Eine der Teilnehmerinnen unseres Ayurveda Yoga Urlaubs hat Ramona ihre Erfahrung hier in Indien beschrieben und als ich hörte, wie sie die Leute hier und ihre Einstellung zu ihnen beschrieb, fand ich es recht interessant und wollte ein paar Zeilen dazu schreiben.
Wenn man als Westler durch die Straßen Indiens geht, sieht man viele Menschen, von denen man sagen würde, dass sie arm sind. Man sieht ihre alte Kleidung und dass manche von ihnen nur ein Handtuch um die Hüfte gewickelt haben. An den Seiten der Straßen gibt es Handpumpen, an denen die Menschen ihre Kleidung waschen, Wasser drinken und Wasser holen und es nach Hause bringen. Man sieht Häuser, die aus blanken Ziegelwänden bestehen, unverputzt und manchmal ja noch nichtmal Ziegel haben, nur Stroh und vielleicht ein paar Wellblech oder Plastikplatten. Das Leben derer, die dort wohnen, findet auf der Straße statt. Dort kochen sie, essen sie, sitzen zum reden und auch zum arbeiten. Man sieht, wie Arbeiter die Straßen mit einfachem Werkzeug pflastern. Auch auf dem Markt sieht man keine elektronischen Waagen, um die Mengen von Gemüse und anderen Lebensmitteln abzuwiegen – die Händler balancieren ihre Waagen per Hand mit Gewichten aus und bestimmen so den Preis. Alles ist einfach, die Menschen sind arm.
Dir, der du von den sauberen, geteerten Straßen deines Landes kommst, erscheint es ganz klar, dass die meisten, die du in Indien siehst, arm sind. Du siehst überall Dreck und denkst ‚Wir könnten ihnen zeigen, wie man mit Müll umgeht und ihnen Recycling beibringen!‘ Du siehst zu, wie sich Kinder und Erwachsene gleichermaßen an den Straßenrand oder in die Felder setzen und ihre Notdurft verrichten und wenn du in einer Stadt um die Ecke biegst, bereitest du dich auf den üblen Geruch vor mit dem Gedanken ‚Wir haben eine so gute Kanalisation, das sollten wir hierher bringen!‘
Unser Gast, die das alles beschrieb, sagte etwas, was mir sehr gefiehl und was eine Welle von Gedanken auslöste: ‚Ich habe gemerkt, dass das alles sehr arrogante Gedanken sind! Ich kann diese Menschen wirklich nicht arm nennen! Schließlich bin ich hierher gekommen, in ihr Land, weil ich nach etwas suche, was sie haben! Sie wollen nichts von mir, ich will etwas von ihnen!‘
Das ist so wahr! Tausende, nein, Millionen Touristen besuchen Indien jedes Jahr. Die meisten sind nicht nur hier, um am Strand zu liegen oder das Taj Mahal zu besuchen. Sie sind da, weil sie auf einer Suche sind, sie haben ein inneres Verlangen, eine Leere, die sie glauben, in Indien füllen zu können. Es ist spirituell, religiös, eine Suche nach Frieden und innerem Gleichgewicht, nach Ruhe und Ausgeglichenheit. Nach Glück. Nach Liebe.
Sie machen sich oft auch eine lange Reise, ohne dabei ein bestimmtes Ziel zu haben. Sie wollen einfach nur Land und Leute kennen lernen, in der Überzeugung, dass sie finden werden, wonach sie suchen. Sie gehen in Ashrams, nehmen an Retreats teil, machen Yoga und Meditation. Und sie verlassen Indien, fühlen sich bereichert, entspannt und nehmen etwas aus diesem Land mit nach Hause, dessen Menschen sie bei ihrem ersten Spaziergang als ‚arm‘ empfunden haben.
Vielleicht haben die Menschen in Indien dir wirklich etwas zu geben, warum wärst du sonst hier? Sie können dir zeigen, wie du das Beste aus dem machst, was du hast. Zufrieden zu sein. Glücklich zu sein. Dich nicht mit allen anderen zu vergleichen und dich deswegen schlecht zu fühlen. Zu erkennen, wie reich du wirklich bist, nicht nur materiell, sondern auch emotional, in deinem Herzen. Du lernst wieder, die kleinen Dinge zu schätzen und findest zurück zu einer inneren Freude, die nicht mehr leicht ins Schwanken gerät.
Indien mag dir arm erscheinen, aber du bist hierher gekommen, weil du an dem emotionalen Reichtum der Menschen hier teilnehmen wolltest.
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