Letzte Woche habe ich euch erzählt, dass eine Fremde in einem Geschäft in den Komfortbereich meines Babys eingedrungen war und dann, wie eine Freundin Apra aufzog und damit dazu brachte, sofort nach Hause gehen zu wollen. Doch der größte Vorfall dieser Art geschah, als wir in Lucknow waren, beim Frühstück in einem sehr guten Hotel. Ich will euch davon erzählen.
Ramona, Apra und ich waren für ein langes Wochenende nach Lucknow gefahren, nach langer Zeit wieder mal ein kleiner Urlaub in Indien. Wir waren in einem fünf-Sterne-Hotel, etwas Besonderes für mich und meine Frau, weil wir beide Fans von Komfort und gutem Essen sind. In einem solchen Hotel kann man sicher sein, dass die Zimmer sauber sind und auch die Mitarbeiter gut ausgebildet sind. Ausgebildet, so dass sie keine Kommentare über Paare gemischter Herkunft machen und auch nicht deren Kinder ärgern. Diese Annahme stellte sich jedoch als falsch heraus, als wir am ersten Morgen zum Frühstück ins Hotelrestaurant gingen.
Apra hatte bereits viel Spaß in ihrem Urlaub und während wir ihr die neue Umgebung zeigten, nahm sie ihren Stoffbär mit und zeigte diese Dinge ihm. Als wir ins Restaurant kamen, hieß uns wie gewöhnlich eine Angestellte des Hotels willkommen. Sie wünschte uns einen guten Morgen und natürlich strahlte sie Apra, die auf meinem Arm saß, mit großem Lächeln an. Dann sah sie den Bären und rief in diesem besonderen Ton, in dem Leute mit Kindern reden: ‚Oh, was für ein süßer, kleiner Bär! Kann ich den haben? Den behalte ich hier!’
Noch während sie das sagte, streckte sie ihre Hände in Richtung Bär aus, griff nach ihm und, man möchte es kaum glauben, fing an zu ziehen! Wir waren genauso überrascht davon wie Apra. Natürlich hielt Apra ihr Lieblingsstofftier fest umklammert und zog es zu sich hin. Ein paar Sekunden lang, schien die Frau zu ziehen und zu versuchen, den Bär aus Apras Hand zu bekommen, bevor sie ihn schließlich losließ.
Es war nur eine Sache von einer Minute oder vielleicht nicht einmal das. Nachdem ich die Dame gegrüßt hatte, hatte ich mich nach einem freien Tisch umgesehen, um zu entscheiden, wo wir sitzen würden. Deshalb hatte ich nicht gleich gemerkt, dass diese Frau bereits am Bär zog. Als ich es merkte, war ich zunächst zu geschockt, um gleich etwas zu sagen. Das Gleiche galt für Ramona, die hinter uns ins Zimmer gekommen war.
In dem Augenblick, als sie den Bären losließ, gingen wir weiter, sprachlos, wie schamlos diese Frau versucht hatte, oder zumindest so getan hatte, einer Zweijährigen ihr Spielzeug wegzunehmen, während sie dieses fest an ihren kleinen Körper drückte! Was zum Teufel glaubst du denn, dass du da tust? Willst du vor meinen Augen meine Tochter bestehlen?
Wieder weiß ich natürlich, dass du den Bär nicht wirklich haben wolltest. Natürlich hättest du ihn ihr nicht wirklich weggenommen. Hätte sie zu Weinen begonnen, hättest du dich tausend Mal entschuldigt. Sie war jedoch kurz davor, hast du ihr das denn nicht angesehen? Du wolltest nur spielen. Sie ein bisschen ärgern.
Ich finde das nicht lustig. Meine Frau auch nicht. Meine Tochter auch nicht.
Das Training der Mitarbeiter eines Fünf-Sterne-Hotels in Indien beinhaltet offensichtlich kein Kapitel für das richtige Verhalten mit den Kindern von Gästen! Oder vielleicht war sie noch in der Ausbildung. Oder, und ich glaube, das ist am Wahrscheinlichsten, die Angewohnheit, Kinder zu ärgern, liegt so tief in der indischen Kultur, dass selbst das Training eines Fünf-Sterne-Hotels es nicht aus den Leuten rausbekommt. Sie sind einfach nicht sensibel für die Gefühle von Kindern, egale, wie feinfühlig sie den Wünschen ihrer Gäste gegenüber sind.
Lass deine Finger vom Gesicht und den Spielsachen meiner Tochter, außer sie bietet dir aus freien Stücken an, mitzuspielen.
Morgen werde ich euch mehr über unsere und Apras Reaktion auf diesen Vorfall erzählen.
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