Ich habe euch gestern erzählt, dass ich jetzt in Delhi Deutschunterricht nehme. Ich hatte bereits drei Sonntage mit Unterricht im Goethe-Institut und habe bald etwas bemerkt, was mich etwas beunruhigte: um die Tafel lesen zu können, musste ich meine Augen zusammenkneifen. Das wurde über mehrere Stunden hinweg ziemlich anstrengend und ich wusste da, dass ich am nächsten Tag zum Augenarzt würde gehen müssen, um meine Augen untersuchen zu lassen und mir eine Brille anfertigen zu lassen. Das tat ich auch – aber ich machte in der Praxis eine Erfahrung, von der ich euch erzählen möchte.
Ich ging zu der Ärztin, die die Operation am grauen Star für meine Großmutter durchgeführt hatte und wo auch Ramona ihre Augenuntersuchungen hatte durchführen lassen. Die Ärztin untersuchte meine Augen und sagte mir, dass ich eine Brille brauchte, etwas, das ich bereits erwartet hatte. Sie bat mich daraufhin, mich auf eine Liege an der Seite des Zimmers zu legen. Während sie den nächsten Patienten untersuchte, legte ich mich hin und ihr Assistent kam zu mir. Er hatte ein kleines Fläschchen mit Augentropfen in der Hand und ließ mit schnellen, routinierten Bewegungen zwei Tropfen in jedes meiner Augen fallen. Im nächsten Augenblick brannten meine Augen wie verrückt!
Der Mann fragte mich ‘Können Sie die Augen öffnen?‘ und ich verneinte, während ich darauf wartete, dass der Schmerz abklang und dachte, dass er seine Patienten wirklich warnen sollte, bevor er etwas wie diese Tropfen in ihre Augen gibt! Er bat mich, mich aufzusetzen und nach ein oder zwei Minuten fühlten sich meine Augen wieder besser an und ich war in der Lage, meine Augen wieder zu öffnen. Der Assistent bat mich, mich wieder hinzulegen. An diesem Punkt hatte ich bereits beschlossen, dass ich ihnen vor der Abfahrt höflich und freundlich vorschlagen würde, mit ihren Patienten mehr zu reden und sie über das zu informieren, was sie mit ihren Augen machen würden.
Als ich auf der Liege lag, sah ich auf und sah, wie der Assistant sich meinem Auge mit einer Art Nadel näherte, ganz offensichtlich kurz davor, mich in mein Auge zu stechen! Das war der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Ich setzte mich sofort auf und lies all dem freien Lauf, was ich eigentlich später hatte sagen wollen – aber natürlich nicht mehr so ruhig, wie ich das ursprünglich geplant hatte. Ich rief: Was machen Sie da? Sie haben mir kein Wort davon gesagt, was Sie machen werden! Erst tropfen Sie mir etwas in die Augen, was sie höllisch brennen lässt, so dass ich sie überhaupt nicht mehr auf bekomme und dann kommen Sie mit dieser Nadel, ohne mir zu sagen, ob Sie damit nun mein Auge aufschlitzen oder was! So behandelt man keinen Patienten! Sie sind Ärztin, Sie haben ein Stethoskop um den Hals, Sie tragen die Verantwortung für Ihre Patienten und dass sie sich in guten Händen fühlen! Sie haben genau das Gegenteil getan! Sie haben in mir den Wunsch geweckt, davon zu laufen! Ich habe versucht ruhig zu bleiben und wenn Sie nur ein einziges Wort der Erklärung abgegeben hätten, wäre es eine andere Geschichte gewesen!
Ich war während meiner Tirade aufgestanden und die Ärztin war herübergeeilt um zu sehen, was los war. Ich muss sagen, sie leistete wirklich gute Arbeit in dem Versuch, die Situation zu retten. Beide hörten sie zu und entschuldigten sich. Ich sagte ihnen, dass ich schon an verschiedenen Orten auf der Welt beim Arzt gewesen war und sehr wohl wusste, wie die Beziehung zwischen Patient und Arzt aussehen sollte! Die Ärztin stimmte zu, dass es so hätte sein sollen und sagte auch ihrem Assistenten, er solle sich das eine Lehre sein lassen.
Schließlich erklärte sie mir, was er da eigentlich hatte machen wollen. Die Tropfen waren eine kleine örtliche Betäubung gewesen, die dazu benötigt wurde, den Druck meiner Augen zu messen, etwas, was bei Patienten über einem gewissen Alter Routine war. Die eigentliche Messung sollte mit der Nadel stattfinden, die ich danach gesehen hatte. Ich erklärte ihr, dass ich wirklich keine Einwände gegen eine Untersuchung des Drucks in der Augenhöhle hatte, dass mir aber hätte gesagt werden sollen, was eigentlich vor sich ging.
Ich sagte der Ärztin und ihrem Assistenten sehr deutlich, was ich davon hielt. Ich erwähnte, dass sie die Augenärztin unseres Vertrauens war, dass sie aber besser darauf achten müsse, dass ihre Assistenten die Patienten als Menschen behandeln und nicht wie Massenware auf einem Laufband, denen sie einem nach dem anderen in die Augen stechen, ohne ihnen zu sagen, was eigentlich vor sich ging! Ich konnte sehen, dass sie den Vorfall bereute. Ich weiß nicht, ob der nächste Patient wirklich informiert wird – aber ich hoffe doch, dass sie etwas daraus gelernt haben.
Naja, ich hatte, was ich brauchte und war schnell auch wieder draußen, auf dem Weg zum Optiker um mir eine Brille zu bestellen. Manchmal stellen sich ganz einfache Ereignisse als spannend heraus – aber das Ergebnis gefällt mir. Ich kann mit meiner Brille nun wieder klar sehen und kann nun auch meine Deutschstunden problemlos von der Tafel abschreiben.
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