Notwendiges und Luxus – Ein unterschiedlicher Maßstab in Indien und im Westen – 13 Jun 13

Kinder

Gestern und vorgestern habe ich die unterschiedlichen Punkte kommentiert, die UNICEF als Zeichen für Kinderarmut in reichen Ländern angibt. Wie sehr gelten diese Punkte für ein Land wie Indien? Hier setze ich wieder ein:
 

8. Geld, um an Schulausflügen oder Veranstaltungen teilzunehmen

Bei diesem Punkt reicht eine kurze Antwort: wenn eine Familie in Indien es sich leisten kann, ihr Kind auf eine Privatschule zu schicken, die Bücher und die Uniform zu kaufen und das Schulgeld zu zahlen, so gibt es Familien, die sehr viel ärmer sind als sie. Die Teilnahme an Schulausflügen ist ein Kriterium, das für Indiens Arme etwas zu hoch liegt.

Es macht uns jedoch stolz sagen zu können, dass auf unseren Schulfeiern die armen Kinder der Stadt das beste Essen und den besten Kuchen der ganzen Umgebung bekommen!
 

9. Ein ruhiger Platz für Hausaufgaben

Wieder muss gesagt werden, dass andere Bedürfnisse Vorrang haben, bevor man sich um einen Platz für Hausaufgaben kümmern kann. Viele Familien unserer Kinder haben ein Haus oder auch nur ein oder zwei Zimmer gemietet, in denen vier, fünf oder auch mehr Familienmitglieder leben. Diese Zimmer sind Wohnzimmer, Küche, Schlafzimmer, Büro, Werkstatt, Kinderzimmer und Schrank in einem. Sobald wir einen Lebensstandard erreichen, bei dem Familien für all diese Zwecke getrennte Zimmer haben, können wir sie nicht mehr wirklich arm nennen.
 

10. Ein Internetanschluss

Ich war ehrlich überrascht, diesen Punkt auf der Liste zu sehen, aber ich nehme an, dass das heutzutage ein lebensnotwendiges Element ist, um auf dem neuesten Stand mit den Dingen in der Welt zu bleiben. Im Westen muss vieles an Hausaufgaben auch mit der Hilfe des Internets erledigt werden und auch das gesellschaftliche Leben spielt sich teilweise online ab. Jeder ohne Internetverbindung ist von der Welt abgeschnitten.

An einem Ort jedoch, wo viele selbst bei Temperaturen von 48 Grad und mehr keinen Kühlschrank und keinen Ventilator an der Decke haben, wäre das Fehlen einer Internetverbindung nicht wirklich eines der Dinge, die man als Entbehrung bezeichnen würde.
 

11. Einige neue Kleidungsstücke (nicht ausschließlich bereits getragene Sachen)

Wir werden von Besuchern oft gefragt, ob sie denn getragene Kleidung für unsere Kinder mitbringen können, wenn sie in den Ashram kommen und wir heißen solche Hilfe immer herzlich willkommen. Wir sammeln, bis wir richtig viel zusammen haben und es großzügig an unsere Schüler und ihre Eltern verteilen können. Man möchte kaum glauben, wie sehr sich diese Familien über Second-Hand-Kleidung freuen. Was ist falsch daran, die Kleidung anderer zu tragen? Es ist gute Kleidung, nicht zerrissen, und sie hält dich im Winter warm, wenn die Temperaturen bei uns in Vrindavan ja doch bis zum Gefrierpunkt runtergehen.

Ich verstehe diesen Punkt für den Westen jedoch, wo selbst Kinder aus gut situierten Familien gehänselt werden, wenn sie keine Markenklamotten tragen. Ich glaube jedoch, dass da die Erwartungen und Standards etwas gedrosselt und zurückgesetzt werden sollten. Hört auf, euch auf das Äußere zu konzentrieren und bringt den Kindern etwas mehr über innere Werte bei!

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