Heute möchte ich euch vom letzten Frauenarzt-Besuch meiner Frau erzählen. Naja, nein, sie ging nicht für sich selbst und sie kam auch nicht mit einer Freudenbotschaft zurück. Nein, sie kam wieder einmal mit einem schlechten Eindruck von der Arbeit, Meinung und Ausdrucksweise eines indischen Arztes zurück. Sie teilte ihre Eindrücke mit mir und ich würde diese wiederum gerne mit euch teilen.
Besonders seit ihrer eigenen Schwangerschaft und der Geburt unseres Mädchens hat meine Frau bemerkt, wie viele Frauen hier in Indien doch sehr wenig über ihren Körper, die Entwicklung und alles rund um die Schwangerschaft wissen – oder auch darüber, wie man nicht schwanger wird. Natürlich ist der Grund für dieses Unwissen teilweise ein Mangel an Bildung, aber es gibt auch so viele gebildete Frauen, die sich schrecklich zieren und schämen, wenn dieses Thema aufkommt, so dass sie kaum die Möglichkeit haben, mehr über ihre eigenen Geschlechtsorgane und alles, was damit zu tun hat, zu erfahren. So kommt’s, dass Ramona bereits mehreren Mitarbeiterinnen und auch Freundinnen geholfen hat, indem sie ihnen von ihrer eigenen Erfahrung berichtete, ihnen erzählte, was sie selbst wusste, Dinge für sie nachschlug oder ihnen Bilder und Videos online und in Büchern zeigte. Sie hat sogar einige von ihnen bereits zu Besuchen beim Frauenarzt begleitet und der letzte Besuch war gemeinsam mit einer unserer weiblichen Mitarbeiterinnen.
Das normale Datum ihrer Menstruation war bereits vorüber und so hatte sie einen Schwangerschaftstest gemacht. Er war positiv – aber sie und ihr Ehemann wollten kein weiteres Baby! Sie fragte sich, was sie denn tun sollte und brachte das Thema auf, während Ramona draußen mit Apra spielte. Eine weitere Mitarbeiterin riet ihr, sie sollte einfach losgehen und ein paar Abtreibungspillen kaufen, die man, so ihre Worte, schließlich überall bekommt – Problem gelöst. Ramona, die bei diesen Worten innerlich zusammenzuckte, erklärte, dass sie zuerst einmal zu einem Gynäkologen gehen sollte und fügte hinzu, dass man ohne ärztliche Untersuchung keine drastischen Schritte unternehmen sollte. Als sie das Zögern der jungen Frau sah, beschloss Ramona, sie zu begleiten.
Bevor sie zum Arzt gingen, führte Ramona eine längere Unterhaltung mit der Frau und sogar ihrem Mann und fragte die beiden nach ihren Plänen für die Zukunft. Die Schwangerschaft hatte sie überrascht, weil sie dachten, die Mutter könnte nicht schwanger werden, solange sie noch ihren zwei-jährigen Sohn stillte. Das Paar hatte keine Ahnung von Verhütungsmitteln, aber sie wussten eines: sie wollten kein weiteres Baby. Sie wollten ihre ganze Liebe und Unterstützung ganz ihrem kleinen Jungen zukommen lassen. Die Frau hatte bereits mehrere Fehlgeburten hinter sich, eine davon nach neun Monaten, als das tote Baby per Kaiserschnitt herausgeholt werden musste. Aufgrund einiger Komplikationen in ihrer zweiten Schwangerschaft wusste sie, dass eine weitere Schwangerschaft auch riskant wäre und definitiv ein weiterer Kaiserschnitt nötig wäre. Sie wusste sicher, dass sie das Kind nicht austragen wollte und ihr Ehemann stimmte ihr zu.
Nach diesem Gespräch und zwei Tagen Zeit, um noch einmal drüber nachzudenken, ging Ramona mit der Frau zur Frauenärztin für etwas, was sie als klare Beratung, Untersuchung, Diagnose und Behandlung, nämlich einer Abtreibung erwartete. Sie war nicht auf die Schwierigkeiten vorbereitet, die sie haben würden – aber von denen möchte ich euch morgen erzählen.
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