Gestern habe ich einen Typ Guru beschrieben, den Prediger. Heute würde ich gerne über den nächsten Typ Guru sprechen, den, der glaubt, der sei von Geburt an dazu prädestiniert, ein Guru zu sein:
2. Priesterlicher Erbguru für deine Rituale
Das erste Anzeichen für diese Art Guru ist, dass er aus einer Familie von Priestern kommt. Es ist für ihn also logisch, dass er der Tradition seiner Familie folgt und auch Priester wird. Dieser Priester können Tempelpriester sein, müssen es aber nicht!
Im Hinduismus ist das Leben sehr mit Religion und religiösen Ritualen verbunden. Die Rituale beginnen, bevor man überhaupt geboren ist und gehen weiter bis nach seinem Tod. Genau, wie die Katholiken an ihre sieben Sakramente glauben, haben die Hindus 16 dieser Hauptrituale. Dabei ist ein Ritual, bevor du geboren wirst, eines an der Geburt, eines bei deinem ersten festen Essen und so weiter. Und natürlich braucht man einen Priester, um sie durchzuführen.
Was würde näher liegen, als den Priester, der bei deiner Geburt da war, auch zu deiner Hochzeit zu rufen? Und wenn er zu alt ist, wie sieht es mit seinem Sohn aus? Ja, so geht das, du hast einen Familienpriester, jemanden, der alle Rituale für dich erledigt. Und sobald er sie nicht mehr macht, macht es sein Sohn. Dazu ist er noch eine sehr respektierte Person, ein Guru. Es gibt sogar ein Wort, das seine Kunden beschreibt: Yajmaan.
Diese Gurus lernen vielleicht nicht ganz so viel, wie die gestrigen Gurus, aber auch sie müssen die Schriften kennen, in denen ihre Rituale stehen. Sie müssen genug Mantras kennen, um die Rituale ohne Fehler durchführen zu können. Doch meistens, weil es von Tradition her ihr Beruf ist, bekommen die meisten dieser Priester zwar gerne all den Respekt, kennen aber nicht einmal wirklich die Bedeutung von dem, was sie da sagen. Das sollten sie, aber ich habe viele gesehen, die das definitiv nicht wissen.
Für diese Priester kann der Guru-Beruf einiges an Reichtum bringen. Sie bekommen ein Gehalt für ihr Ritual und dann kommt bei diesen Ritualen oft noch eine Spende an den Priester hinzu, sei das in Gold, Silber, in Töpfen oder ähnlichem – weil das in den Schriften geschrieben steht.
Der Vater meines Großvaters mütterlicherseits war der Priester eines Königs und der Königsfamilie. Anstatt jedoch in den Fußstapfen des Vaters zu wandeln, haben sich alle vier Söhne andere Arbeitsbereiche ausgesucht. Mein Großvater ging zum Geheimdienst. So hat die Tradition in der Linie meiner Mutter geendet.
Als ich hier in Indien reiste, hatte ich immer einen oder zwei dieser Priester mit dabei. Auf diese Weise konnten wir immer flexible überall ein Ritual abholen und auch mit mehr Leuten.
Diese Art von Guru kann also, muss aber kein weiteres Wisssen haben und bekommt meistens arbeit, weil der Vater schon an den gleichen Orten gearbeitethat. Morgen werde ich eine ganz andere Art Guru zeigen.
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