Wie schädlich kann Hingabe sein? – 12 Sep 12

Guru

Gestern habe ich geschrieben, dass Religion den Geist manipuliert und dich dazu bringt, verrückte Dinge zu tun, die du nie tun würdest, wenn du bei rechtem Verstand wärst. Die Menschen geben viel Geld aus, gehen auf Pilgerfahrten und nehmen große Mühe auf sich, um sogenannte heilige Orte zu sehen und dann gibt es sogar die, die aus Religionsgründen zu Terroristen werden. Doch vielleicht ist es nicht wirklich die Religion, die diese Folgen hat, vielleicht ist es die Hingabe.

Was da der Unterschied ist, fragst du? Naja, ich glaube, dass Hingabe nicht unbedingt religiös sein muss.

Man kann sich selbst Gott, einer Religion, einem bestimmten Glauben und all den Regeln, die dazu gehören, hingeben, da stimme ich zu. Hingabe ist, wenn man seinen Gott nicht nur liebt, sondern ihm alles was man hat und ist widmet und sich selbst in seine Hände gibt. Das an sich mag niemandem schaden – aber wenn die Religion mit ihren religiösen Führern, widersprüchigem Rat in Schriften und veralteten Vorstellungen kommt, wie man leben sollte und wie andere leben sollten, kommt man in einen Bereich, in dem Hingabe gefährlich wird.

Ich habe Erfahrungsberichte von Frauen gelesen, die ihren Gurus vollkommene Hingabe entgegenbrachten und dadurch ausgenutzt, gedemütigt und sogar sexuell missbraucht wurden. Weil sie glaubten, dass ihr Guru Gott, göttlich und derjenige ist, dem sie folgen müssen. Sie haben getan, was auch immer er ihnen sagte. Und sie bereuten es, sobald es mit ihrer Hingabe vorbei war.

Diese Gefahr besteht mit der Hingabe nicht nur, wenn es um religiöse Dinge geht. Seht euch nur jemanden an, der sich selbst dem Alkohol hingibt. Er wird süchtig und vergisst jegliche Logik und seinen Verstand. Er schadet erst sich selbst und dann vielleicht auch noch die um ihn herum.

Wenn du da widersprichst und sagst, dass der Alkohol dich süchtig macht und verrücktes Verhalten auslöst, kann ich ein weiteres Beispiel geben: Menschen, die sich ihrer Arbeit hingeben sind nicht weniger betroffen. Jemand, der sich seiner Arbeit hingibt, denkt nur an seine Arbeit. Er hört den Ruf seines Körpers nicht, sich auszuruhen und eine ordentliche Mahlzeit zu sich zu nehmen. Er wird zum Workaholic, er verschmilzt vollständig mit seiner Arbeit – und schadet sich selbst und seiner Familie.

Das Einzige, dem man sich meiner Meinung nach hingeben sollte, ist Liebe. Gebe dich selbst der Positivität hin, in Liebe zu sein und Liebe zu verbreiten. Ich denke nicht, dass man da etwas falsch machen kann. Man braucht dazu jedoch keinen Mittelmann, keinen Meister oder Guru. Übe die Hingabe zur Liebe direkt und nicht durch eine bestimmte Person, von der du meinst, du musst zu lieben lernen.

Wie sieht es jedoch mit der Hingabe zum Partner aus? Ich glaube, dass diese Hingabe beidseitig sein muss. Ihr müsst euch beide einander hingeben, weil ihr in eurer Beziehung gleichwertig sein sollt. Wenn nur einer von euch sich dem anderen hingibt, ist einer der Meister und der andere der Anhänger. Der Anhänger wird immer niedriger und weniger wichtig sein, unfähig, Entscheidungen zu treffen. Der Meister jedoch hat so zu viel Verantwortung. Ein Partner hat so leicht das Gefühl, dass der andere zu sehr an ihm hängt, dass er zu demütig ist und selbst keine Persönlichkeit hat, sondern vollständig von ihm abhängig ist. Nein, eine Beziehung braucht Hingabe, doch diese muss beidseitig sein.

Nur dann, wenn du dich selbst in deiner Hingabe zur Liebe oder der beidseitigen Hingabe mit dem Partner verlierst, kannst du Verstand und Logik beibehalten. Du kannst verrückt werden in Liebe –dein Partner bewahrt dich vor jeglichem Schaden.

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