Entwicklung der Gurus alter Zeiten zu modernen Rockstar Gurus – 23 Jul 13

Stadt:
Vrindavan
Land:
Indien

Mit dem gestrigen Feiertag Guru Purnima habe ich begonnen, über Gurus und ihre Einweihungen und Anhänger zu schreiben. Traditionell weihte ein Guru nur eine recht kleine Anzahl von Anhängern ein. Er hatte zu jedem eine persönliche Beziehung. Sie alle lebten in einer Gemeinschaft mit ihm, dem ‚Gurukul‘, woe sie alles teilten und von ihm lernten. Nach einigen Jahren machten sich die Anhänger auf, um ihre eigenen Abenteuer zu erleben und machten so Platz für neue Anhänger, kamen jedoch immer wieder zu ihrem Guru zurück, um Ratschläge und Segen zu bekommen oder um ihn zu Anlässen wie dem gestrigen zu ehren.

Heute sehen die Dinge etwas anders aus. Der erste und größte Unterschied: die heutigen Gurus sind Berühmtheiten, deren Leben dem von Filmstars sehr ähnlich ist. Sie haben ihr Programm, sie treten auf Bühnen auf, wo Anhänger schon stundenlang auf sie warten, genau wie Fans von Rockstars, nur um einen Blick auf sie werfen zu können und sie haben Tour-Busse, mit denen sie von einem Auftritt zum nächsten fahren. Anstatt Eintrittstickets haben sie viele unterschiedliche Arten des Einkommens, Rituale, Spenden und Verkaufsartikel. Riesige Menschenmengen warten auf sie, wo auch immer sie hingehen und es ist eine große Ehre, wenn man jemals so nah an sie rankommt, dass sie das Wort persönlich an einen richten.

Es ist ihnen körperlich nicht möglich, auf traditionelle Weise Einweihungen zu geben – sie können nicht jeden einzelnen ihrer Fans treffen und ein persönliches Gespräch mit ihnen haben! Und so verkünden sie groß: ich bin ein Guru, der keine Einweihungen gibt! Das lässt sie noch großartiger aussehen und in den Augen ihrer Anhänger sind sie damit etwas Besonderes. Diese Leute sind in dem Irrglauben, dass ihr Guru großartiger und besser sind als irgendein anderer Guru vor ihm – weil er keine Einweihungen gibt, wächst die Anzahl seiner Anhänger immer weiter.

Manche dieser Anhänger haben bereits selbst das Gefühl, dass diese Guru-Kultur nicht wirklich das Beste Konzept ist. Sie wollen die traditionelle Art der Bindung an einen Guru nicht und glauben, dass das, was sie haben, weiter entwickelt ist, während sie sich selbst jedoch auf gleiche Weise dem Guru hingeben – nur, dass ihr Guru eine Massenproduktion von Anhängern betreibt. Wenn man sie danach fragt, bestreiten sie jedoch oft, dass sie einem Guru folgen und sagen, dieser Mann sei ihr ‚Mentor‘. Das ist eine moderne Weise, die gleiche Sache auszudrücken.

Ihre Anhänger geben sich ihrem Guru vollständig hin und schaffen eine Illusion einer engen Beziehung, die nicht wirklich existiert. Sie sprechen von einer besonderen Verbindung zwischen ihnen und ihrem Mentor, aber ihr Guru würde sie nicht einmal erkennen, wenn er ihnen auf der Straße begegnen würde. Herzlichen Glückwunsch, ihr habt eine Vaterfigur, die nicht einmal weiß, wer ihr seid!

Manchmal kann diese Vorstellung der Nähe zu diesem Mann auch gefährlich sein. Die Definition des Wortes Mentor legt eine engere Beziehung nahe, als diese Menschen zu ihren Gurus jemals haben werden. Sobald sie erkennen, dass ihre Vorstellung eben nur das ist, eine Illusion, dass sie für diesen Menschen nur Fremde sind, können sie in ein tiefes Loch der Enttäuschung fallen. Dann haben sie das Gefühl als hätten sie keine Richtung mehr im Leben und dass sie Jahre ihres Lebens für eine Illusion verschwendet haben.

Ich glaube, dass dieser moderne Guruismus für die Menschen sogar noch gefährlicher ist.

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