Akzeptieren des Todes und letzter Abschied von meinem Großvater – 24 Jul 11

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Nachdem wir im Januar 2002 daheim angekommen waren, verbrachten wir etwas Zeit zu Hause mit der Familie. Mein Großvater und meine Großmutter waren zu Besuch da. In den letzten Jahren, seit meiner Zeit in der Höhle, hatten sie viel Zeit mit uns in Vrindavan verbracht. Sie hatten ein Haus in einer anderen Stadt, ungefähr 500 Kilometer von Vrindavan entfernt, aber weil meine Mutter ihr einziges Kind war, verbrachten sie gerne einen Großteil ihrer Zeit mit uns.

Nach etwas Zeit mit der Familie verließen wir Vrindavan Anfang Februar wieder, um in Indore, Madhya Pradesh, in Zentralindien, ein Programm abzuhalten. Es war ein traditionelles, neun Tage langes Programm mit zwei Vorträgen zu den Schriften pro Tag. Yashendu sollte den Vortrag am Morgen halten, während ich am Abend sprechen würde. Wir hatten unsere Musikgruppe dabei und kamen alle zusammen in Indore an.

Am zweiten Tag des Programms rief uns Purnendu aus Vrindavan an. Er sagte, dass unser Großvater ernsthaft krank war und sie ihn ins Krankenhaus gebracht haben. Er meinte, er könnte seinen Körper jederzeit verlassen, seine Situation sei sehr kritisch. Es wäre besser, wir kämen so bald wie möglich zurück.

Mit dieser Nachricht suchten wir sofort nach der schnellsten Möglichkeit, nach Hause zu kommen. In den nächsten Stunden gab es keine Flüge oder schnellen Züge und so beschlossen wir, es wäre am schnellsten, wenn wir ein Taxi nehmen. Wir sagten das Programm ab, entschuldigten uns bei den Organisatoren, die den Notfall natürlich verstanden, und fuhren los nach Vrindavan.

Auf dem Weg rief uns Purnendu immer wieder an, um uns auf dem Laufenden zu halten. Wir beteten ohne Unterlass, dass unser Großvater noch etwas leben möge, so dass wir ihn zumindest noch einmal sehen könnten.

Wir kamen schließlich in Vrindavan an und fuhren natürlich gleich zum Krankenhaus. Unser Großvater war bewusstlos, als wir dort ankamen, aber am Leben. Ich sprach mit den Ärzten und sie sagten, er war alt und würde bald gehen. Es war keine Krankheit, nur das Alter. Sie sagten, er könnte uns in den nächsten Stunden oder den nächsten Tagen verlassen. Genau könne das niemand sagen.

Nach einer Weile gingen wir zum Ashram, um den Rest der Familie zu sehen und nach der Reise etwas Schlaf zu bekommen. Wir hatten uns sehr beeilt, zurückzukommen, um ihn noch einmal zu sehen, aber er beeilte sich überhaupt nicht damit, diese Welt zu verlassen. In den nächsten Tagen wurde es uns zur Gewohnheit, mehrere Stunden täglich im Krankenhaus zu verbringen und an seiner Seite zu sitzen, so dass jemand aus der Familie da war, immer, wenn er aus seiner Ohnmacht ausfwachte. Und das tat er zwischendurch immer wieder, lächelte uns an, sah uns an und wir hatten das Gefühl, dass er uns erkannte. So konnten wir uns von ihm verabschieden.

Wir hatten auch seine Brüder informiert und sie kamen in den nächsten Tagen und setzten sich zu uns. Nach sechs Tagen, am 13. Februar 2002, verließ er schließlich seinen Körper im Kreis seiner Familie.

Er war eine großartige Person gewesen. Er hat sein Leben nach seinen Prinzipien gelebt, ein ehrliches Leben. Da meine Mutter ein Einzelkind war, waren ich und meine Geschwister seine einzigen Enkel. Ich, der erste Enkel, stand ihm seit meiner Geburt sehr nahe. In den Achtzigern ging er in Rente und danach kamen er und unsere Großmutter uns oft in Vrindavan besuchen.

Mein erstes Einkommen widmete ich ihm. Nach dem ersten Programm, das ich allein, also nicht in Begleitung meines Vaters hielt, kam ich zurück nach Hause. Ich hatte 500 Rupien verdient und gab sie ihm als Zeichen der Liebe und des Respekts.

Wann auch immer es in den darauffolgenden Jahren mögich war, begleitete er mich zu meinen Programmen. Ich reiste sowieso mit meiner Gruppe von zehn oder fünfzehn Menschen und er schloss sich uns einfach an. Er hörte meinen Vorträgen gerne zu und ich war stolz darauf, ihn unter den Zuhörern zu haben.

Als ich in die Höhle ging, rasierte ich meinen Kopf und auch da schloss er sich mir an und rasierte auch sein Haar ab. Als ich mich die nächsten drei Jahre und 108 Tage in der Höhle nicht rasierte, tat er das auch nicht und als ich herauskam, hatte er lange Haare und einen langen Bart, genau wie ich.

Ich begleitete ihn oft zum Bahnhof, wenn er zurück nach Hause fuhr und ich erinnere mich, dass ich beim Abschied oft weinte und ihn bat, bald wiederzukommen. Dieses Mal, als er die Welt verließ, ohne versprechen zu können, dass er bald wieder da wäre, waren meine Augen trocken und tränenleer. Die ganze Familie weinte und obwohl er die mir am nächsten stehende Person war, die ich jemals habe sterben sehen, konnte ich nicht weinen.

Es hatte schon früher Todesfälle gegeben, bei denen ich auch nicht einer von denen war, die weinten. Ich konnte weinen, als mein Großvater nach Hause ging, um später wiederzukommen. Jetzt aber, mit dem Wissen, dass er nicht wiederkommen würde, konnte ich nicht weinen, sondern akzeptierte das nur. Er hat sein Leben gelebt und hatte einen schmerzlosen Tod. Ich war traurig, hatte aber die Wirklichkeit des Todes in meinem Leben akzeptiert.

Wir organisierten die Verbrennung und viele Verwandte und Freunde kamen, um daran teilzunehmen. Als religiöse Familie gab es für uns viele Zeremonien und Rituale für die Verbrennung und für die folgenden 13 Tage. Wir hielten sie alle ab, mit viel Liebe für seine Seele.

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