelegt.
Ich musste nicht viel vorbereiten. Damals reiste ich immer mit einem Hartschalen-Koffer. Ich habe diesen Koffer heute noch und benutze ihn auch noch. 2002 hatte ich diesen Koffer immer zum Reisen bereit. Meine Kleidung und alles, was ich brauchte, wie das Zubehör für die Zeremonien, war in meinem Koffer. Ich öffnete ihn normalerweise gar nicht, wenn ich in Vrindavan war. Ob ich also für nur zwei Wochen wegfuhr oder für mehrere Monate, ich musste nur meinen Koffer in die Hand nehmen und losfahren. Ich war also immer bereit, selbst wenn ich kurzfristig beschloss, auf Reisen zu gehen.
Die Reise nach Trinidad war schon eine ganze Weile lang geplant gewesen und ich freute mich darauf, einen weiteren Ort zu sehen, an dem ich noch nicht gewesen war. Der Flug ging von Delhi nach London und übernachtete dort bei Freunden. Am nächsten Tag setzten sie mich am Flughafen ab, aber leider ging die Reise dann nicht einfach weiter. Ich war auf einen langen Flug von Großbritannien nach Trinidad vorbereitet, aber nicht auf die acht Stunden Verspätung! Ich erinnere mich gut daran, wie ich die Zeit in den weitläufigen Gebäuden des Flughafens Heathrow verbrachte! Schließlich kam ich jedoch in Trinidad an, nur um dort zu erfahren, dass mein Gepäck nicht mit mir angekommen war. Ich war nicht der einzige, viele Menschen hatten ihren Koffer noch nicht bekommen und wir mussten einige Formulare ausfüllen, um sie nachgeschickt zu bekommen.
Ich wurde vom Organisator meines Programms abgeholt, der schon eine geraume Weile lang am Flughafen auf mich hatte warten müssen. Wir fuhren im Auto zu dem Haus, in dem er und seine Frau lebten. Auf der relativ kurzen Fahrt erzählte er mir etwas mehr über das Land Trinidad und die Menschen dort. Ich erfuhr, dass die Vorfahren seiner Familie von Indien nach Trinidad gekommen waren. Beide Länder waren britische Kolonien und viele Inder kamen damals in die Karibik, um dort auf den Zuckerrohr-Plantagen zu arbeiten. So kam es, dass 2002 in etwa die Hälfte der Bevölkerung Inder waren – oder eigentlich Einwohner Trinidads mit indischen Wurzeln. In der Politik waren sie natürlich stark vertreten, einige hatten erfolgreiche Geschäfte aufgebaut und sie hatten in der Entwicklung des Landes eine große Rolle gespielt.
Auf dem Weg zu seinem Haus, sah ich Plakate mit Werbung für mein Programm und so fragte ich ihn auch, wann der erste Vortrag sein würde. Dieser war bereits auf den Abend des gleichen Tages gelegt. Ich war mit der Verspätung des Fluges um einiges später angekommen als geplant und so hatte ich nur ein paar Stunden, bis wir zu dem Veranstaltungsort gehen müssten, wo das Programm stattfinden würde.
Mein Organisator erzählte mir, dass er recht viel Werbung gemacht hatte und dass der örtliche Radiosender da sein würde, um den Vortrag zu übertragen. Da Trinidad kein sehr großes Land war, bedeutete das, dass nicht nur die Leute mich hören würden, die dort anwesend waren, sondern das ganze Land. Er erzählte mir, dass er in der indischen Gemeinschaft Werbung gemacht hatte und fügte nebenbei hinzu ‚Aber natürlich ist der Vortrag auf Englisch‘.
Ich sah ihn überrascht an. Als er meinen Gesichtsausdruck sah, fragte er mich, was denn los sei. Ich sagte ihm ‚Aber ich spreche kein Englisch!‘ Nun war er überrascht. ‚Aber hier versteht kein Mensch Hindi! Wir haben indische Wurzeln, aber jeder spricht hier nur Englisch! Ich spreche nur Hindi, weil ich 20 Jahre lang bei Indern in London gelebt habe!‘
Ich war geschockt!
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