Gestern habe ich über unprofessionelles Verhalten indischer Ärzte gesprochen, aber ich habe auch gleich dazu einige mögliche Gründe erklärt, warum Ärzte vielleicht nicht ordentlich mit ihren Patienten sprechen, ihnen ihre Diagnose nicht erklären und nicht weiter über die Behandlung reden, als ihnen zu sagen, sie sollten ihre Medizin kaufen und einnehmen. Während ich absolut keine Entschuldigungen für diese Ärzte vorbringen möchte, deren Verhalten, wenn auch verständlicherweise, wirklich unprofessionell ist, will ich auch die Patienten dieser Ärzte ein wenig zu ihrem Verhalten befragen.
Ich erklärte, dass es Menschen aus sehr ländlichen Dörfern gibt, die wirklich keine Ahnung davon haben, dass sie einen Magen und Gedärme haben, sie sehen einfach nur, dass sie einen Bauch haben. Wenn ein Arzt ihnen sagt, dass sie eine Darmentzündung haben, so ist das ihnen eigentlich ziemlich egal. Darum hören die Ärzte auch auf, ihren Patienten überhaupt irgendetwas zu sagen. Aber es scheint, als würde es nicht einmal gebildeten Leuten etwas ausmachen, dass ihr Arzt ihnen nichts von seiner Diagnose oder seiner Behandlung erzählt! Seid ihr es gewohnt, so behandelt zu werden? Ist das der einzige Grund, warum ihr nichts gegen diese Art der Behandlung einwendet oder habt ihr wirklich überhaupt kein Interesse daran, was in eurem Körper vor sich geht?
Ich habe geschrieben, dass ein Arzt eine gewisse Verantwortung für das Wohlergehen seiner Patienten hat. Genauso tragt ihr jedoch auch Verantwortung für euren eigenen Körper! Ihr seid gebildet, ihr wisst, welche Körperteile ihr habt, wie sie zusammenarbeiten, verbunden sind oder beeinträchtigt sein können und trotzdem akzeptiert ihr es, dass ihr aus einer Arztpraxis mit weniger Information herauskommt, als ihr hineingegangen seid! Und ihr kauft Medikamente, von denen ihr keine Ahnung habt, was sie mit eurem Körper machen werden! Ihr nehmt diese ein, fühlt euch besser und denkt einfach ‚Na also, ist doch egal, er hat mich geheilt!‘
Sehr ihr denn nicht, dass das falsch ist? Dass ihr eure eigene Verantwortung ignoriert, sie komplett an einen Arzt abgebt, der nicht mehr über euch weiß, als ihr ihm in den letzten zwei Minuten erzählt habt? Wird euch denn nicht klar, dass ihr euren Körper etwas besser kennen lernen könntet, wenn er euch nur erklären würde, wo der Schmerz hergekommen ist? Fragt ihr euch denn nie, für was all die Pillen sind, die ihr in blindem Vertrauen schluckt? In Indien geben viele Apotheken noch nicht einmal den Beipackzettel mit, also kann man nicht einmal dort nachsehen! Nein, ihr stopft eure Körper damit voll, ohne an Nebenwirkungen, Inhaltsstoffe, ihre Funktionsweise oder ihren Sinn zu denken!
Das Lustige ist, wenn ihr eurem Arzt erzählt hättet, dass ihr Antibiotika kritisch entgegensteht und sie nicht nehmen wollt, wenn es nicht unbedingt sein muss, hätte er vielleicht sogar eine Alternative gehabt! Aber ihr habt nicht gefragt, nichts gesagt, ihr wart einfach nur dagesessen, stumm und wie ein Kind, das alles akzeptieren muss, was kommt. Wie hätte er es denn dann wissen sollen? Natürlich nimmt er an, dass die Grundeinstellung so aussieht: ‚Hallo Herr Doktor, es ist deine Aufgabe, mich so schnell wie möglich gesund zu machen. Egal wie, ich will am Montag wieder zur Arbeit gehen!‘ Natürlich verschreibt er euch da Medikamente, die genau das erreichen – aber vielleicht ein paar Nebeneffekte hat, die unbemerkt bleiben, bis sie ein paar Jahre später an anderen Stellen im Körper Schmerzen bereiten!
Ihr sagt nichts, ihr fragt nichts, ihr beschwert euch nicht. Ich weiß, dass es Ärzte gibt, die für ihren Beruf einfach nicht richtig sind, die eine interessierte Frage mit einem genervten Grunzen oder einem erniedrigenden Kommentar beantworten und sich selbst eine Stufe höher stellen als ihre Patienten, nur weil sie Medizin studiert haben. Wenn man sich jedoch über dieses schlechte Verhalten nicht beschwert, kommt er damit davon! Er fühlt sich darin bestätigt und nichts wird sich jemals ändern! Es ist falsch, stell dich hin und bestehe auf dein Recht! Es ist dein Körper, du verdienst Aufmerksamkeit und verdienst es, zu verstehen, was los ist. Dafür bist du doch dorthin gegangen und dafür zahlst du schließlich auch.
Versuche es und bald wirst du den Unterschied merken zwischen einem Arzt wie dem, den ich oben beschrieben habe und einem wirklich guten Arzt, jemandem, der ordentlich zuhört, der sich kümmert und klar ersichtlich sein Bestes gibt, um dir das medizinische Problem in einfachen Worten verständlich zu machen, der die vorgeschlagene Behandlung erklärt und auch die Aussichten auf Heilung darlegt. Diese Ärzte gibt es – aber man muss auch an sich selbst arbeiten, um ein guter Patient zu werden!
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