Gestern habe ich euch erzählt, dass meine Frau mit einer unserer Mitarbeiterinnen beim Frauenarzt war, da diese schwanger war, aber das Baby nicht austragen wollte. Heute möchte ich euch erzählen, was in der Arztpraxis geschah.
Die Gynäkologin hörte sich die Geschichte der Frau an, nahm alle Einzelheiten auf und sagte schließlich, sie würde eine Ultraschalluntersuchung machen, um das Datum und den Stand der Schwangerschaft zu bestätigen. Wie erwartet hatte der zweite Monat begonnen, sie war sieben Wochen in ihrer Schwangerschaft.
Zurück im Beratungszimmer begann die Ärztin eine Beratungssitzung, die sich sehr von dem unterschied, was Ramona erwartet hatte. Ihre Patientin hatte ihr bereits gesagt, dass sie kein weiteres Baby haben wollte. Sie hatte ihren zweijährigen Sohn und das reichte ihr. Die Ärztin jedoch sagte ganz klar: ‚Wenn du mich fragst, solltest du das Kind zur Welt bringen!‘ Ramona war überrascht das zu hören – wie konnte sie zu einem so sensiblen und individuellen Thema eine so deutliche Meinung äußern? Die Dame ließ sie nicht lange auf eine Erklärung warten:
Lass das Baby kommen. Manche Dinge sollten wir nunmal Gott überlassen. Du hast jetzt nur ein Kind. Wenn du zwei hottest, würde ich gar nicht so viel sagen, aber du hast nur einen Sohn. Heutzutage ist das Leben gefährlich und man kann sich nicht sicher sein, dass alle Kinder durchkommen. Du hast jetzt die Möglichkeit, noch ein Kind zu bekommen – wer weiß, was zwei oder drei Jahre später ist? Du willst es jetzt nicht, aber es dauert ja sowieso noch acht Monate, dann ist dein Sohn drei Jahre alt und wenn du jetzt das Baby nicht willst, aber dann in ein paar Jahren deine Meinung änderst, könnte das Schwierigkeiten geben. Ich habe immer Dutzende von Frauen hier sitzen, die unbedingt ein Kind wollen und jede Menge Probleme dabei haben! Dein Sohn ist sonst ein Einzelkind, einsam und allein ohne Geschwister!
Diese Ärztin sagte also einer 26-Jährigen Frau, dass ihr zwei-Jahre-alter Sohn wohl für immer einsam und traurig bleiben würde oder sogar sterben könnte und sie dann wohl nicht mehr schwanger werden würde!
Ramona, ziemlich bestürzt von dieser Aussage, protestierte: die Frau hatte keine Probleme schwanger zu werden – das war sie schon mehrere Male gewesen, aber sie wusste, dass sie medizinische Behandlung brauchen würde, wenn sie sich für das Baby entscheiden würde, damit das Kind in ihr wachsen könnte! Sie wollte diese Behandlung nicht, noch wollte sie einen weiteren Kaiserschnitt und eigentlich nicht einmal ein weiteres Baby. Die Antwort der Ärztin war: wir machen die Behandlung für sie nicht so teuer!
Ramona fügte einfach noch hinzu, dass es die Entscheidung dieser Frau sein sollte, ob sie das Baby austragen oder abtreiben wollte – da sie ja auch rechtlich noch völlig in der erlaubten Zeit für die Beendung einer Schwangerschaft lag! Die Gynäkologin musste da zustimmen, bestand jedoch darauf, auch den Vater dazu zu rufen und zu bestätigen, dass auch er das Baby nicht wollte. Das war, obwohl es unnötig war, nicht weiter schwierig – er kam und wiederholte, dass die beiden kein Baby wollten.
Die Ärztin machte es diesem Paar zuerst wahnsinnig schwierig, ihre Entscheidung in die Tat umzusetzen! Dabei blieb es jedoch nicht – während sie nun schlecht noch weiter etwas sagen konnte, verschrieb sie ihnen die Medikamente nicht gleich! Sie sagte ihnen, die Apotheke ihrer Klinik hätte diese nicht vorrätig und sie sollten am nächsten Tag wiederkommen. Sie weigerte sich, ihnen ein Rezept auszustellen, mit dem sie es von einer anderen Apotheke hätten holen können. Am nächsten Tag sagte sie, sie würde die Tabletten aus der nächstgrößeren Stadt kommen lassen – eine lächerliche Aussage, wo man diese doch an jeder Apotheke bekommt, wenn man nur ein Rezept hat. In Indien sogar auch ohne, aber das wollten wir nicht. Am Ende bekam das Paar schließlich die Medizin, führten die Abtreibung durch und es geht ihnen gut – aber ein säuerlicher Beigeschmack bleibt bei dem Gedanken an diesen Arztbesuch.
Warum versuchte die Ärztin diese Frau dazu zu überreden, ein Baby zu haben, das sie nicht wollte? Und warum versuchte sie, sie mit dem Tod ihres Sohns zu ängstigen? Warum gab sie solche Ratschläge und das in einem Land wie Indien, in dem Übervölkerung bereits eines der größten Probleme ist? Wird denn nicht eine Familienplanung befürwortet, mit der eine Familie nur ein oder zwei Kinder haben sollte, anstatt der fünf oder sechs, die sie traditionell hatten? Zeugte es nicht von einem großen Verantwortungsbewusstsein der Mutter, die die Pflichten kannte, die mit einem weiteren Kind einhergehen würden?
Ob es nun die Hoffnung war, mit einer Schwangerschaft mehr Geld zu verdienen oder eine innere Überzeugung, dass Abtreibungen falsch waren, wissen wir nicht. Ich glaube jedoch, dass das, was ein Arzt sagt, nie von einem dieser beiden motiviert sein sollte – es sollte eine medizinische Meinung sein aufgrund der Untersuchungsergebnisse, neutral und mit genug Raum für den Patienten, so dass dieser eine Entscheidung treffen kann. Nein, diese Ärztin werden wir nicht mehr empfehlen.
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