Während dem Frühstück hatten wir eine gute Unterhaltung. Ich sagte: ‚Ich verstehe nicht, warum jemand einen anderen überzeugen will, er sollte das oder jenes glauben. Meiner Meinung nach sollte jeder das glauben, was er selber erlebt und fühlt. Jeder ist einzigartig und hat sein eigenes Bewusstsein, Intelligenz und Wahrnehmung und das passt zu ihm und ist gut für ihn. Mit dieser Sichtweise ist nichts schlecht oder falsch. Es ist nur die Wahrnehmung.
Mit der Zeit ändern sich Situationen, Atmosphäre, Menschen, Orte und die Definition von Gut und Schlecht. Hier in Europa geht man mit Schuhen in die Kirche während man in Indien die Schuhe vor der Türe ausziehen muss. Doch religiöse Lehren, Gurus und Meister predigen und sagen, an was man glauben soll.
Das ist das Konzept der Gurus, über das ich schon zuvor geschrieben habe. Es ist leicht und man muss keine Verantwortung übernehmen, wenn jemand anderes sagt, was man glauben muss.
Aber wenn ich mein eigenes Leben ansehe, sehe ich so viele Veränderungen. Ich glaube nicht mehr an Dinge, die ich vor 15 Jahren geglaubt habe. Stattdessen glaube ich an Sachen, die ich vor 15 Jahren noch nicht geglaubt habe. Ich hatte diese Situation bereits, dass ich an etwas geglaubt habe, am nächsten Tag ist etwas geschehen und dann habe ich nicht mehr daran geglaubt. Und vielleicht ändert sich das nach zwei, fünf oder zehn Jahren noch einmal und ich werde dann an das glauben, was mir mein Bewusstsein sagt. Wie kann ich eine Garantie für diese Philosophie von heute übernehmen? Wie kann ich versuchen, jemanden dazu zu zwingen, etwas zu glauben, an das ich jetzt glaube? Wenn ich heute dies sage und sich morgen mein Glaube ändert, wie sage ich dann dieser Person, dass sie sich jetzt auch ändern muss? Und wenn ich nicht sage, dass sich mein Glaube geändert hat, dann wäre es nicht ehrlich.
Ich habe so viele Prediger gesehen, die dieses Doppelleben im Doppelglauben leben. Sie glauben nicht, was sie selber lehren. Und das ist der Grund, warum ihre Stimme die Herzen der Menschen nicht berührt. Es kommt nicht von Herzen und ist nicht ihre eigene Wahrheit.
Heute waren wir zum Geburtstagsessen eines sehr netten neuen Freundes eingeladen. Er ist der Direktor der Schule für behinderte Kinder, an der Thomas arbeitet. Er hat eine Verbindung zu Kindern und besucht im Juli auch den Ashram und die Kinder dort. Wir hatten wirklich eine schöne Zeit dort und er hat ein herrliches Essen zubereitet.
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