Das Geld-System hat die Gesundheits-Industrie krank gemacht – 9 Sep 16

Stadt:
Vrindavan
Land:
Indien

Heute war ich also, nach recht langer Zeit mal wieder, bei einem Arzt hier in unserer Nachbarstadt Mathura. Ich habe wieder einmal ein System gesehen, dass zeigt, wie es sogar bei deiner Gesundheit nicht wirklich wichtig ist, wie krank du bist, sondern wie viel Geld zu hast!

Bevor ihr mich besorgt fragt, warum ich denn zum Arzt musste, sage ich euch kurz, dass es nichts Ernstes oder Lebensbedrohliches war! Nein, überhaupt nicht – ähnlich wie Ramona vor nicht allzu langer Zeit habe ich einen kleinen Fleck auf dem Rücken, der seit mehreren Tagen juckt und mit unseren üblichen Salben nicht weggegangen ist. Also beschloss ich, diese Stelle dem gleichen Dermatologen zu zeigen. Ramona kam mit, da sie ihn bereits kennt und weiß, wie das in der Praxis funktioniert. Wir gingen zu dem Reservierungs-Schreibtisch und gaben meinen Namen und mein Alter für die Untersuchung an. Ramona fügte hinzu, dass es ein Notfall war und gab einen 500-Rupien-Schein statt den 300 Rupien, die es normal kosten würde.

Oh ja, so funktioniert das hier vielerorts! Es gibt eine normale Gebühr und dann noch eine, eine höhere, für schnelleren Zugang zu deiner Untersuchung. Du bekommst den Arzt schneller zu Gesicht, wenn du ein bisschen mehr zahlst. Normalerweise heißt das ‚Notfall‘, doch natürlich nimmt jeder, der nicht gerne wartet und es sich leisten kann, diese Möglichkeit in Anspruch!

Die letzten Male als Ramona bei diesem Arzt war, brachten diese extra zweihundert Rupien gleich nach dem nächsten Kunden dran. Dieses Mal fragte sie ‚Also sind wir als nächstes dran?‘ doch die Dame lächelte und antwortete ‚Nein, es wird fünfzehn Minuten dauern‘. Oh? Wir fragten wie das denn, wir hatten doch für den Notfall bezahlt? ‚Ja, aber da sind noch zwei Notfälle vor Ihnen!‘

Ich machte einen Witz mit dem Angebot, ihr weitere zweihundert Rupien zu geben, um als Nächstes dran zu kommen, aber natürlich hat sie nicht die Autorität, das zu tun – und damit möglicherweise einen weiteren Kunden zu verärgern, der vor uns 500 Rupien bezahlt hatte!

Doch da ist das System einfach falsch: was ist mit all den Leuten, die nur 300 Rupien zahlen können? Jedes Mal, wenn einer der 500-Rupien-Patienten kommt, werden sie hinten angestellt! Das erhöht die Wartezeit leicht um ein Vielfaches, was heißt, dass sie manchmal Stunden darauf warten müssen, dass sie den gleichen Arzt sehen dürfen, zu dem andere in fünfzehn Minuten reingelassen wurden!

Das ist jedoch nicht nur ein indisches Problem – nur ist das System im Westen ein wenig anders! In Deutschland zum Beispiel gibt es eine staatliche Krankenkasse und eine private Krankenversicherung für diejenigen, die selbstständig sind oder einen Betrag verdienen, der eine gewisse Grenze überschreitet. Und jeder Arzt behandelt lieber Privatpatienten, weil sie von ihrer Krankenversicherung mehr verlangen können! Oh ja, sie bekommen bessere Behandlung, schnelleren Zugang und in Krankenhäusern sogar bessere Ärzte als diejenigen, die staatlich versichert sind!

Es ist eine kranke Welt, in der es im Gesundheitssystem für diejenige einen Vorteil gibt, die mehr Geld haben – bei den gleichen Ärzten und in den gleichen Krankenhäusern! Ich will nicht, dass Ärzte kostenlos arbeiten – sie haben ihr Geld verdient, wenn sie anderen helfen. Doch wir müssen einen Weg finden, wie wir die benötigte Hilfe allen zukommen lassen, auch denjenigen, die nicht dafür zahlen können. Sei das nun extra oder überhaupt!

Geld, Gesundheit

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