Viele Leute kamen für die Zeremonien zum Haus meiner Gastgeber und nach einem Treffen dort hatten mehrere den Wunsch, auch bei ihnen zu Hause einige Rituale durchzuführen. Auf diese Weise war ich 2001 in London bei mehreren Leuten zu Hause und in Verbindung mit einem dieser Besuche ist etwas geschehen, das mir gezeigt hat, dass es auch im Westen solche Scharlatane und Magier gibt, wie ich sie aus Indien kannte.
Seit meinem Besuch in Thailand habe ich meine Email-Adresse verwendet, um mit meiner Familie in Verbindung zu bleiben und hatte diese auch meinen Organisatoren in London gegeben. Sie stand auch auf der Visitenkarte, die wir damals, im Herbst 2001 hatten drucken lassen. Und so habe ich auch regelmäßig nachgesehen und eines Tages in meinem Posteingang die Email einer Frau gefunden, die mich von meinen Vorträgen und Zeremonien in London kannte, die aber ihre Identität nicht preisgeben wollte. Sie erwähnte nur, dass sie eine verheiratete indische Frau mit Kind war. Sie hatte sich vor Kurzem in einen anderen Mann verliebt, war aber mit beiden Männern in ihrem Leben nicht vollkommen glücklich. Kurz gefasst schrieb sie in etwa das Folgende:
„Swami Ji, bitte rette mein Leben. Ich glaube, dass du der Einzige bist, der das kann. Etwas Schreckliches geschieht mit mir. Ich weiß, dass ich selbst Fehler gemacht habe. Ich hatte Angst, dass der Mann, in den ich mich verliebt habe, zu einer anderen Frau gehen könnte. Als ich in einer Zeitung Werbung für Liebeszauber sah, rief ich bei der Nummer an und traf mich mit dem Mann, der die Zaubersprüche anbot. Wir machten einen Vertrag und ich zahlte ihm die erste Rate für einen Liebeszauber.“
Sie bekam die folgenden Anweisungen: Nimm ein Tuch, voll mit dem Blut deiner eigenen Menstruation und verbrenne es zu Asche. Nimm Kräuter mit besonderen Kräften, die sie von ihm bekommen sollte, und mische sie in die Asche. Mische die Asche in das Essen des Mannes, den du in deinen Bann bringen willst und lass es ihn essen. Wiederhole das sieben Mal.
Jedes Mal, wenn sie die Kräuter abholte, musste sie ihm eine weitere Rate zahlen. Viermal hatte sie das bereits getan, dreimal sollte sie es noch tun. Nachdem sie es zweimal getan hatte, fühlte sie sich jedoch nicht mehr gut damit. Ihre Gesundheit verschlechterte sich, sie bekam finanzielle Probleme und die Beziehung mit beiden, ihrem Mann und ihrem Freund, verschlechterte sich auch. Sie fühlte sich schuldig, aber gleichzeitig hatte sie Angst, wenn sie aufhören würde, könnte ihr etwas schlimmes passieren, der Mann könnte sie verfluchen oder der Zauber könnte sich negativ auf sie selbst auswirken, da er nicht vollständig ausgeführt worden war.
Mein Englisch war, wie ihr wisst, zu der Zeit nicht wirklich gut und so benötigte ich die Hilfe deiner englischsprachigen Person, um mir die genaue Bedeutung ihrer Worte in Hindi zu übersetzen. Als ich ihre Geschichte schließlich verstand, war ich geschockt, dass so etwas auch in London passieren konnte. Ich wusste, dass solche Scharlatane durch kleine Dörfer in Indien reisen, wo die Menschen noch abergläubisch sind und sich einfach von solchen Maschen betrügen lassen. Ich war neu im Westen und hatte mir nicht vorstellen können, dass es auch dort solche Betrüger gab und natürlich auch Menschen, die daran glauben. Mein Freund, der mir beim Übersetzen der Mail geholfen hat, erklärte mir, dass das in London auch sehr oft geschieht.
Wie ich euch bereits erzählt habe, freute ich mich, dass die Inder in London ihre Traditionen und religiösen Rituale selbst im fremden Land beibehalten hatten. Jetzt jedoch sah ich, dass sie auch den Aberglauben der Stammeszeiten mitgenommen hatten.
Ich schrieb ihr eine kurze Antwort und sagte ihr, dass ich ihr sehr gerne helfen würde und dass sie kommen könnte und wir uns unterhalten könnten. Sie antwortete in einer weiteren Mail, dass sie sich schuldig fühlte und schämte und sie sich deswegen nicht offen mit mir treffen konnte. Ich erklärte ihr schriftlich, dass ich in dem Fall keine Ahnung hatte, wie ich ihr helfen sollte. Ich täte das gerne, aber es war nicht möglich, da ich sogar beim Lesen und Schreiben Hilfe benötigte. In einer letzten Mail antwortete sie mir, dass sie sich wünschte, sie hätte den Mut, sich mit mir zu treffen, es jetzt aber noch nicht könnte.
Wir schrieben uns keine weiteren Emails, aber ich hatte die Geschichte der Frau noch die nächsten Tage lang im Kopf und wusste, dass sie irgendwo in der Nähe war. Eines Tages saß ich im Auto, auf dem Weg nach Hause von einem anderen Haus, in dem ich Vorträge gegeben hatte und eine Zeremonie gehalten hatte. Hinten saßen zwei Frauen und eine von ihnen fragte mich auf dem Weg, ob ich nicht einmal auch zu ihr nach Hause kommen würde, um das Haus und die Familie zu segnen. Ich drehte mich zu ihr um und sagte ‚Bis jetzt hast du nur Emails geschrieben und hattest mich nicht eingeladen.‘ Ich konnte sehen, dass sie überrascht und etwas schockiert war. Es saßen noch mehr Leute im Auto, also unterhielten wir uns nicht weiter, aber sie war ganz offensichtlich verblüfft, dass ich herausgefunden hatte, dass sie die Frau war, die mir geschrieben hatte. Vielleicht dachte sie, dass ich die Macht hatte, sie zu erkennen oder ihre Gedanken zu lesen. Sie wollte mich so sehen. Es kam ihr nicht in den Sinn, dass ich es vielleicht erraten haben könnte, als ich ihr Verhalten betrachtete und ein bestimmtes Gefühl bekam, als ich ihr zuhörte und ihr Interesse bemerkte.
Als wir etwas später ein paar ruhige Minuten allein hatten, sagte sie „Jetzt weißt du, wer dir geschrieben hat. Ich hatte keine andere Wahl. Bitte komm zu mir nach Hause.“ Und ich stimmte zu.
Ich ging sie an einem Samstag besuchen. Sie erzählte mir noch mehr Einzelheiten, zum Beispiel, dass sie auch versucht hatte, über eine Hotline bei einem Medium Hilfe zu bekommen. Diese Hotlines kosten pro Minute recht viel und deshalb lassen sie dich so lange reden, wie du willst, geben dir aber nie eine Lösung für dein Problem. Sie hatte auf diese Weise viel Geld ausgegeben, da sie mehrere Male 20-minütige Gespräche geführt hatte.
Ich war damals auch schon nicht abergläubisch, war aber eine religiöse Person. Ich sagte zu ihr, dass sie einen Ehemann und ein Kind hatte, eine Familie, um die sie sich kümmern sollte. Sie sollte dieses Ritual nicht mehr weitermachen und diesen Mann auch nicht mehr aufsuchen. Es würde nicht passieren. Ich riet ihr auch dazu, ein Ritual zu tun: jeden Samstag, von diesem Tag an, sollte sie die Hanuman Chalisa 108 Mal rezitieren. Das ist ein bekanntes Gebet, das jeder Hindu in Indien schon als Kind auswendig lernt. Samstag wird der Tag Hanumans genannt, also schlug ich ihr vor, es einmal pro Woche am Samstag zu lernen, um wieder Frieden in ihr Herz zu bekommen.
Am nächsten Tag sagte sie mir, dass sie das getan hatte und sich gut fühlte. Bei meinem nächsten Besuch in London, einige Monate später, erzählte sie mir, dass sie sehr glücklich und zufrieden war. Ich erfuhr, dass sie ihre Affäre beendet hatte und jetzt mit ihrem Ehemann und ihren Kindern glücklich war.
Sie glaubte wirklich, dass alles Schlechte, dass ihr widerfahren war, auf diesen Zauberspruch zurückzuführen war. Einerseits wollte sie ihren Freund kontrollieren, andererseits fühlte sie sich aber auch schuldig, dass sie die Asche in sein Essen mischte und dieses Ritual durchführte. Sie wusste, dass das nicht gut war und glaubte, dass sie für ihre Handlungen bestraft wurde. Als sie begann, das Gebet zu sprechen, half ihr Hanuman, das alles loszuwerden. Sie glaubte daran.
Ich war Priester und Guru, eine religiöse Person und so glaubte sie, dass ich wüsste, was zu tun sei. Ich glaubte nicht an Zaubersprüche, aber ich glaubte an die Hanuman Chalisa und ihre Kraft, dachte, dass jedes Problem dadurch verschwinden würde. Ich hatte die Hanuman Chalisa selbst mein ganzes Leben lang rezitiert und glaubte, dass sie auch mir viel geholfen hatte.
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