Letzte Woche habe ich über eines von Indiens größten Problemen geschrieben, die Korruption. Eine weitere dieser Krebskrankheiten der indischen Gesellschaft ist die Mitgift, die ein Mädchen bekommt, wenn sie heiratet. Diese Tradition wurde zu einem riesigen Geschäft und kann beiden, Braut und Bräutigam in Indien viele Schmerzen und Probleme bereiten.
Früher, als die Tradition der Mitgift began, war es üblich, dass man einem frisch verheiratetem Paar etwas wie Hochzeitsgeschenke gab. Die Familie der Braut gab Geschenke für das neue Heim ihrer Tochter. Das waren für gewöhnlich Dinge, die man zu Hause brauchte oder sogar Geld, so dass sie und ihr neuer Ehemann einen guten Start ins Eheleben hatten. Diese an sich liebevolle Tradition, hat sich in ein hässliches Geschäft von Millionen und Milliarden Rupien verwandelt.
Ich habe schon oft erzählt, dass in Indien arrangierte Ehen recht normal sind. Irgendwann begannen die Eltern eines Jungen auf der Suche nach einer zukünftigen Braut auch darüber nachzudenken, wie viel die Familie der Braut dem frisch verheirateten Paar geben würde. Auf diese Weise entwickelte sich das Ganze in eine ungesunde Richtung: der Wert der Braut wird oft dadurch festgelegt, wie viel die Familie der Braut als Mitgift geben kann. Und oft wird das zu einem Hauptkriterium für die Familie des Bräutigams, welches Mädchen gewählt wird.
Die Familie des Bräutigam will einen bestimmten Geldbetrag haben, der von der Lebenssituation und der Arbeit des Bräutigams abhängt. Wenn er gut verdient, wenn er zum Beispiel Arzt oder Ingenieur ist, ist das die Garantie für seine Frau, dass sie ein gutes Leben haben wird und reich oder zumindest gut gestellt sein wird. Für diese Garantie muss die Familie der Braut bezahlen. Sie tun das auch, weil sie wollen, dass ihre Tochter ein gutes Leben hat. Die Eltern der Braut suchen nach einer reichen Familie, in die sie ihre Tochter einheiraten können, weil es in Indien üblicherweise im Leben nur eine Hochzeit gibt und sie bereit dazu sind, viel zu geben, damit ihre Tochter nicht in einem armen Haus leben wird.
Sie zahlen in bar, in Gold, in Möbeln oder Haushaltsgegenständen. Sie kaufen oft ein Auto für das Paar oder ein Motorrad für den Bräutigam. Im letzten Jahr hörten wir von einer Braut, deren Familie sogar BMWs geschenkt hat und das nicht nur dem Bräutigam sondern auch allen seinen Freunden!
Eine solche Hochzeit ist dann eine riesige Show. Natürlich wird es eine enorme Feier und es gibt auch auch einen Schaukasten oder sogar einen ganzen Ausstellungsraum, in dem die einzelnen Gegenstände der Mitgift ausgestellt sind. Das können große Räume mit Bargeld, dem Gold, dem Schmuck und dem Auto sein, so dass die Hochzeitsgäste durchlaufen können und die Möglichkeit haben, das zu bewundern, was der Bräutigam von seinen zukünftigen Schwiegereltern bekommen hat.
Es gibt sogar Ehe-Agenturen, die zukünftige Bräute mit den zukünftigen Bräutigammen zusammen bringen. Die Eltern geben alle Einzelheiten an, darunter auch, wie viel sie ihrer Tochter an Mitgift geben werden oder wie hoch die Mitgift ihrer künftigen Schwiegertochter sein sollte. Die Agentur stimmt sie dann anhand dieses Betrags und einiger weiterer Faktoren aufeinander ab. Am Ende bekommen sie von beiden Seiten einen festen Betrag und dazu noch einen bestimmten Prozentsatz des Wertes der gesamten Mitgift. Kein schlechtes Geschäft, oder? Sie stimmen ihre Kunden je nach Kaste, Bildung und Mitgift aufeinander ab und werden dadurch reich.
Die Eltern der Jungen legen Wert auf die Ausbildung ihres Sohnes, da er auf dem Heiratsmarkt höher eingestuft wird, wenn er für seine Zukunft mehr Sicherheiten aufweisen kann. Natürlich sind diejenigen, die in westlichen Ländern leben, in den Verhandlungen um den Preis des Bräutigams sogar noch mehr wert. Wer kann es sich leisten, unseren Sohn zu heiraten?
Obwohl die Tradition der Mitgift per Gesetz verboten ist, wird sie immer noch praktiziert und führt in unserer Gesellschaft zu vielen unterschiedlichen Problemen.
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