Gestern habe ich den Fall der Gruppenvergewaltigung im Dezember in Delhi erwähnt. Einige Zeit lang gab es in allen Zeitungen und Fernsehsendern Diskussionen über Vergewaltigungen. Immer, wenn eine religiöse Person bei einer solchen Diskussion anwesend war, haben sie irgendwann das Argument angebracht, dass Religion für Opfer in solchen Situationen eine Art Anker war und dass Menschen nach solchen Geschehnissen in ihrem Glauben Trost finden. Damals sah ich online einen Satz, der sich für mich sehr wahr anhörte. Ein Opfer sagt: Gott war nicht da, als ich vergewaltigt wurde, jetzt brauche ich ihn auch nicht mehr!
Ich glaube, dass das eine ganz normale und natürliche Reaktion eines jeden ist, der so etwas schreckliches wie eine Vergewaltigung erlebt hat. Es ist sogar eine natürliche Reaktion für Menschen, die einen plötzlichen Tod in der Familie erlebt haben. Wer könnte das wissen als meine Familie? Mir wurde schon oft gesagt, und das immer von religiösen Menschen, dass die Zeremonien und Rituale einem in einer solchen Situation helfen würden. Sie sagen, man könnte so inneren Frieden finden, weil man weiß, dass es etwas Größeres gibt, das auf einen aufpasst. Das glaube ich nicht!
Zum Einen muss man fragen, was ein Ritual oder eine Zeremonie denn helfen sollte? Wenn dein Glaube an Gott die Zeit zurückdrehen könnte, wäre ich in der Lage, das Gefühl zu verstehen. Ein Vergewaltigungsopfer würde sich dann zum Beten hinsetzen und die Zeit zurückdrehen, bis wir wieder vor dem Vorfall wären. Sie würde beschließen, nicht den Weg nach Hause zu gehen, den sie genommen hatte, sondern eine andere Strecke zu wählen. Sie würde einen Freund mitnehmen oder sich einfach ein Taxi rufen. Sie wäre vorbereitet zu rennen oder sie würde einfach nicht an den Ort des Geschehens gehen. Wenn sein Glaube an Gott die Zeit zurückdrehen könnte, dann könnte er helfen, ja!
Das kann er jedoch nunmal nicht und darum glaube ich ist es verrückt, einem Vergewaltigungsopfer oder jemandem in einer ähnlichen Situation zu sagen, er solle Gott vertrauen und dass Gott alles in Ordnung bringen würde. Natürlich würden diejenigen das Offensichtliche fragen: Wenn Gott jetzt für mich da sein kann, warum konnte er nicht da sein, als dieses schreckliche Verbrechen geschah? Wie kommt es, dass er nicht mit einem Feuerschwert vom Himmel geflogen kam und meine Vergewaltiger in Stücke geteilt hat? Oder einen himmlichen Sturm geschickt hat, der sie auf wundersame Weise erblinden ließ, so dass ich weglaufen konnte? Oder ihnen einfach das Verständnis gegeben hat, dass sie niemanden vergewaltigen sollen?
Es gibt Menschen, die meinen, dass sich nicht einmal ein Blatt an einem Baum ohne Gottes Wunsch bewegt. Bitte sagt eurem Gott, er solle nicht so schlimme Wünsche haben! Warum verhungern die Menschen auf dieser Erde, warum gibt es Krief, warum vergewaltigen und morden manche Menschen, warum leben wir nicht alle in Frieden zusammen? Warum sind wir nicht alle gesund und warum verschmutzen die Menschen die Natur und diesen Planeten? Warum gibt es Diktaturen und warum gibt es immer noch Kinderarbeit? Warum, warum, warum? Wenn Gott allmächtig ist und alles geschieht, weil er es sich so wünscht, warum ist er eine so schlechte Person?
Ich akzeptiere das Argument nicht, dass er einen größeren Plan hat, den wir einfach nicht verstehen. Das kann man einem Vergewaltigungsopfer nicht erzählen! Warum also sollte jemand, der durch eine so traumatische Erfahrung gegangen ist, anfangen an Gott zu glauben oder in einem religiösen Glauben Trost finden?
Nein, ich sehe nicht, wie das funktionieren sollte!
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