Eine häufige und falsche Vorstellung: Meditation ist keine Kontrolle des Verstandes – 9 Mär 15

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Vor einiger Zeit hatten wir eine Besucherin im Ashram, die für einen Ayurveda Yoga Urlaub gekommen war, nicht nur, um für einige ihrer körperlichen Probleme Linderung zu bekommen, sondern auch, um eine Lösung dafür zu finden, dass sie immer wieder recht unglücklich war. Sie wusste bereits, dass das von einem mentalen Problem herrührte. Als ich jedoch mit ihr sprach, war sie mehr als überrascht über meinen Vorschlag, was sie dagegen tun könnte.

Diese Frau hatte eigentlich gedacht, dass sie herkommen würde und hier neben ihrer täglichen Yogastunde und ihrer Massage noch meditieren und dadurch lernen würde, ihren Verstand zu kontrollieren. Ich empfahl ihr eigentlich, das Gegenteil zu tun: lass deinen Verstand frei! Das möchte ich euch gerne erklären.

Viele Leute wissen bereits, dass nicht ihr Äußeres, ihr Umfeld daran schuld ist, wenn sie unglücklich sind. Sie sind sich der Tatsache bewusst, dass es ihr Verstand ist, der sie nicht glücklich sein lässt und nicht ihr Nachbar, ihr Chef, ihr Partner oder ihre Arbeit. Sie haben genug gelesen um zu wissen, dass sie an sich selbst arbeiten und an sich etwas ändern müssen, da sie andere ja sowieso nicht ändern können. Viele Leute denken – und das nicht zu Unrecht – dass Meditation die Lösung ist.

Der Trugschluss ist jedoch, dass man auf diese Weise lernen sollte, seinen Verstand zu kontrollieren.

Ich glaube, dass diese Kombination der Worte an sich zeigt, warum ich sie nicht mag: Kontrolle des Verstands. Kann das etwas Gutes sein? Natürlich nicht für den Verstand einer anderen Person, aber auch nicht für deinen eigenen! Es ist vielerorts eine übliche falsche Wahrnehmung, dass Meditation dazu verwendet wird, den Verstand zu kontrollieren. Das stimmt nicht – Meditation hilft dir, dich zu entspannen. Entspannen, weil du eben diese Kontrolle aufgeben kannst, entspannen, weil du dich in genau diesem Augenblick befindest und dir dessen bewusst bist! Es geht nicht darum, dass du zu jeder Zeit die Kontrolle hast, weil das genau das ist, was die Leute viel zu sehr tun!

Genau das war der Fall mit der Frau, mit der ich sprach: sie dachte über jede Situation nach, die in der Vergangenheit geschehen ist, analysierte sie und versuchte, Schlüsse zu ziehen, die sie über jede mögliche Situation nachdenken ließ, die in der Zukunft auftauchen könnte. Daraufhin versucht sie, die Gegenwart zu beeinflussen und selbst das zu kontrollieren, was andere tun und zwar nach dem, was ihrer Meinung nach wahrscheinlich passieren würde. Das Ergebnis: Leute waren von ihr genervt, sie war unglücklich mit sich selbst und obendrauf war ihr Verstand zu jeder Zeit so wahnsinnig beschäftigt, dass sie langsam aber sicher ernste Probleme mit Stress bekam und am Beginn einer Depression stand.

Sie ist absolut nicht die Einzige in dieser Situation! Wer auch nur ein bisschen ähnlich denkt, den kann ich versichern, dass Meditation helfen kann – aber nicht, indem du deinen Verstand kontrollierst. Ich weiß, du denkst, dass dein Verstand das verursacht, indem er immer wieder in alle möglichen Richtungen abdriftet. Wenn du nun jedoch glaubst, dass du deinen Verstand hieran hindern kannst, indem du dich auf nur eine Sache konzentrierst, liegst du falsch. Das Gegenteil passiert: er wird noch viel öfter auf Wanderschaft gehen!

Dein Verstand kann jedoch ohne deinen Körper nicht existieren. Er wird also zurückkommen, egal wo er hingeht. Du brauchst deinem Verstand nicht dorthin folgen. Bleibe einfach und tue weiter das, was du gerade tust, und es kommt zurück. Wenn du genau das tust, wenn du deinen Verstand freilässt, aber nicht auf ihn achtest, sondern stattdessen auf das achtest, was du tust – sei das Kochen, Tanzen, Arbeiten, Lesen, Laufen oder sonst irgendetwas – wirst du merken, dass dein Verstand sich langsam daran gewöhnt, nicht herumzuwandern!

Mit der Zeit wirst du Freude daran finden, nicht in Kontrolle zu sein, sondern einfach nur das zu tun, was du eben gerade tust. Das ist Meditation: dir dessen bewusst zu sein, was du im dem Augenblick tust. Und das hat nichts mit erzwungener Kontrolle des Verstandes zu tun – nicht einmal, wenn es dein eigener Verstand ist!

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