Ich habe bereits erzählt, dass ich in der Zeit in London, im Oktober 2001, im Haus meines Freundes, bei dem ich wohnte, viele Menschen traf und einige von ihnen mich zu sich nach Hause einluden, um auch dort Rituale und Pooja Zeremonien abzuhalten und Vorträge zu halten. Auf diese Weise lernte ich einen Mann und seine Familie kennen, die mich für Navratri einluden, eine religiöse Feier von neun Tagen, in denen Hindus die Göttinnen verehren. Ich nahm die Einladung dankend an und so holten sie mich täglich bei meinem Freund ab und brachten mich nach drei oder vier Stunden wieder zurück.
Es war eine religiöse Familie und der Hauptgrund, mich einzuladen, war auch ein Grund zur Freude: die Frau des Hauses war schwanger, bereits im 8. Monat. Gläubige Hindus veranstalten besonders in der Zeit der Schwangerschaft gerne spirituelle und religiöse Zeremonien. Es bring Glück, man betet für eine gute Schwangerschaft und Geburt und für ein gesundes Baby.
Eines Tages kam die zukünftige Großmutter zu mir, als ich gerade nicht mit einem Ritual beschäftigt war und mit niemandem anderen ein Gespräch führte. Sie erzählte mir, was sie beschäftigte. Ihr Sohn hatte das Geschlecht ihres Enkels erfahren, wollte es ihr aber nicht sagen! Sie kam also zu mir und fragte mich, was ich denn meinte: ‚Wird es ein Junge oder ein Mädchen?‘ Ihr wundert euch vielleicht, warum sie mich das fragte, woher ich das wissen sollte? Ich wurde in der Zeit als heiliger Mann gesehen. Als religiöse Frau, glaubte sie ganz natürlich daran, dass ich diese Frage beantworten könnte.
In der Tat glaubte ich das selbst auch! Ich war mir sicher, dass ich ihr das Geschlecht ihres ungeborenen Enkels ohne jegliche Ultraschallbilder sagen könnte. Ich hatte vedische Astrologie studiert und kannte eine Technik, mit der man jede Art von Frage beantworten kann, indem man sich das ‚Horoskop‘ dieser Frage ansah. Es hat etwas mit der Zeit zu tun, wann diese Frage gestellt wurde. Das wird als die Zeit angesehen, zu der die Frage ‚geboren‘ wurde. Ich beantwortete regelmäßig solche Fragen und hatte darin viel Erfahrung. Ich nahm die Frage, erstellte ein Horoskop, sah mir noch einige weitere Anhaltspunkte an und kam dann zu einem Schluss, den ich als meine Antwort mitteilte. Und so war ich mir sicher: dieses Baby war ein Junge.
Die zukünftige Großmutter war sehr glücklich, dass sie es jetzt auch wusste. Natürlich beschloss sie, ihrem Sohn davon nichts zu erzählen. Er hatte ihr schließlich auch nicht gesagt, was der Arzt ihm mitgeteilt hatte, warum sollte sie ihm denn sagen, was ich ihr mitgeteilt habe?
Einen Monat später, als ich bereits weitergereist war, bekam ich einen Anruf von dem Mann, der zu meinem Freund geworden war und immer noch ist. Er erzählte mir, dass seine Frau einen gesunden Jungen zur Welt gebracht hatte. Ich freute mich natürlich sehr für sie und fühlte mich wieder einmal in meiner Berechnung bestätigt.
Das war mein Leben. Das war es, was ich damals tat. Die Menschen stellten mir solche Fragen und sie und auch ich glaubten, dass ich sie beantworten könnte. Wieder einmal zeigte die Erfahrung, dass es funktioniert. Heute glaube ich, dass ich Glück gehabt habe. Es war eine 50:50 Chance. Ich glaubte jedoch daran, sie glaubten daran und es funktionierte.
Wieder einmal sehe ich, wie sich das Leben verändert. Ich habe in mir Entwicklung akzeptiert, während ich trotzdem ehrlich blieb. Ich sage es ist nicht falsch, an jemanden oder etwas zu glauben, solange es ein offener und ehrlicher Glaube ist. Es ist in Ordnung. Wenn man jedoch erfährt, dass etwas anderes wahr ist, wenn man herausfindet, dass das, was man macht oder woran man glaubt, falsch ist, nimm das heraus. Du musst dich verändern und bereit sein für die Veränderung. Ich halte mein Fenster offen, so dass neues Licht hereinkommen kann. Ich heiße es willkommen und dazu die Veränderung, die es bringt.
Ich sage immer offen an was ich glaube und an was ich nicht glaube. Ich habe nie an Materialisationen geglaubt, weil ich wusste, dass ich das mit ein paar einfachen Tricks auch selbst tun könnte. Es ist falsch, die Menschen etwas glauben zu machen, an das du selbst nicht glaubst. Es ist falsch, den Menschen zu zeigen, dass man Dinge materialisieren kann, die man schlau in der Hand oder im Ärmel versteckt hält. Anderen ehrlich zu sagen, an was man glaubt und an was nicht, ist es jedoch nicht.
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