Es ist weltweit bekannt, dass es in ganz Indien immer noch Kinderarbeit gibt. Die ganze Entwicklung der letzten Jahre und Jahrzehnte hat diese Situation nicht um viel verbessert. Unsere kleine Stadt ist da keine Ausnahme.
Wenn man die Straße hinunterläuft, kann man oft sehen, wie hier oder da ein kleiner Junge in einem Laden steht und, ein Tuch in der Hand, die Regale abwischt – um elf Uhr morgens, wenn in allen Schulen Unterricht ist. Oder man sieht ein Mädchen, das neben einem Stand steht und einem Kunden Gemüse verkauft. Da sind sogar Kinder unter zehn! Sie machen ihre Arbeit und verdienen ihr Geld – vielleicht $10 pro Monat. Jeder sieht das, doch sie sehen weg. Meint ihr, dass die Polizei und Regierungsbeamte das nicht sehen? Natürlich tun sie das, genau wie du! Es findet ja alles in der Öffentlichkeit statt, niemand versteckt es! Doch niemand unternimmt etwas dagegen!
Vielleicht fragt ihr euch, warum ich das heute schreibe. Es tut mir weh zu hören, dass Kinder, die wir unterstützt haben und die immer noch unter 14 sind, diese Art von Arbeit machen. Das Problem ist, dass ich mich hilflos fühle. Was kann ich dagegen tun? Ich weiß nicht, zu welchem Anteil das Kind selbst lieber arbeitet als zur Schule zu gehen, aber ich weiß, dass die Eltern das vorziehen und darum schicken sie sie zur Arbeit anstatt zur Schule. Das größte Verbrechen begeht jedoch derjenige, der sie einstellt.
Natürlich gibt es ein Gesetz gegen Kinderarbeit. Was jedoch ist das Ergebnis, wenn man jetzt zur Polizei geht? Das Erste ist, dass sowieso jeder darüber Bescheid weiß. Sie wussten das ja schon. Die Arbeit dieser Kinder ist jedoch auch nirgendwo in Dokumenten festgehalten. Sie bekommen ihr Geld in bar am Ende vom Monat, also gibt es da keinen Beweis, dass sie angestellt sind. Das Kind sagt, dass er oder sie nicht dort arbeitet, der Arbeitgeber bestreitet einfach, dass er Minderjährige beschäftigt und die Eltern wollen auch nicht zugeben, das sie ihr Kind zum Arbeiten schicken. Die Polizei und Beamte, die daran arbeiten sollten, dass das nicht geschieht, haben nicht genug Herz, um selbst etwas zu unternehmen – warum also sollten sie etwas tun, nur weil ich das möchte?
Wir können nur versuchen, mit den Eltern zu sprechen und versuchen, sie davon zu überzeugen, ihre Kinder zur Schule zu schicken. Wir haben das oft getan und haben viele Kinder auf diese Weise in unserer Schule. Was kann man jedoch tun, wenn sie die Argumente nicht verstehen? Was kann man tun, wenn sie an das Geld denken, dass sie jetzt bekommen können, anstatt an das Geld, das die Kinder verdienen könnten, wenn sie gebildeter sind, wenn sie zumindest lesen, schreiben und rechnen können? Sie sehen den Wert von Bildung nicht und manchmal gelingt es uns nicht, sie zu überzeugen.
An vielen Orten Indiens arbeiten Kinder unter gefährlichen Bedingungen. Das mag hier in Vrindavan nicht der Fall sein, doch selbst wenn sie putzen, Produkte von einer Seite des Ladens auf die andere Seite räumen oder für ihren Arbeitgeber Botengänge erledigen, sie arbeiten anstatt zur Schule zu gehen!
Ich sehe, dass Leute in diese Geschäfte gehen. Sie sehen das Gleiche, was ich sehe. Inder und Westler sehen auf die gleiche Weise weg. Ich kann hier keine Namen von Geschäften oder von Kindern nennen, weil das System korrupt ist und weil es als üble nachrede ausgelegt werden könnte – aber mein Herz weint für diese Kinder. Das Einzige, worum ich euch bitten kann ist, nicht in Geschäften einzukaufen, in denen ihr Kinder arbeiten seht. Fragt den Geschäftsinhaber warum dort ein Kind arbeitet. Bringt ihn dazu, darüber nachzudenken und lasst ihn wissen, dass ihr dort nicht einkauft, weil er ein Kind beschäftigt. Das kann euer kleiner Beitrag dazu sein, etwas zu verändern.
Ich habe jedoch immer noch die Hoffnung, dass die Zukunft anders aussehen wird. Wir tun unser Bestes, um es Kindern und Eltern verständlich zu machen und ich hoffe, dass jene Arbeitgeber auch eines Tages aufhören, die Kindheit unschuldiger Kinder zu stehlen, nur um ein paar Rupien zu sparen. Wir werden uns weiter bemühen und ich sehe jedes Kind, das zu unserer Schule kommt, als einen Erfolg gegen Kinderarbeit.
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