Heute ist der zehnte Tag von Anna Hazares Kampagne gegen Korruption in Indien. Er fastet immer noch und seine Gesundheit verschlechtert sich. Ärzte sagen, dass seine Nieren vom langen Hungern angegriffen sind. Sie empfehlen, ihn bald in ein Krankenhaus einzuweisen, wenn er seinen Hungerstreik nicht abbricht. Er ist jedoch immer noch voller Hoffnung und will nicht aufgeben. Es ist schön zu sehen, dass ein Richter ihn auch in seinem Kampf unterstützt und erzählt, wie viel Korruption es auch in der Rechtssprechung gibt. Die Regierung hat, nachdem sie in den letzten Tagen etwas weicher geworden ist und einige der Forderungen der Protestierenden angenommen hatte, eine Parlamentarsversammlung mit allen Parteien einberufen. In dieser Versammlung wollte kein Mitglied den Jan Lokpal Gesetzesentwurf von Anna Hazare annehmen. Das scheint ihren Rückhalt gestärkt zu haben und jetzt hören wir, dass die Verhandlungen wieder dort angelangt sind, wo sie angefangen haben.
Das ist eigentlich wirklich verständlich. Warum würde eine Partei, selbst die Oppositionspartei BJP das unterstützen? In der Öffentlichkeit haben sie vor Kurzem noch ihre Unterstützung für Anna Hazares Protest gezeigt, doch in dieser Versammlung der Parteien sagten sie, sie würden dem doch nicht zustimmen. Hazares Team bittet sie jetzt, klarzustellen, wen sie eigentlich unterstützen. Sie werden jedoch keinen Erlass von strengen anti-Korruptions-Gesetzen unterstützen. Auch in ihrer Partei gibt es viele Politiker, die bereits der Korruption angeklagt sind. Man findet keine Partei, in der es keine Korruption gibt!
In dieser Stimmung sah ich zufällig noch eine andere Neuigkeit online, über jemanden, der angeblich das Geld von Steuerzahlern für eigenen Spaß und eigenen Urlaub verwendet: Michelle Obama, die First Lady der USA. Als ich diese Schlagzeile las, war ich überrascht, weil ich nicht erwartet hatte, dass so etwas auch in den USA geschieht. Ich las daraufhin den ganzen Artikel und sah, dass der Autor sehr vorsichtig damit ist, zu sagen, dass sie wirklich öffentliche Gelder für private Zwecke verwendet, dafür aber viel über die Dinge schreibt, die eine Regierung dem Präsidenten und seiner Familie ganz natürlich zahlt. Es werden Flugzeuge der Regierung erwähnt, extra Personal, das auch in dem Hotel unterkommt, in dem sie wohnen und natürlich über das Geld, das für die Sicherheit ihrer Familie ausgegeben wird – Bodyguards, ein höheres Polizei-Aufgebot und einfach überall die Bereitschaft falls irgendetwas passiert.
Als ich das las, musste ich nachdenken: ist das auch Korruption? Können wir Michelle Obama wirklich für die Sicherheit, die sie bekommt beschuldigen? Natürlich bekommt sie mehr Sicherheit, sie ist die Frau des Präsidenten! Wenn sie in der Economy Class von United Airlines fliegt, in einem billigen Bed and Breakfast übernachtet oder ohne Bodyguards auf der Straße spazieren geht, stellt das ein Sicherheitsrisiko dar! Nicht nur für sie, sondern auch für die Sicherheit ihrer Kinder! Sie könnte entführt werden und jemand könnte den Präsidenten erpressen! Und so könnte das auch dem Land gefährlich werden! Sollten ihre Kinder und sie etwa nicht in den Urlaub fahren dürfen, weil ihre Sicherheit zu viel kostet? Wäre das nicht eine Strafe für die ganze Familie?
Natürlich glaube ich, dass die Rechnung für ihre Einkäufe oder das Hotel und ihr Frühstück privat bezahlt werden sollte. Ich bin mir aber sicher, dass das Gehalt von Mr. Obama hoch genug ist, um das zu decken und der Artikel gibt ja auch zu, dass sie ihr eigenes Geld für ihre Freizeitaktivitäten ausgeben. Es ist nicht die Schuld eines Politikers oder seiner Familie, dass sie mehr Sicherheit brauchen, wenn sie ausgehen. Es ist normal, dass diese Sicherheit von öffentlichen Geldern gezahlt wird, schließlich will die Öffentlichkeit ja auch, dass dieser Politiker in der Zukunft noch für das Land denkt und arbeitet.
Das ist also in meinen Augen keine Korruption und ich glaube, der Autor des Artikels weiß das auch. Natürlich gibt es Politiker, die das übertreiben und dann gibt es jedoch auch so viele, die ganz offen Steuergelder für ihre privaten Ausgaben verwenden. Wir sehen in Indien, wie das funktioniert und das ist ganz deutlich etwas anderes, als das, was Michelle Obama macht. Ich denke nicht, dass es in Amerika möglich ist, auf die Ebene von Korruption zu kommen, die wir in Indien haben. Es ist traurig zu sehen, dass es in Indien anscheinend immer noch nicht genug Bewusstsein gibt und zu viel Anstrengungen dafür, den Kampf gegen Korruption zu schwähcen. Wir können diejenigen, die korrupt sind, nicht davon überzeugen, sich selbst ins Gefängnis zu bringen. Trotzdem müssen wir weiter hoffen und jede mögliche Anstrengung zu dieser Veränderung hin unternehmen!
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